Der Wurm ist älter als der Apfel.

@Joachim
Die Zeit der Militärjunta war gerade einmal 7 Jahre vorüber als Griechenland am 1.1. 1981 als 10. Mitglied der EWG beitrat. Der Betritt war durchaus nicht unumstritten: Da war zum einen das gespannte Verhältnis zum NATO-Partner Türkei, zum Anderen die Armut und die eher agrarisch ausgerichtete Wirtschaft. Der Amtsantritt Konstantinos Karamanlis als Premierminister (1974), der auf Druck der westlichen Staatengemeinschaften aus seinem französischen Exil eingeflogen und inthronisiert wurde, bezeichnete das Ende der Monarchie und die Rückkehr zu einer konservativen Demokratie. Karamanlis Versuche der gesellschaftlichen Transformation Griechenlands zu Pluralismus, Demokratie und zu einem modernen Sozialstaat blieben allerdings weitgehend erfolglos. Zu tief verankert lagen die Seilschaften der vergangenen Jahrzehnte – zu wenig aufgearbeitet deren Morde und andere Verbrechen. Die liberal-konservative Nea Dimokratia erwies sich als stumpfes Instrument für einen wirklichen Neuanfang, der von denen, der sie ihre Macht verdankte, auch sicherlich nicht erwünscht war.

Die Aufnahme zur EWG geschah vorrangig aus politischen Gründen, um die noch wackelige Demokratie nach der Zeit von Monarchie und Militärdiktatur zu unterstützen. Wirtschaftlich gesehen litt das Neumitglied der EWG unter Inflation, Arbeitslosigkeit und einem horrenden Handelsdefizit. Nicht gerade eine Liebesheirat: Schon gar nicht, als die »von ausländischen Mächten aufgezwungen« empfundene konservative Regierung Karamanlis kurz nach dem EU-Beitritt von den Sozialisten unter Andreas Papandreou abgelöst wurde.

Die nun regierende PASOK hatte sich mit Slogans wie » Griechenland den Griechen« oder » EG und NATO das gleiche Syndikat« auch einem nicht-kommunistischen Lager geöffnet, was ihren Wahlsieg ermöglichte. Die Wahlversprechen zum Austritt aus der EWG und NATO wurden freilich niemals auch nur angedacht – vielmehr ermöglichte die finanzielle Unterstützung aus der EU der PASOK, zu der selben Klientelpartei zu werden wie vorher die Nea Dimokratia. Betrug die Staatsverschuldung bei Amtsantritt Karamanlis 1981 noch 30% des Bruttoinlandsproduktes, so lag sie 1990 bereits bei 80%. Der Beitritt zur Zollunion hatte mit seiner Importwelle ein Handelsbilanzdefizit von ca. 86% zur Folge, ein Wert, der sich bis heute wenig änderte. Korruption und Bürokratie taten ihr übriges, ausländische Investoren abzuschrecken. Da halfen weder die niedrigen Lohnkosten noch die zaghaften Reformen unterschiedlicher Regierungen.

Die Probleme blieben dieselben wie die aus der Zeit der Militär-Junta. Vetternwirtschaft und Korruption, eine grotesk aufgeblasene Verwaltung, die ungleiche Steuerbehandlung bestimmter Gruppen und Berufe, Steuerfreiheit von Reichen und weitverbreitete Steuerhinterziehung. Daß sich ein solches System überhaupt noch halten konnte, lag auch daran, daß Exportnationen wie unter anderem Deutschland massiv davon profitierten. Solange Griechenland die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der NATO unterstützte, war dort nicht nur für die Rüstungsindustrie ein Milliardenmarkt offen. Bei nur 11 Millionen Einwohners hatte es Griechenland immerhin in den Klub der fünf größten Waffenimportnationen geschafft.

