Der Papst als Schleuser

Zeit.de:

»[Papst] Franziskus hat Medienberichten zufolge angekündigt, zehn Flüchtlinge und Migranten aus Lesbos nach Rom mitzunehmen. Wie das griechische Staatsfernsehen berichtete, handelt es sich um acht syrische und zwei afghanische Staatsbürger.«


Das kann man jetzt kommentieren oder es bleiben lassen. Katholische Kirche, Camping mit Flüchtlingen, Bündnisse mit mittelalterlichen Potentaten, Ausverkauf demokratischer Werte, warum nur zehn zwölf? – wenn man nur lange genug darüber nachdenkt, fällt einem sicherlich etwas Schlaues dazu ein.
Auf der anderen Seite kann man aber auch einfach »10 12 Flüchtlinge weniger!« denken. Und warum ausgerechnet der Papst vormacht, wie einfach das gehen kann.

Wer das hier liest und zufällig religiös ist, darf gerne ein kleines Gebet abfeuern. Matthaeus 11 böte sich als Basis an:

Da fing er an, die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Taten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert: Wehe dir Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen am Jüngsten Gericht als euch. Und du, Kapernaum, die du bist erhoben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn so zu Sodom die Taten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, sie stände noch heutigestages.
Doch ich sage euch, es wird dem Sodomer Lande erträglicher gehen am Jüngsten Gericht als dir.
Zu der Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.
Ja, Vater; denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir.

Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren.

Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Die Redaktion der Schrottpresse glaubt und betet nicht. Aber von dieser Stelle ein

»Gut gemacht, alter Mann! Und Danke!«

0
Dieser Beitrag wurde unter Auftragsjournalismus abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Kommentare zu Der Papst als Schleuser

  1. Stony sagt:

    Dem schließe ich mich an.

    Kontext: german-foreign-policy

    0

  2. Es ist eine gute Nachricht für die drei Familien aus Syrien, insgesamt zwölf Menschen. Und damit ist die Zahlensymbolik klar. Der Mann hat etwas Gutes getan und nur darauf kommt es an. Hoffentlich findet er Plagiateure im positiven Sinne ;o)

    0

  3. altautonomer sagt:

    Ja, aus der Perspektive der Flüchtlinge hat er Gutes getan. Der Papst ist als Institution aber kein Sozialarbeiter, sondern in erster Linie eine mit Macht und Einfluss ausgestattete Persönlichkeit, die oft Kontakt zu anderen Machthabern hat und denen mal das Wort zum Sonntag geigen müßte, anstatt die Honneurs zu machen. Seine christliche Pflicht wäre die Einmischung in politische Entwicklungen, und zwar nicht nur durch die Absegnung (Schweigen zum Ukraine-Konflikt) von Kriegen. Positiv war z. B. auch sein Besuch auf Kuba.

    Seine aktuelle Wohltat ist auch nicht zu vergleichen mit dem Risiko, das einfache Leute eingingen, indem sie damals Juden versteckten. Insofern hat diese Sache mehr so den Charakter von Norbert Blüms Camping-Wochenende in Idomeni.

    Tut mir leid, Pantoufle, dass ich Deinen Enthusiasmus und den einiger User hier nicht teilen kann.

    0

  4. Pantoufle sagt:

    Moin Altautonomer

    »…Deinen Enthusiasmus und den einiger User hier nicht teilen kann.«

    Aber das macht doch nichts! Das ist schon in Ordnung. Keine Angst: Die Schrottpresse wird auf ihrem Weg nach rechts garantiert nicht zum Papst-Fanzine.

    Überhaupt Worte und Begriffe: Die »User« würde ich als Gäste bezeichnen… beim Gedanken, daß sie die Schrottpresse benutzen, wäre mir eher unwohl; ersetzen wir das Wort Enthusiasmus durch Rührung aufgrund einer Geste, käme es dem Sachverhalt näher.

    Was der Papst als spirituelles Oberhaupt eines guten Teils der Menschheit zu tun oder zu lassen hat, ist sicherlich ein Thema. Im Rahmen seiner Möglichkeiten (nicht denen seines Amtes, sondern seinen persönlichen) hat er sich bereits bemerkenswert weit aus dem Fenster gehängt, was ist an dieser Stelle gelegentlich angemerkt wurde. Das geht allerdings nicht soweit, daß Franziskus hier mehr Aufmerksamkeit bekommt als jede andere Glaubensgemeinschaft. Die Schrottpresse ist an Religion nur sehr oberflächlich interessiert.

