Die letzten ihrer Art

Vier frische Rollen Rollei R3 habe ich noch, jeweils noch eine in der F3, die andere in der F100. Der Rest des Schatzkästleins wartet auf Entwicklung. Die letzten ihrer Art. Von den ausgelobten 400 ISO sind 200 zuverlässige geblieben und natürlich das einzigartige Korn dieses Negativfilms. Entwickelt wird mit SAM classic, entsetzlich lange. 25Min im Illfordkipprythmus (30 sek permanent, danach jede Minute einmal). Das ist natürlich Geschmackssache – Richtig gute Photographen sind da vielleicht ganz anderer Meinung: In Eigenurin mit Nestle-Kaffeezusatz mag das anders sein. Mit SAM classic funktioniert es aber recht gut so.

Im Grunde ist es auch gleichgültig. Praktischerweise kann mich niemand eines Besseren überzeugen. Es weder gibt es jetzt noch in Zukunft den Film oder den Entwickler. Rollei gibt es seit 1981 nicht mehr, Franke & Heidecke versuchte bis 2009 vergeblich, den Namen nicht in Singapur oder China versanden zu lassen mit dem bekannten Ergebnis.
Und auch SAM classic und all die andere Chemie dieser Firma ist nun verschwunden. Auch die Firma Spürsinn hat nun das Handtuch geworfen. Ach ja, der Zeitgeist und die Sachzwänge. Für die von dieser Krankheit verschonten gibt es noch Restbestände und die Zusicherung, auch in Zukunft noch im Verborgenen gemischtes…  es ist ein Elend! Friss Kodak D76 oder stirb, Vogel. #Aufschrei.
Für dieses Jahr – oder wenigstens ein paar Monate – reichen die Vorräte. Selbst 120’ Rollfilme R3 habe ich noch. Man hangelt sich von Woche zu Woche.

Gott sei Dank habe ich meine Hardware komplett zusammen. Auf der F3 ein 105mm, auf der F100 das 85’. Das 180ED, wenn man nicht nahe genug kommt und natürlich 50 und 35mm. Die mag ich aber nicht so sehr. Nähe ist für mich 85mm. Mehr Nähe ist Zumutung. Wobei mir immer klarer wird, daß es eine Zumutung für mich ist. Ich möchte gar nicht näher heran. Lieber die Kompression eines kurzen Teles. Vermutlich eine psychische Folge  altersbedingter Weitsichtigkeit.

Nikkor 180mm 2.8 ED

Warum froh? Die Preise steigen wieder. Für einen F3 – Body kann man wieder weit über 300€ aufrufen, eine funktionsfähige Mamiya RB oder Hasselblad touchiert einen vierstelligen Bereich und liegt mit einem brauchbaren Objektiv zum Teil weit darüber. Irgendwer muß das wohl auch kaufen, sagen die Gesetze des Marktes. Schnell noch den Zusatz »Profi« in die Kleinanzeige getippt und sogleich wird das Konvolut 50€ teurer.

In der Mitte seines Wohnzimmers befand sich eine Vitrine, in der er seine Schätze hortete. Unter Glas und staubgeschützt in seinem kinderlosen Nichtraucherhaushalts. Selbst den Hund hatte er deswegen abgeschafft. Na gut, vielleicht nicht ausschließlich deswegen, aber es traf sich recht gut mit dem anstehenden Urlaub, den er mit seiner Gemahlin an der Atlantikküste und der Setter auf einer Raststätte an der A42 verbrachten.

Immerhin sahen die Kameras hinter dem Glas mehr oder weniger fabrikneu aus. Die Leicas aus den 50er und 60er Jahren unbenutzt, das Präkariat der Retinas und Olympus OM hatten wenigstens einen Ausflug zum Strand oder die Familienfeier durchstehen müssen. Eine Rolle Farbfilm, bevor der Katalog auf dem Wohnzimmertisch mit noch besserer photographischer Qualität lockte, die dann ebenfalls in der Vitrine verschwand.

Die Unterhaltung über die Vorzüge und Nachteile seiner Sammlerstücke setzte sich bis zum Abendbrottisch fort. Vor ihm stand ein großes Glas Leitungswasser, während er sich ein Leberwurstbrot mit penibel geschnitzten Scheiben saurer Gurken belegte.

Man kann Farbfilme verwenden, muß es aber nicht

Abwarten also und weiterphotographieren. Irgend etwas findet sich immer, wenn gerade niemand hinsieht.
Zielen
Schießen
Wegrennen

Das Recht an meinem eigenen Bild von der Welt.

0
Dieser Beitrag wurde unter Bildungsfernsehen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Kommentare zu Die letzten ihrer Art

  1. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle,
    wie kommst denn du zu meiner Erkennungsmarke?
    Und dann noch nen Photo vom Komo auf der Brücke, bei Feindfahrt. Ach das waren noch schöne Zeiten als wir bei der Margarine ausschließlich s/w Filme in den Aufklärungskameras verwendeten. Das mit dem Schütteln und nicht gerührt ging (abhängig vom Seegang) wie von Zauberhand.

    0

  2. Pantoufle sagt:

    Moin Fluchtwagenfahrer

    Freundlicherweise haben sie irgendwann auf Farbe umgestellt, was wertvolles Material zur zivilen Weiterverwendung freigestellt hat.