Die endgültige Katastrophe begann mit Griechenlands Beitritt zur Eurozone im Jahre 2001.
Daß die Staatshaushaltsstatistiken Griechenlands der vergangenen Jahre stark geschönt waren, war allgemein bekannt. Nicht nur in Athen griff man zu diesem Mittel, den Erfolg von dringenden Reformen in besserem Lichte erscheinen zu lassen. Und für den Beitritt zur Währungsunion war es unabdingbar. Wie auch der Beitritt an sich unabdingbar war: Griechenland kam dadurch in Lage, unter der Sicherheit von EU und der europäischen Zentralbank langfristige Kredite mit erheblich günstigeren Zinskonditionen als bisher aufnehmen zu können. Die wurden dringend gebraucht, um das System Griechenland zu retten. Und so wurde das Geld auch nicht in die langfristig wirkende Modernisierung von Produktionsstrukturen investiert, sondern versickerte in einem undurchsichtigen Apparat. Neue Schulden, um die Zinsen der alten zu bezahlen und Milliardengräber wie die olympischen Spiele. Ein unendlicher Kreislauf, um ein sehr altes System am Leben zu erhalten.

Spätestens seit 2004 war offiziell bekannt, daß die Statistiken, mit denen Griechenland sich in die EU gemogelt hatte, nicht das Papier wert waren auf das sie gedruckt wurden. Die Brüsseler Beamten hatte die Zahlen auch nie überprüft; auch das war nun publik. Das Ende vieler griechischen Staatsanleihen fiel zusammen mit dem Datum der globalen Wirtschaftskrise 2008. Griechenland war nun ganz offiziell pleite, ohne daß sich jemand groß daran gestört hätte. Um einen (im Grunde schon eingetretenen) Staatsbankrott zu vermeiden, beantragte Athen im April 2010 EU-Hilfe im Gegenzug zu Spar- und Konsolidierungsbemühungen. Die Stunde der Troika.

Wessen Geistes Kind die nun anlaufende Hilfe war, läßt sich beispielsweise am Besuch des damaligen Außenministers Westerwelle ablesen, der noch 2010 Athen dringlich an die griechische Bestellung von 60 Eurofightern erinnerte. Auch auf die Abnahme der bestellten U-Boote müsse man leider bestehen – Geschäft sei schließlich Geschäft. Im Wartezimmer stand bereits der Vertreter der halbstaatlichen französischen Werft DCNS, der an vier bestellte FREMM-Fregatten erinnern wollte. Der Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos wurde 2012 verhaftet. Er hatte für den Kauf von deutschen U-Booten von der Firma Ferrostal Schmiergelder erhalten.
Man wollte offensichtlich nicht den EU-Partner Griechenland retten, sondern das System Griechenland. Als der politisch schon angeschlagene Ministerpräsident Georgios Papandreou 2011 mit einem Referendum über die Frage von EU-Hilfe droht, wird er umgehend von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ins Abseits gestellt. Sein Nachfolger, Antonis Samaras von der Nea Dimokratia wird als willige und gehorsame Marionette installiert.

Ein ehemaliges Nachrichtenmagazin titelte das mit »So bändigen Merkel und Sarkozy die Griechen«. Eine Bändigung mit absehbaren Folgen, die zudem einige Parallelen zu der Situation von 1974 aufweist. Genau wie auf die Wahl der damals sozialistischen PASOK 1981 kommt es Anfang des Jahres 2015 zu einem sozialistischen Ministerpräsidenten Tsipras. Nicht, daß sich die politischen Verhältnisse vergleichen ließen – es ist eher eine sarkastische Anmerkung der Historie. Eine wenigstens oberflächliche Ähnlichkeit hat das (durchaus berechtigte) Gefühl der meisten Griechen, Opfer »ausländischer Mächte« zu sein.