    »Seine aktuelle Wohltat ist auch nicht zu vergleichen mit dem Risiko, das einfache Leute eingingen, indem sie damals Juden versteckten.«

    Das ist ein Schuh, den sich wohl jeder von uns anziehen muß!
    Apropos: Wenn wir schon dabei sind, historische Vergleiche an schütteren Haaren aus der Mottenkiste zu ziehen. Es ist übrigens auch nicht mit der Hilfe Tausender zu vergleichen, die sich Tag für Tag (meist ehrenamtlich) um Flüchtlinge zu kümmern, die sich bereits in West-Europa befinden. Die jeden Tag Gutes tun, ohne daß sich davon auch nur eine Zeile in der Kreiszeitung wiederfindet, die von Nachbarn oder am Arbeitsplatz deswegen angefeindet werden.
    Die versteckten Juden in allen Ehren – aber sie haben in diesem Zusammenhang nichts zu suchen.

    »Ja, aus der Perspektive der Flüchtlinge hat er Gutes getan.«
    Und aus welcher Perspektive nicht? Deiner? Das ist – bei allem Respekt – vielleicht nicht ganz so wichtig.

    Ein schönes Wochenende noch

    0

    • altautonomer sagt:

      Hey pantoufle. Danke für die Antwort. Nur zum letzten Zitat eine Ergänzung: Aus meiner eigenen Flüchtlingsarbeit in den 90er Jahren im Rahmen dere autonomen Antifa gab es auch Initiativen, die den einen oder anderen Flüchtling vor der Abschhiebung bewahrten – Stichwort Kirchenasyl – gleichzeitig wurden in Nacht- und Nebelaktionen der kommunalen Ausländerbehörde -zig abgelehnte Asylbewerber in Kleinbussen zum nächstgelegenen Flughafen deportiert. Aus DEREN Perspektive war das Verstecken Einzelner weniger glücklich.

      0

  5. R@iner sagt:

    Vielleicht interessiert sich hier jemand für den Vortrag von Carsten Frerk. Seitdem ich sein Buch gelesen habe, sehe ich die Sache mit der Religion und den Kirchen ein wenig anders, nämlich noch kritischer als früher. Falls jemand denkt “Oh, der R@iner wieder”, dann hat er/sie Recht, denn ich habe den Vortrag inzwischen bei drei Blogs verlinkt, aber, so scheint es mir, interessiert sich niemand genug dafür, dass man es hier oder dort zu einem Artikel verwurstet hätte. Schade, so denke ich mir, denn Herr Frerk ist meinen Augen ein echter Revolutionär im Sinne der Aufklärung.

    0

    • Pantoufle sagt:

      Moin »ach R@iner schon wieder«

      Ich hab gerade den Vortrag angesehen – der Tonausfall am Ende ist dumm – und fand es sehr erhellend.

      »…dass man es hier oder dort zu einem Artikel verwurstet hätte.«

      Das ist nun so ein Ding! Unabhängig davon, daß es auch immer eine Frage des momentanen Interesses ist, kommt wenigstens bei mir noch etwas anderes dazu. Es klingt vielleicht ungewöhnlich für einen Blogger, aber es gibt Dinge, von denen ich nicht das Mindeste verstehe. Ich weiß: Das ist in der Blogssphäre nicht gerade das Killerargument. Auch gestehe ich, daß ich mich nicht immer selbst daran halte… Grabstein: Er war immer bemüht!
      Manchmal reicht es nicht einmal für eine Meinung. Im Fall der Kirchen, um bei Frerks Vortrag zu bleiben, würden Leute wie der Altautonome zu recht anmerken, daß man Kritik an der Kirche nur eingebettet zum System des Kapitalismus führen kann. Die existieren ja machtpolitisch nicht im luftleeren Raum (was mir übrigens auch bei Frerk deutlich zu kurz kommt). Das geht mir zu weit, das ist mir zuviel Arbeit, das übersteigt meinen bürgerlichen Bildungskanon®! Da gibt es Berufenere.

      Beim Versuch, einen Bogen zu Papst Franziskus zu schlagen, könnte man durchaus anmerken, daß der alte Mann sonst auch viel Unsinn anstellt und die Reform von dem ganzen Haufen auch sonst eher unmerklich ist, aber…
      Ich fand die Geste gut – ganz gleich, wer sie tat. In diesem Falle war’s der Papst. So what?

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *