der Massenmord

In tiefer Trauer und Mitgefühl verneige ich mich vor den Opfern und den Trauernden in Norwegen. Meine Anteilnahme gilt in diesem Moment denjenigen, die nicht zu trösten sind. Ich hoffe, daß der  starke Zusammenhalt und die Freundlichkeit der Norweger, für die dieses Land bekannt ist, in dieser schweren Zeit eine Stütze und Hoffnung ist.

1904 bekam der russische Mediziner und Psychologe Iwan Petrowitsch Pawlow den Nobelpreis für seine Arbeiten im Bereich der Verdauungsdrüsen. Weithin bekannt wurde er wegen seiner Arbeiten über Verhaltensforschung. Das nach ihm benannte Experiment des pawlowschen Hundes konnte in den vergangenen Tagen weltweit auf seine Richtigkeit überprüft werden. Schritte – Speichelfluss – Futter.

Wer sich selber frei davon fühlt, im ersten Moment nicht wenigstens auch einen islamistischen Anschlag in Betracht gezogen zu haben, werfe den ersten Stein. Die jahrelange Konditionierung zeigt ihre Wirkung – vermutlich bei den allermeisten von uns. Was uns von besagtem Hund unterscheiden sollte, ist das Erschrecken darüber, wenn man sich dessen bewusst wird, was da mit einem angestellt wird; was man mit sich selber anstellt.

Daß aber praktisch die gesamte Presse – vorneweg der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ – fernab jeder belastbaren Information ihre fertigen Schlüsse aus der Schublade zog, ohne auch nur den kleinsten Gedanken an andere Optionen zu verschwenden, ist eine neue Tiefenmarke der Berichterstattung. Den Kötern troff der Speichel von den Lefzen, als auch nur die Schritte der eilig bestellten “Terrorexperten” in den Fluren der Redaktionen und Sendeanstalten zu hören waren.
So war Tags darauf das Gewinsel auch groß, als sich ein rechtsradikaler Einzeltäter abzeichnete.
Was tun? Ein „Attentäter aus dem Nichts“ rätselt die „Zeit“, „Rechtsradikaler oder Psychopath“ (als wenn das unvereinbare Widersprüche wären) fragt eine bekannte Hamburger Illustrierte oder gleich die allgemein beliebte „Bilderstrecke“ : „Sehen Sie die Untat in allen schaurigen Einzelheiten!“

Dahinter steht überall die unausgesprochene Angst, daß es sich vielleicht doch nicht um einen „amoklaufenden Einzeltäter“ handelt – wehe, wenn es mehr als dieser eine sei. Alles christlich Konservative! Das würde unangenehme Fragen aufwerfen. Fragen, die man in der geistig-moralischen Tiefebene einem Udo Ulfkotte oder Jan Fleischhauer stellen müßte, Fragen an Bundesinnenminister Friedrich, Geert Wilders oder einem Viktor Orbán. Fragen an all diejenigen, die sich um den schleichenden Abbau von Demokratie und Völkerverständigung, der Einschränkung individueller Freiheiten verdient gemacht haben. Fragen an all diejenigen, die im weitesten Sinne von der Angst vor anderen Kulturen partizipieren – da wäre ein weites Feld zu beackern.

Das Verbrechen dieses Massenmordes ist von einem Psychopathen begangen worden – ohne jeden Zweifel! Keine politische oder religiöse Orientierung, wie absurd sie auch sein mag, kann dafür als Begründung herhalten. Man täte gut daran, diesen Mord als – wenn auch außergewöhnlich abscheulichen – Kriminalfall zu behandeln. Die vom Täter stammenden abstrusen Schriftstücke, in denen er seine kranke Weltsicht ausbreitet, sind für den kommenden Strafprozess von untergeordneter Bedeutung. Sie sind aber erheblich interessanter, um sie den politischen Brunnenvergiftern, deren Ergebnisse sie wohl repräsentieren, unter die Nase zu halten – zu fragen: „Ist es wirklich das, was Ihr wollt, wenn Ihr eure Fremdenfeindlichkeit unters Volk streut? Nehmt ihr das billigend in Kauf? Ist Euch klar, daß man sich davon nicht mehr distanzieren kann?“

Die billigen Marktschreier eines selbsternannten Konservativismus, der Rechtspopulisten und Gesetz&Ordnung – Anhänger werden sich schon warmlaufen, um alle Verantwortung zu leugnen; Geert Wilders in den Niederlanden hat bereits den Anfang gemacht.