Auch ein weiteres ähnliches Detail fällt ins Auge: Die Werbung der Syriza auch im konservativ-rechtpopulistischen Lager. Man ist angetreten, um das System Griechenland zu reformieren, seine verkommenen und verkrusteten Strukturen. Das geht nur dann, wenn diese Reform von allen Seiten mitgetragen wird. Auch von rechts, was im linken europäischem Lager auf völliges Unverständnis trifft. Was dabei häufig übersehen wird, ist der enorme Leidensdruck der Griechen, die tatsächliche Alternativlosigkeit zu ernstzunehmenden Reformen. Die Ernennung des einzigen Ministers des sicherlich ungeliebten Koalitionspartners ANEL ausgerechnet zum Verteidigungsminister ist an Ironie kaum zu überbieten – warum lacht eigentlich niemand? Kein Ressort wird aller Wahrscheinlichkeit nach stiefmütterlicher behandelt werden, setzt man die Versprechungen des Wahlkampfes auch nur zum kleinen Teil um. Und sieht man sich den furiosen Start der neuen Regierung an bestehen daran wenig Zweifel. Sollte Tsipras und die Spezialisten der Syriza bis zur nächsten Wahl genügend Erfolge vorweisen können, wäre auch dieses Kapitel Geschichte; man wäre auf solche Koalitionspartner nicht mehr angewiesen.

Um es zu wiederholen: Es sind Reformen, die nur dann realisiert werden können, wenn unabhängig der politischen Lager alle an ihrer Verwirklichung arbeiten. Von ganz links bis rechts. Die Syriza ist nicht deswegen gewählt worden, weil sie sozialistisch ist, sondern weil die Protagonisten nicht im Ruch stehen, Teil der bisherigen Elite gewesen zu sein. Das ist ein Pfund, mit dem man naturgemäß nur kurz wuchern kann. Alle Stimmen Europas – natürlich mit Ausnahme der Deutschen – hören dieser neuen Regierung mittlerweile zu statt sich auf die Zusagen einer korrupten und abgesetzten Bande zu versteifen. Nicht »die Griechen« haben diese Zusagen gemacht – es war eine von der EZB abgesegnete Junta. Wenn die westlichen Gläubiger Griechenlands tatsächlich an einer langfristigen Rückzahlung ihrer Kredite interessiert sind, wird sich diese Erkenntnis durchsetzen, wird man an der Abschaffung des »System Griechenland« mitarbeiten.

Vom System Griechenland haben die Exportnationen Jahrzehntelang erfolgreich profitiert, es dadurch überhaupt am Leben erhalten. In wie weit diese Staaten an tatsächlichen Änderungen des Geschäftsbetriebs interessiert waren, sei dahingestellt. Erst als der Patient im Koma lag – selbst seine vorherige Zahlungsunfähigkeit hatte man gerne ignoriert -, wurden Reformen des Systems erstmalig zu einem Thema. Selbst wenn diese von einer sozialistischen Regierung kommen.

Die Syriza koaliert in dieser Situation mit den Rechten, um diese Reformen überhaupt angehen zu können?

Na und?

 

Ach, daß wisst Ihr schon alles? Macht nichts. Es erscheint deswegen unter der Rubrik »manchmal muß ich mir etwas selber erklären, damit ich es begreife«. Das war mir als Tag aber zu lang.

 

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0 Kommentare zu Der Wurm ist älter als der Apfel.

  1. Joachim sagt:

    Nein, ich wusste nicht alles, jedenfalls nicht, ohne die Auffrischung und Ergänzung meiner Erinnerung. Vielen Dank dafür (auch wenn ich hoffe, das Viele das lesen und das @Joachim nur ein Symbol und eine Art gerechtfertigte Kritik war).

    Zum Text selbst: korrekt, immer wieder korrekt. Ich muss und darf nicht widersprechen. Doch ich kann versuchen, noch eine andere Facette aufzuzeigen. Das Jetzt.

    Ich sehe auch, dass man “Rechte”, so sie gewählt werden, in die Pflicht nehmen muss. Es gibt aber Gefahren, etwa Fremdenfeindlichkeit. Griechenland ist nicht dafür bekannt, Flüchtlinge menschenwürdig zu behandeln (und die EU, DE besteht darauf, Menschen in ihre Ankunftsländer zurückzuschicken). Nein, das ist nun weniger Wertung, als auf die Tatsache begründet, dass nicht nur den Griechen das Geld fehlt.

    Auch andere Positionen der europäischen Rechten sind nicht nur für Linke inakzeptabel. Die Befürchtung, dass diese Koalition kracht, die ist real. Es drohen italienische Verhältnisse, im günstigen Fall. Das gilt besonders, wenn wir verhindern, dass diese Regierung ihre eigenen Vorgaben, ihren Wählerauftrag nicht wenigstens zum Teil umsetzen kann.

    Wenn die Exportnationen also weiter auch von Griechenland leben wollen und wenn sie eine radikale Rechte (oder Linke) nicht weiter stärken wollen, dann sind sie gut beraten, eine akzeptable Lösung für Griechenland zu finden.

    Schäuble tut das mit seiner Aufrechterhaltung der Forderungen momentan nicht. Diese Position ist der Garant dafür, dass sie nicht erfüllt werden können. Das ist gut, um Griechenland zweitweise in der Abhängigkeit zu halten, doch schlecht, wenn man irgendwann verdienen möchte. Das sollte selbst der konservativste sehen. Fürchtet man Reparaturzahlungen und möchte die Griechen deshalb verhungern lassen?

    Ganz schlecht ist es, wenn man daran denkt, wie es Menschen mit nicht funktionierender Krankenversicherung, mangelhafter Altenversorgung, unterbezahlter Bildung und so weiter geht. Jugendliche ohne Arbeit erlangen nicht einmal die Fähigkeiten, die zur Arbeit notwendig sind. Je mehr Menschen in Armut getrieben werden, um so weniger kann Griechenland auch nur irgend etwas. Staat sowieso nicht mehr. Staat ist nicht Wirtschaft. Staat ist ein Gesamtkonzept.

    Geht man davon aus, dass ein Staat die Menschen in ihm sind, dann existiert ein Punkt, wo ein Staat nicht mehr existent ist, weil die Menschen ihrer Existenz beraubt werden. So ein nicht existenter Staat zahlt keine Schulden zurück. Er kann auch nicht mehr in der EU, dieser Fortschreibung der Montan-Union, sein weil er nicht existiert, bestenfalls noch Chaos verwaltet. So ein Nicht-Staat bildet die Slums Europas. So darf mein Europa nicht aussehen. Einen Teil des Profits, den wir einfuhren, ist zurück zu geben. Der war ja nicht einmal zwingend gerechtfertigt. Natürlich haben wir sie über den Tisch gezogen.

    Deutschland schlägt dem Lahmen dann auch noch die Krücke weg, nötigt ihn um des Geldes willen, vernichtet ihn aus Prinzip, weil die auf instruierten Regeln gar nicht eingehalten werden können. Schäuble, Merkel drücken sich um die eigene Verantwortung in ihrer pseudo-Konservativen, in Wirklichkeit auch für uns kontraproduktiven Prinzipienreiterei. Möglicherweise lassen sie die griechische Regierung verhungern. Doch damit setzen sie keine rechtsstaatliche Ordnung durch. Damit schaffen sie ein Loch, diese Lücke für Radikalsimus, Vorteilnahme bis zur Korruption und Diktatur.

    Doch dumme alte Leute mit zu viel Macht und Geld denken, Opfer müssen gebracht werden. Menschen sind egal. Sie glauben an ein merkwürdiges Weltbild. Kann man sich gesund schrumpfen? Möglicherweise. Doch man kann auch verschwinden, wenn man es übertreibt. Es geht den Menschen auch dann nicht von selbst gut, wenn es der Wirtschaft gut geht. Notwendige Bedingung dafür ist, dass es der Wirtschaft gut gehen kann. Und wer macht die Wirtschaft? Nicht der, dem gerade seine kleine Firma pleite gegangen ist und sich nun fragt, wie es weiter gehen soll.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Joachim

      Nix Kritik – in einem Nebensatz hattest Du die Frage nach einer Erklärung zu dem rechtspopulistischen Koalitionspartner noch einmal in den Raum gestellt. Die Reaktion auf diese zugegebenermaßen widersinnige Allianz löst ja je nach politischem Lager Reaktionen zwischen Spott und Unverständnis aus. Vor ein paar Tagen hatte ich dem kleinen Teilchen bereits einen (schlecht vorbereiteten, eher aus der Hüfte geschossenen) Kommentar dazu gegeben, den ich mindestens für mich selber noch einmal ergänzen wollte. Das paßte also ganz gut zusammen und sollte so auch eine etwas länger geratene Antwort an Dich sein.

