Die Laienspielgruppe

Drei Monate nach der Wahl darf der Wahlbürger endlich erfahren, was er nun eigentlich gewählt hat. Selten dauerte es länger die Verlierer namentlich zu wissen, selten drängte sich der Begriff Slapstick stärker auf. Die Personalknappheit zeigt skurile Blüten.
Das Kabinett ist benannt, erwartungsgemäß gibt es keine angenehmen Überraschungen. Merkels Gurkentruppe 3.0 steht in den Startlöchern, wobei bei einigen Protagonisten der Eindruck naheliegt, es wären keine Start – sondern Schützenlöcher. Der Gediente wird den Unterschied kennen, die Unkundigen haben vier Jahre Zeit, ihn zu begreifen.

Anfangen wollen wir mit einer der heiteren Seiten.
Die Vergeltungswaffe der Union Ursula von der Leyen wird Verteidigungsminister. Der Verzicht der Silbe in ist beabsichtigt. Vor allzuviel Vorfreude sei gewarnt: Der systemimmanente Schleudersitz, den dieses Amt repräsentiert, könnte bei v.d.Leyen ausnahmsweise versagen. Die Fähigkeit, mit ihren Gegnern Tatsachen vom Boden zu feudeln, könnte die Amtszeit länger ausfallen lassen als gewünscht. Neue Hoffnung für Drohnen mit Flugverbot, fluguntauglichen Jägern, landeunfähige Hubschraubern, Schrotflinten statt Sturmgewehren usw. Man weiß gar nicht, was man sich mehr wünschen sollte: Ihr Scheitern oder ihren Erfolg. Das Ergebnis ist in jedem Falle ein Desaster für die menschliche Kultur. Soldaten sind Mörder. Herzlichen Glückwunsch, Frau Doktor.

Alexander Dobrindt. Alexander Dobrindt. Alexander Dobrindt. Alexander Dobrindt.
Na, schmerzt bereits die Erwähnung des Namens? Soll ich nochmal? Alexander…
Verkehr und Internet.
Das bedeutet, Kölner Dom Stuttgart21, der Willy Millowitsch Flughafen BER und all die toxischen Großprojekte können für vier Jahre aufatmen.
Durchatmen sollten alle Internetbenutzer. Vor allem diejenigen mit einer eigenen Meinung oder auch nur einem Mindestmaß an Informiertheit. Als Rache für die Forderung nach einem eigenen Ressort »Internet« verpflichtete das Merkel jemanden, der genau das nicht besitzt. Ein kümmerlicher Lacher; ich weiß. Aber es wird sich irgend jemand finden müssen, der Alexander Dobrindt erklärt, daß auch Ausländer das Internet benutzen.
Er wird das nicht glauben. Und danach verbieten.

Hermann Gröhe (CDU) wird Gesundheitsminister. Keine Ahnung, kein Interesse, keine Meinung. Die perfekte Besetzung.

Hans-Peter Friedrich. Jeder kennt ihn, jeder liebt ihn. Scheinbar auch ein paar Verantwortliche in der Stellenvergabe. Der Bauer darf heim auf seinen Acker. Landwirtschaftsminister. Kleiner Tip von dieser Stelle: Vorratsdatenspeicherung verhindert Missernten, Herr Minister!
(Irgendwie freut es mich für ihn: Man hat einem kleinen Menschen eine große Freude gemacht)

Andrea Nahles (SPD) Keiner kennt sie, keiner liebt sie. Schon gar nicht die, die sie kennen. Aber die anderen eben auch nicht. Das ist sogar durch Meinungsumfragen bestätigt worden. Kein Arsch will sie wirklich sehen, weswegen sie das Ministerium für Arbeit und Soziales übernimmt. »Während der Koalitionsverhandlungen habe sie ihre Kompetenz unter Beweis gestellt«, heißt es aus SPD-Kreisen. Deswegen das Trostpflaster. Daß man damit das Geschacher der Pöstchenvergabe neuerdings aber unter »Arbeit und Soziales« einordnet, läßt tief blicken.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat es auch noch einmal geschafft. Außenminister. Das hat er schon einmal gemacht, das darf er nun wieder und strahlt wie das Lamm unter dem Weihnachtsbaum.

Manuela Schwesig (SPD). Bundesministerin für Familie, Rentner usw. Sie könnte auch noch für die eine oder andere böse Überraschung gut sein. Im Namen der Kinder und anderer, die sich nicht wehren können, würde Schwesig noch mehr Internetinhalte sperren oder löschen als Zensursula. Auf sie geht auch ein Erlass zurück, nachdem in Mecklenburg-Vorpommern die Verfassungstreue von Mitarbeitern in Kindertagesstätten überprüft wird. Natürlich alles auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen-Unordnung.

Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Die Koks – und Kohleverehrerin Hannelore Kraft schickt ihr bestes Stück: Barbara Hendricks (SPD) wird Umweltministerin. Frauenpower gegen die Energiewende. Deswegen auch jetzt die genderkonforme Silbe am Ende. Selber schuld!

Bundesminister der Justiz: Heiko Maas. SPD. Machtmensch. Intelligent. Will »Killerspiele« verbieten. Erinnert ihn wohl zu sehr an seine eigene Karriere.

Innenministerium: Dieses Amt ist in den letzten Jahren während der Herrschaft H.P. »Schredder« Friedrichs in den Geruch des Bösen gekommen. Der Chef der Behörde strahlte allzeit Überforderung und Inkompetenz aus – das ging allein aus psychologischen Gründen nicht mehr so weiter. Thomas de Maizière wechselt zurück in dieses Ressort. Umgeben von Blinden freut man sich beinahe über den Einäugigen.

Hab ich was vergessen? Ach ja: Das liebe Geld. Bleibt alles beim alten – der alte und neue Champion ist Wolfgang Schäuble. Das war aufgrund der peinlichen Personalmisere der Union zu erwarten und stört irgendwie auch niemanden.

Und dann gibt es natürlich noch die Panzergrenadiere unter den Abgeordneten (er ist kein Mensch, er ist kein Tier: Er ist ein Panzergrenadier) Kleiner Scherz. Hammwa seinerzeit bei Kursk herzhaft drüber gelacht!
Jörg Asmussen (SPD) ist nun Staatssekretär unter Andrea Nahles. Asmussen? Ja, das ist der Staatssekretär, den man mit Mühe und Not zur EZB weggelobt hatte. Seine Unfähigkeit legte das in deutschem Interesse nahe – bedauerlicherweise ist dies aber auch in der europäischen Zentralbank aufgefallen. Diese Bank verläßt er nun aus »persönlichen Gründen«. Es hat wohl jemand laut gesagt.
Die ganzen Vorsitzenden, Staatssekretäre – sozusagen das Dämm-Material in der Wohlfühlschachtel Bundeskabinett. Johanna Wanka (Bildung), Peter Altmaier (Kanzleramtschef), Gerd Müller (Entwicklungsminister), Angela Merkel (Bundessprachlosigkeit), Andreas Scheuer (CSU-Generalsekretär)… und da wäre ja noch…

Beinahe vergessen: Der Sieger! Der ehemalige Pop und Unterhaltungsminister jetzt selber Star am Postenhimmel: Sigmar Gabriel! Minister für Wirtschaft und Energie. “Der Industriestandort Deutschland muss erfolgreich und verlässlich bleiben”.
Sigmar Gabriel hat gelogen, daß sich die Balken biegen. Alles vergessen. Er hat die letzten Reste von Sozialdemokratie für ein vergammeltes Butterbrot verkauft. Alles Vergessen. Er hat die dringend erforderliche Erneuerung der SPD auf Jahre hinaus verschoben. Alles vergessen.
Würden Sie diesem Mann Ihr Fahrrad zum Halten geben?

0
Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Die Laienspielgruppe

  1. Der Emil sagt:

    Naja, ein Gutes hat die Leyenspielerin im Verteidigungsressort: Erfahrung im Aushungern der “Gegner” …

    0

  2. Stony sagt:

    Bei der Uschi tät es mich nicht wundern, wenn der toxische Schleudersitz mit Bedacht gewählt wurde, scheint sie doch die einzige ‘Konkurrenz’ zu Mutti darzustellen. Aber naja…

    Würden Sie diesem Mann Ihr Fahrrad zum Halten geben?

    Nö … Verschrotten bringt im Zweifelsfall ja doch nen paar Cent.
    Ich hätt’ da aber noch ne’ Restmülltüte und ein paar Flaschen für den Glascontainer! 😀

    0

    • pantoufle sagt:

      Die Variante der Leyenvernichtung wäre die Wünschenswerteste, aber ich hab da so meine Zweifel

      0

      • Stony sagt:

        Mal noch ‘ne andere Perspektive: wenn die Uschi den Job noch besser macht als ihr Vorgänger, der sich ja doch recht gut, mit Durchlabern, Aussitzen und haste-nicht-gesehn, durch diverse ‘Affärchen’ mogelte, dann, ja dann, wäre sie wohl echt geeignet als Nachfolgerin für das große Es. Vielleicht hat Es ja langsam keinen Bock mehr, oder Lust auf anderen Kram, was auch immer. Nur mal so als Gedanke… 😉

        0

  3. altautonomer sagt:

    Wenn die SPD 2017 bei unter 18 % landen sollte, wird sich kein Sozialdemokrat finden, der für die GroKo gevotet hat. Dann waren wieder mal alle dagegen.

    0

    • pantoufle sagt:

      Das ist ein einer der Punkte. Ein anderer, der mich beschäftigt, ist, daß während der unerträglichen Jubelparty sich niemand für die Frage interessiert, aus welchen Gründen die SPD-Mitglieder letztlich der GroKo zustimmten.
      Man darf nicht außer Acht lassen, daß es durchaus Gegenstimmen gab. Nach dem Desaster mit den Jusos hat man sich aber offenbar dazu entschlossen, sich nicht mehr allzusehr für Gründe zu interessieren. Gegenargumente haben keine Öffentlichkeit.
      Gabriels als revolutionär gefeierte Mitmachpartei ist bei Lichte gesehen eine Abstimmpartei. Die Diskussion – soweit sie überhaupt stattfand – wird dabei aus dem Licht der Öffentlichkeit verbannt. Genau diese Gegenstimmen könnten das von Dir postulierte Ereignis relativieren.

      0

    • Oliver sagt:

      Dazu wird es wohl nicht kommen. Vielleicht sinkt 2017 die Wahlbeteiligung unter 50%, dann wird es sicher für 20+% für die SPD reichen. (So langsam wird die Wählerei aber auch lästig und sinnlos!)

      0

  4. Filetiert hat er sie, die gesamte Mannschaft. Wunderschön zu lesen.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *