Der Kampf gegen "Rechts" und ihre Helfer

Im Januar 1934 erschien im „Völkischen Beobachter“ ein Artikel, in dem angemerkt wurde, daß viele der sozialen Vorhaben der NSDAP ein Jahr nach der sogenannten Machtergreifung Adolf Hitlers noch immer ungelöst wären. Autor dieses Beitrags war Ernst Röhm. Er und Leute wie Gregor Strasser verkörperten so etwas wie den „linken“ Flügel in der NSDAP, der sich auf eher demagogische Ausführungen Hitlers in Bezug auf die „sozialistischen“ Punkte des Parteiprogramms bezog. Als Röhm kurz darauf eine Denkschrift an den an Reichswehrminister Blomberg übersandte, in dem er die zukünftige Funktion der Reichswehr der der SA unterordnen wollte, löste Hitler diesen schwelenden Machtkampf durch die Ermordung unter anderem Röhms und Gregor Strassers. Die Mordaktion nannte die Nazi-Propaganda den „Röhm-Putsch“, der Volksmund „Nacht der langen Messer“. Nach heutigen Schätzungen fielen der Aktion 150-200 Menschen zum Opfer.

Jede Spekulation, ob und in welcher Form es jemals „sozialistische“ Tendenzen innerhalb der NSDAP gab, hören an diesem Punkt auf – die von der Führung der SA geforderte „Vollendung der nationalsozialistischen Revolution“ hatte mit dem Begriff Sozialismus nichts gemein, geforderte „Umverteilungen“ darf man sich als getrost als Beutezüge vorstellen.

Dieser obenstehende Absatz ist Frau Erika Steinbach MDB, Sprecherin der CDU/CSU für humanitäre Fragen und Menschenrechte, Vorsitzende des „Bund der Vertriebenen“ gewidmet. Nein, Frau Steinbach: Keinen Dank! Die Schrottpresse hilft jederzeit gerne weiter, wenn jemand die simpelsten Vorkommnisse der deutschen Geschichte nicht begriffen hat. Die Redaktion würde Ihnen auch erklären, das der Beginn des zweiten Weltkriegs nicht darin bestand, daß Polen in Deutschland einmarschiert ist, aber das ist an anderer Stelle schon hinreichend dargestellt worden.

 Der Kampf gegen rechtes Gedankengut in unserer Gesellschaft erreicht von Woche zu Woche neue Höhepunkte. Letztes Hochamt dieser Bestrebungen war das Treffen von Bundesinnenminister Friedrich mit seiner Kabinettskollegin Kristina Schröder mit Vertretern von Religion- und Jugendorganisationen in Berlin. Von immerhin insgesamt 26 Millionen € würde man sich trennen und ihn teilweise den Verbänden im Kampf gegen rechte Gesinnung überlassen, wenn sie sich schriftlich zur „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ bekennen und garantieren, ihre Partner zu bespitzeln; die sogenannte „Extremismusklausel“. Unter diesen Umständen fördert man solche Initiativen mit bis zu 50% ihres Etats, Initiativen gegen das, was Frau Schröder als „Links“ versteht, mit 90%. Aufgepasst: Wer also auf Fördergelder scharf ist, sollte sich gut überlegen, gegen wen er kämpfen möchte.

Als herausragendes Ergebnis der Konferenz wurde die Bildung eines Kompetenz- und Informationszentrums gegen Rechts bekanntgegeben, das jährlich mit 2 Millionen € gefördert werden soll, also in etwa dem Betrag, den man dem Bund der Vertriebenen und seinen angeschlossenen Verbänden zukommen lässt. Vertreter der Initiativen und Vereine merkten zwar an, daß für so etwas absolut kein Bedarf bestehe, konnten sich aber gegen die geballte Kompetenz von Friedrich und Schröder nicht durchsetzen.

Die umstrittene Extremismusklausel muß natürlich nur der unterschreiben, der sich im Kampf gegen Rechts engagiert: Frau Steinbach und ihr Verein braucht keine Angst zu haben, jemals auch nur in die Nähe eines solchen Papiers zu kommen.

 Um es zu wiederholen: Frau Erika Steinbach ist Sprecherin der CDU/CSU für humanitäre Fragen und Menschenrechte. Während man den Verfassungsschutz die Partei Die LINKE observieren lässt – als hätte es dessen episches Versagen im Fall der Zwickauer Mörder nie gegeben – ignoriert man Auswüchse in den Reihen der CDU/CSU, die in aller Öffentlichkeit mit einem, um es vorsichtig zu formulieren, vollkommen irrealen Geschichtsbild- und Weltbild hausieren.

Ob ein Heveling seine pubertären Endzeitphantasien herumposaunt oder eine Erika Steinbach zum wiederholten Mal ultrarechte Geschichtsklitterung betreibt – die auch nur theoretische Frage nach „Linksextremismus“ stellt sich von Tag zu Tag weniger. Vielmehr stellt sich die Frage, wie die Koalition den letzten kleinen Rest Glaubwürdigkeit bewahren will, wenn sie solche Meinungen in ihren Reihen duldet.

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0 Kommentare zu Der Kampf gegen "Rechts" und ihre Helfer

  1. FF sagt:

    Für mich durchaus ein Rätsel: wie sich jemand jahrzehntelang hauptberuflich mit der deutschen Geschichte beschäftigen und trotzdem solch ein massiver Vollpfosten bleiben kann.

    Indes: gegen die menschliche Dummheit kämpften bekanntlich selbst die Götter vergebens. Sähen sich die Unsterblichen mit den Frauen Steinbach und Schröder sowie den Herren Friedrich und Heveling konfrontiert – sie würden laut schreiend Reißaus nehmen.

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  2. pantoufle sagt:

    Dann bin ich wohl unsterblich – gut zu wissen 🙂

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