      Die Flüchtlingsproblematik in Griechenland und die grassierende Fremdenfeindlichkeit hatte ich durchaus »auf dem Schirm«. Das Thema ist nicht neu. Die geographische Lage Griechenlands an den Grenzen zu Ländern des ehemaligen Ostblocks hat seit den 90er Jahren dazu geführt, daß man de facto zu einem Einwanderland wurde. Verschärft wurde dieser Zustand durch die Ratifizierung der Genfer Flüchtlingskonvention, des Schengener Abkommens und des Dublin-II-Abkommens 2003. Die aus dem letzten Abkommen resultierende Drittstaatenregelung ist nach den Folgen des Afghanistan- und Irak-Krieges, den Unruhen im arabischen Raum und der unstabilen Lage in Afrika für Griechenland zu einer schweren Belastung geworden. Die neofaschistische Partei »Goldene Morgendämmerung« hat davon sicherlich profitiert.
      Trotzdem habe ich dieses – wenn auch sehr wichtige Thema – aus der kurzen Timeline Griechenlands herausgehalten. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und weil es sich um ein vergleichbar neues Phänomen handelt. Ganz sicher verschärft es die wirtschaftlichen Probleme, ist aber (noch) nicht ursächlich.

      Das »Prinzip Deutschland« (ein »Prinzip Merkel« würde hier deutlich zu kurz greifen) lebt existentiell vom Außenhandelsdefizit der Importnationen. Das ist an verschiedener Stelle schon ausführlich dargelegt worden, ebenso wie der Ärger, der sich anderswo darüber breit macht.
      Daß die mediale und politische Aufarbeitung des Bankrotts Griechenlands so unbegabt und widersinnig ist, überrascht aber schon etwas. In wie weit die Medien dabei lediglich vorauseilendem Gehorsam oder Vorgaben »von oben« folgen, ist nicht einmal so interessant. Nicht nur am Beispiel des Spiegel wundert man sich allerdings, daß man in dieser Sache so vollkommen alle Spielregeln und journalistischen Grundsätze über den Haufen wirft.

      Läßt man einmal die üblichen Brüllaffen der größten Koalition aller Zeiten beiseite, verblüfft Minister Schäuble allein mit seiner sturen »was gestern Recht war, kann heute nicht Unrecht sein« Sturheit. Da sitzt ihm in Gestalt des griechischen Finanzministers ja nicht nur jemand ohne Krawatte gegenüber, sondern ein ausgewiesener Fachmann (der Schäuble nicht ist) und erzählt ihm im Grunde Binsenweisheiten, das, was mittlerweile Allgemeingut ist. Anstatt dem Manne ruhig zuzuhören, redet Schäuble so einen Unsinn wie »Griechenland den Heuschrecken öffnen« und pocht auf Verträge, die mit handverlesenen Vertragspartnern unter Druck zustande kamen und Kredit-Konditionen, die jede staatliche Infrastruktur irreparabel beschädigen. Daß der eingeschlagene Weg dem Land auch nur in ferner Zukunft irgendwie weiterhilft, glaubt mittlerweile nicht einmal mehr die Bildzeitung. Aber Schäuble offenbar oder gibt das wenigstens vor. Was Schäuble aber genau weiß, ist, daß die angebliche Sanierung Griechenlands nichts weiter als eine verbrämte Bankenrettung ist. Man hatte auf Baisse spekuliert und irgendwer muß nun zahlen; es war Teil des Spiels – welcher vollsinnige Mensch hätte nach 2004 noch auf steigende Kurse gesetzt?