Der Kampf gegen den „internationalen Terrorismus“ läuft auf Hochtouren, der Hass auf alles Fremde ist erfolgreich in die Gehirne gepflanzt: Dieses Geschäft wird man sich nicht durch Querschläger aus dem eigenen Lager vermiesen lassen. Erste Stellungnahmen von Minister Friedrich verraten nur zu deutlich, das man auf dem rechten Auge nach wie vor vollkommen blind ist – der angekündigte Kampf gegen den Extremismus hat eine klare Stoßrichtung. Und die zielt nach links.

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0 Kommentare zu der Massenmord

  1. Uli-E sagt:

    Einer von vielen Tweets die im Zusammenhang kurz nach den Anschlägen gefallen ist von einem Piraten: “Im Himmel werden jetzt wieder die Jungfrauen knapp. #Oslo”
    Quelle: https://twitter.com/#!/SebJabbusch/statuses/94460061212082176

    Die Gehirnimplantate von Friedrich, Schünemann, Wilders & Co wirken selbst bei Mitgliedern und Befürwortern der sogenannten Bürgerrechtspartei Piraten.

    Uli

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    • pantoufle sagt:

      Moin
      Ich bin weit davon entfernt, anzunehmen, daß sich die Gehirnwäsche ausschließlich in “bürgerlichen” Parteien breitgemacht hat. Auch die “Grünen” lassen keine Gelegenheit aus, um sich als “goldenes Blatt”-kompatibel zu zeigen. http://www.storyspots.com/Deuts_12006082713471597810.htm_chg.htm
      Geht es um Wählerstimmen, ist kein Argument zu dämlich, kein Brett zu dünn, als daß sich nicht ein Vertreter dieser Gattung aufs Eis begeben würde. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich rede nicht von Parteien, sondern von einer kranken Weltsicht. Die findet ihren Platz überall.

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  2. S. Jab busch sagt:

    Wer Satire und Ironie nicht versteht, sollte hinterfragen ob er auf Twitter richtig ist…

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    • S. Jab busch sagt:

      (bezog sich auf Uli)

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    • Uli-E sagt:

      Du erklärst mir was auf twitter gilt?

      Für mich im realen Leben* gilt, das ich Ironie und Satire schon verstehe bis an die grenzen meines eigenen guten Geschmacks. Noch während Menschen im sterben liegen, schreibst du etwas wie oben genannt – du zeigt kein Mitgefühl. Das stösst mir auf, das darf ich bemängeln. Zudem ist deine “Satire” eine implantierte Reaktion wie sie Innenminister pflanzen, wohlgemerkt aus meiner Sicht, auch das darf ich rügen.

      Uli
      *Reales Leben ist überall, auch auf Twitter. Und im realen leben bin richtig.

      P.S.: Auch eine “Satire” aber eines ehemaligen Bundesvorstandspiraten ist das hier: “Die destruktive Wirkung des Opferfeminismus” ->http://piratenkeks.de/2011/07/die-destruktive-wirkung-des-opferfeminismus/ – hoffentlich lacht ihr Piraten euch schief, lacht euch krank, lacht euch tot. Auch das habe ich gerügt – und das darf ich! http://uli-e.de/?p=2366

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      • pantoufle sagt:

        Entschuldige bitte: Wegen der Links ist das bei mir unbemerkt im Spamordner gelandet. Da ich die Kommentare eigentlich unmoderiert erlaube, sehe ich leider zu selten in diesen Ordner. Ich gelobe Besserung! (wenn Du Dich vielleicht auf einen Link beschränken würdest… )
        Mit freundlichen Grüßen
        Das Pantoufle

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