    0

  3. Pantoufle sagt:

    Edit

    Ja, Feindfahrt wie von Zauberhund und richtich in Farbe

    0

    • markus sagt:

      Da dräut doch ne otomelara 76mm was ? aber doch wohl nicht die im Geschwindschritt mal gefahren oder ?
      Sieht nach Tiger-Klasse aus- mal unterwegs gewesen damit ? Passt ja nicht so ganz in diesen Blog, wie kommts?

      0

  4. lautenist sagt:

    nicht ganz das Alte, aber die Rollei-Filme, die nun von Maco produziert werden sind nicht schlecht.
    https://www.macodirect.de/film/schwarzweissfilm/?p=1&o=5&n=36&s=1
    Ich benutze gerne den IR im Mittelformat und den 80S als Standard, wenn ich nicht den Agfa Copex Rapid drin habe.
    Ich finde, der 80er Rollei macht sich gut
    https://www.flickr.com/photos/131938558@N07/29752298541/in/dateposted-public/

    Gruss vom Lautenist

    1+

    Users who have LIKED this comment:

    • avatar
    • Pantoufle sagt:

      Moin Lautenist

      Nimm den etwas wehmütigen Ton des Textes nicht so wörtlich. Das sind so Phasen, weißt Du? Streng genommen sitze ich auf literweise Chemie, mehr als ausreichend Papier – meine Dunkelkammer erfreut sich eines gewissen Völlegefühls.

      Trotzdem vielen Dank für den Tip mit dem 80’ Rollei. Den werde ich mal ausprobieren. Auch wenn mich die Schwermut bei dem Gedanken überkommt, daß die R3 nicht mehr erhältlich sind, bin ich ziemlich experimentierfreudig (nur nicht bei der Chemie). Streng genommen hat mich der R3 auch nur von der Tatsache abgelenkt, daß ich mit dem FP4+ eigentlich schon echt glücklich war. Ich bin nicht so ein toller Photograph und da kommt mir ein Film, der Fehler verzeiht, recht gelegen. Als 120’ halte ich ihn ohnehin für ziemlich unschlagbar. Damit habe ich den R3 noch gar nicht ausprobiert.

      Demnächst in diesem Theater

      Grüß zurück von Pantoufle

      2+

  5. derdilettant sagt:

    Schöner Plattenspieler da rechts auf dem Bild.

    0

  6. pentimento sagt:

    OT – Mich würde echt interessieren, von wem das Gemälde ist, das hinter dem Sofa hängt, auf dem ein Mann sitzt, der sich gerade die Füße gewaschen hat.

    Es geht m.M.n. nichts über Schwarz-Weiß- Fotos, außer vielleicht bei Landschaften und für ehrliche Junkfood Werbung. Das Licht in den Haaren der dunkelhaarigen Schönheit ist traumhaft. Besser geht’s nicht.

    0

    • Pantoufle sagt:

      Moin Pentimento

      Ich hab mal eben bei der Besitzerin angerufen: Das ist von einem befreundeten Maler der Wohnungsinhaberin, deren Vater sich so harmonisch in die Komposition einfügt. Also Einzelstücke. Der Name des Malers lautet »befreundet«. »Ist nicht zu verkaufen!« Sorry, mehr war nicht herauszubekommen.

      0

  7. markus sagt:

    Da dräut doch ne otomelara 76mm was ? aber doch wohl nicht die im Geschwindschritt mal gefahren oder ?
    Sieht nach Tiger-Klasse aus- mal unterwegs gewesen damit ? Passt ja nicht so ganz in diesen Blog, wie kommts?

    0

    • Pantoufle sagt:

      Nicht schlecht. Ja, ist ein Tiger. S43. Und gefahren auch, allerdings nicht auf Grauschiff. Salzwasser liegt irgendwie in der Familie. Und wieso passt das nicht hierher?
      Bist Du gefahren? (äußerst wahnsinnige voraus)

      0

  8. markus sagt:

    Ne bin ich nicht, nicht auf Schnellheimern jedenfalls. Ich habe zwar ein kleines Patent in der Seefischerei “errungen” aber ich habe fast 30 Jahre bei Lürssen und B&V gearbeitet, einen großen Teil dann auch in der Werfterprobung ect. Ein Teil dieser Schiffe sind ja hier in Bremen gebaut worden. Allerdings vor meiner Zeit. Die Dinger sind ja wohl längst außer Dienst, oder an irgendwelche Libanesen oder andere seebefahrnen Indianer verkloppt worden.
    Ansonsten liest sich der Blog ja nicht so als hätte der wehrte Inhaber hier mal mariniert unter “Seekriegsflagge”. Da gilt`s ja schließlich freiwillig hinzugehen soviel ich weiß.

    0

    • Pantoufle sagt:

      Unter Flagge nicht, jedenfalls keine mit Kreuz. FMS Sonne, Hochseefischerei. Fischstäbe und andere Filets. Familiär gabs bei uns auch Grauschiffe. Daher das Bild. Ich habe die Tiger-Klasse immer gemocht. Auf See haben wir mal einen Verband gesehen, der sich bemühte U-Boot zu spielen. Das sah schon sehr spektakulär aus, die kleinen Bötchen und das viele Wasser. Und dann kam einer meiner Brüder auf so eine Krawallkiste. Hoffentlich enttäuscht Dich die Erklärung nicht 🙂

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.