      Daß diese Zockermentalität immer noch als Sternstunde der politischen Weisheit verkauft wird, ist ziemlich dreist. Aber weder die bemühten Medien noch ein verstockter Schäuble können etwas daran ändern, daß sich der Wind bereits gedreht hat. Niemand will ein zweites Argentinien am Rande Europas – nicht einmal Minister Schäuble. Das aber ist genau die Manövermasse, mit der die neue Regierung ohne Schlips und Staatskarosse agiert. Die Frage lautet also nicht, was diese griechische Regierung will, sondern was sie auf keinen Fall möchte. Und dahinter verbirgt sich eben die Forderung, auf alte Fragen neue Antworten zu bekommen. Selbst wenn man im Falle Athens stur bei den alten Fehlern bleibt, weiß doch eigentlich jeder, daß man eine Antwort auf die griechische Frage zwar auf die lange Bank schieben kann, ihr aber auf Dauer nicht mehr ausweichen kann.

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  2. lazarus09 sagt:

    Ich lese gerade das Super-Mario zurückrudern muss –> http://goo.gl/rpwZuz
    Übrigens Hausherr du hast Post .. nix eiliges nur ne Nachfrage 😉

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  3. DasKleineTeilchen sagt:

    »manchmal muß ich mir etwas selber erklären, damit ich es begreife«

    und ausgesprochen schön, daß du den vorgang des dir-selbst-erklärens so öffentlicht machst. MUCHAS gracias!

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  4. DasKleineTeilchen sagt:

    @lazarus: die märkte ma wieder; da hat sich muttis wolfgang diesmal aber gründlich verrechnet. es ist total irre, ausser auf athen via dtsch. presse verbal einprügeln bleibt eigentlich nix *kicher*, denn kraft der umstände sitzt die Syriza wohl tatsächlich am längeren hebel.

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  5. der Doctor sagt:

    Schäuble,wie die EU-Spitze führen hier schon Rückzugsgefechte.Es dürfte auch ihnen insgeheim klar sein, das ein Festhalten am Austeritäts-Irrsinn ebenso ,ein Ruin Griechenlands, und dessen damit verbundenes Ausscheiden aus dem Euro, dem Steuerzahler sehr viel teurer kommt, als ein kontrollierter Teilschuld-Erlass und ein Aufbau-Plan analog des Marschall-Plans.
    Wenn Griechenland aus dem Euro raus fliegt,ist das das Ende des Euros,Das wird auch die deutsche Wirtschaft nicht verkraften, und das Geld ,das in die Rettung gesteckt wurde , ist dann völlig verbrannt,wie Sahra Wagenknecht richtig bemerkt.
    http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/2051.griechenland-nicht-weiter-ausquetschen.html
    Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum es Merkel jetzt plötzlich einfällt, mit Hollande auf eine Friedensmission nach Moskau zu gehen, so begrüßenswert das auch ist.Wenn sie einen Frieden aushandeln kann, dann kann sie sich hier als große Siegerin feiern lassen ,und Schäuble widersprechen, das man den Griechen doch entgegen kommen ,und von den Kürzungs-Diktaten abgehen muss, und trotzdem ihr Gesicht wahren.Der einzige ,der blöd da steht ist dann Schäuble, denn der Michel wird dann sagen:”Mutti hat die Zeichen der Zeit erkannt.”, und vergessen, wer denn Schuld an der ganzen Misere ist.Wäre ich Schäuble, dann würde ich den griechen jetzt weitestgehende Zugeständnisse machen, die es sowieso geben wird, denn eine Insolvenz Griechenlands ,zum Monatsende hin, kann sich die EU nicht leisten.Das dürfte auch Draghi gedämmert haben.Deshalb rudert er jetzt zurück.

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    • lazarus09 sagt:

      Die Kuh ist so oder so lange nicht vom Eis .. read surprising discoveries–> http://goo.gl/BcA8RJ

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    • pantoufle sagt:

      Moin Doctor

      Wir sind uns über den Term Rückzugsgefechte durchaus einig. Was ich nicht ganz so sehe, sind die hypothetischen Folgen eines Euro-Austritts.

      Erst einmal impliziert dieses »dem Steuerzahler sehr viel teurer kommt«, daß das Geld tatsächlich Griechenland zugute kam. Der Löwenanteil der Gelder hat aber niemals das Territorium der Geberländer verlassen. Es wurde direkt auf die Konten der Spekulanten transferiert. Nicht, daß das den Steuerzahler nicht viel Geld gekostet hat (das hat es natürlich!): Der wahre Zweck wird durch diese Formulierung nur etwas verschleiert. Nämlich die Auszahlung der Spekulanten.
      Das Geld für »die Rettung« ist so oder so weg – niemand nimmt doch im Ernst an, daß der Steuerzahler bei einer Rückzahlung auch nur einen Pfennig davon wiedersehen würde. Eine Weiterführung der Austeritätspolitik hilft allerdings massiv dabei, zu verschleiern, in welchen Taschen das Geld verschwindet – wenn sie nicht gar der eigentliche Sinn des Ganzen ist.
      Das alte Märchen, daß Staatsschulden irgend wann einmal bezahlt werden: Man zahlt aber bestenfalls die Zinsen beim Versuch, diese Schulden nicht noch zu erhöhen; willkommen in der Realität.

      Was den Ausstieg aus dem Euro betrifft, so frage ich mich, ob das nicht in Teilen bereits der Fall ist, wenn die EZB griechische Staatsanleihen nicht mehr als Kreditsicherung zulässt. Die Reaktion »der Märkte« war jedenfalls schon ziemlich in dieser Richtung. Wobei das Gewitter ein kleineres war – die tatsächlich vorhandenen Werte in Griechenland ließen nicht auf so ein Katastrophenszenario schließen. Zerstört wären wohl hauptsächlich die feuchten Träume diverser Hatchfonts, die momentan von einer Vollprivatisierung Griechenlands träumen.
      Zum anderen Seite hält kaum noch eine Großbank in Europa Griechenlandanleihen. Wo wäre also die Ansteckungsgefahr?

      P.S. Gerade eben gefunden. Zwar die Welt, aber ein hübscher Artikel.

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      • der Doctor sagt:

        Hallo Pantoufle

        Stimme dir zu .Natürlich wird der Steuerzahler das Geld niemals, was da in den Rettungsschirm gegangen ist,Aber beim Austritt Griechenlands aus dem Euro wird der Steuerzahler nochmal draufzahlen müssen.Das kann sich die EU nicht leisten.Es geht nur noch um Gesichtswahrung für EU und Bundesregierung .Es darf nicht sein,was nicht sein kann.Und es darf eben keine Alternative geben zur alternativlosen Politik.
        Interessanter Artikel

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        • derda sagt:

          Spekulanten hören sich so nach Klassenkampf an. Formulieren wir es doch ein wenig anders. Da waren die Riesterrenten geparkt. Wenn diese Geschichte geplatzt wäre käme die ganze Versicherungs/Rentenmafia in .de so richtig in die Shaizze. Also schnell Umschulden…

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        • lazarus09 sagt:

          Ich möchte in dem Zusammenhang aber gerne nochmal darauf hinweisen das da keiner “richtiges Geld aus dem Sparstrumpf ” in die Hand genommen hat, bei den “Rettungsgeldern” . Die Summen sind auf Knopfdruck als Fiat Money entstanden und sind auf Knopfdruck weg .. es geht rein um die Zinszahlungen auf die verliehenen Gelder, für die sich keine lohnendere und sicherere Anlage gefunden hat, als Staatsanleihen. Aber wen interessiert das schon, da stellt sich so eine Polit-Kapital-Maulhure hin verlangt das die Schulden getilgt werden sollen, Hahahahaha. Welcher Staat in der kapitalistischen Wertegemeinschaft ist denn real in der Lage seine Schulden zu tilgen HoHoHo Unser Geldsystem gibt es nur zwei Möglichkeiten Schulden zu tilgen –> zusätzliche Neuverschuldung – oder –> Deflation . Aber wird denn im Glaubenskrieg mit belastbaren Fakten kommen .. 😛

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