Der blonde Schutzengel der Finanzdienstleister

Sie betreiben ein kleines Straßencafe, eine Nähstube oder sind ein aufstrebender Alleinunternehmer in der IT-Branche – im Moment nur mit einem Laptop, aber schon mit 3 Kunden? Haben Sie eventuell vor zwei, drei Jahren auf die verzweifelten Hilferufe der CDU/CSU gehört und eine „Ich-AG“ gegründet, um nicht Hartz IV anheimzufallen?
Leben Sie im Moment von 600, 700 € im Monat, aber auch im Bewusstsein, daß es langsam, aber stetig besser wird? Geht es nur mit gelegentlicher Hilfe der Eltern oder einem zinslosen Kredit von Freunden, auf das es für die nächste Stromrechnung reicht?
Ginge es nach der Arbeitsministerin Ursula v.d. Leyen (CDU), so können Sie demnächst Ihren Laden dichtmachen.

Die Arbeitsministerin hat eine neue Schutzlücke aufgetan: All diese Einzelunternehmer, „Ich-AGs“ und aufstrebenden Kleinunternehmer werden in 30,40 Jahren ohne irgend welche Rücklagen für das Alter der staatlichen Fürsorge zur Last fallen. Das deckt sich zwar nicht mit den Erkenntnissen des DIHK oder einer entsprechenden Studie des Max-Plank Instituts, die diese „Rentenlücke“ ausdrücklich nicht ausmachen. Es deckt sich aber mit den Phantasien der Ministerin, wie viel Geld bei ca. 4,5 Millionen Selbstständigen abzuschöpfen wäre. Bei geschätzten 300 – 400 € pro Monat wären das … Beträge, bei denen eine Ministerin in Grübeln kommt.

Und so schickte v.d.Leyen eine Video-Botschaft unters Volk. Die Botschaft war einfach, der Ton an Zynismus schwer zu überbieten. „Selbstständige: Denkt nicht immer nur an Euch selber – seit endlich einmal solidarisch mit dem Staat, dem ihr soviel verdankt! Mehr Verantwortungsgefühl, vorausschauendes Handeln und Initiative. Wenn Ihr die geforderten Beträge nicht bezahlen könnt, stimmt Euer Geschäftsmodell nicht! Dann wird es Zeit, sich um eine der Millionen offenen Stellen zu bemühen, die nur auf Euch warten.“ So lautet sinngemäß der Tenor.

Daß die Pläne der Ministerin und derjenigen, die sie unterstützen, an der Lebensrealität junger Selbstständiger vollkommen vorbeigehen, ist eine Sache. Das erwartet man beinahe schon – von Politikern, deren Altersversorgung sich in so irrealen Höhen abspielt, daß einem als Normalbürger nur schwindelig werden kann. Systemimmanente Betriebsblindheit.

Eine weitere Tatsache ist, daß es bis hierher gar keine „Rentenlücke“ gibt. Nach Erkenntnissen des DIHK haben lediglich ca. 22% der Selbstständigen keine Rücklagen für die Rente. Das ist, wenn man den Anteil von jungen Unternehmen betrachtet, die zur Zeit dazu noch nicht in der Lage sind, ein erstaunlich niedriger Wert. Einen realistischen Grund für diesen politischen Aktionismus gibt es aufgrund der Faktenlage wohl kaum.

Selbstständig handelnde Menschen mit einem eigenen Lebensentwurf sind der Ministerin suspekt. Gnade finden vor ihr bestenfalls Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten. Eine junge Frau, die versucht, mit einem Lädchen für Second-Hand Spielzeug zu überleben, kommt in der kargen Phantasie v.d. Leyens nicht vor. Die Arbeitsministerin, die sich nicht zu schade ist, Hartz IV als Lebensentwurf zu propagieren, verfügt offensichtlich aber nicht über genug Lebenserfahrung, sich in die Probleme von Menschen hineinzudenken, die trotz aller Schwierigkeiten versuchen, eben nicht von staatlicher „Fürsorge“ zu leben.
Die Pläne der Ministerin sind vor allem Eines: Entmündigung und Gängelung.

Was in den Überlegungen v.d. Leyens ebenfalls nicht stattfindet, ist die Tatsache, daß viele junge Unternehmen durch innovative Ideen unverzichtbar für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind. Untersuchungen des DIHK ergaben, daß ein Großteil der jungen Unternehmen am Markt überleben und zudem zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Es gibt ja nicht nur gebrauchte Babyklamotten, sondern auch Hochschulabsolventen, die Unternehmen gründen.

Googelt man nach „Riester“, so erscheinen die Suchergebnisse vorrangig zusammen mit dem Wort „Lüge“. Der Ministerin ist es gleichgültig, ob sich die Selbständigen auf diese Weise „absichern“ oder es direkt in den Bundeshaushalt einzahlen. Das Ergebnis ist in jedem Fall das selbe.
„Riester-Rente“ ist eine andere Schreibweise von „weg“ – genau so verlogen wie der demütige Glaube an eine staatliche Rente in 30,40 Jahren. Ursula v.d. Leyen ist nicht so naiv, daß sie nicht erkannt hat, daß ihr das Solidarprinzip Rente krachend um die Ohren fliegen wird. Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche – nur bitte nicht während ihrer Amtszeit.

Leute: Sauft, feiert, gebt Euer Geld für all das aus, was einem das Leben lebenswerter macht. Das, was dabei automatisch an Steuern bezahlt wird, ist mehr als ausreichend, um in den berechtigten Genuss einer staatlichen Mindestversorgung zu kommen. Alles, was man nicht besitzt, kann Euch nicht von der Grundsicherung abgezogen werden. Lasst Euch nicht noch euer eigenes Leben nehmen – es ist kurz und schmerzhaft genug. Sie wollen das wenige Geld, was bleibt, auch noch unter ihre Kontrolle bringen: Gebt es ihnen nicht! Versteckt es unter der Matratze, verjuchheit es, teilt es mit denen, die gar nichts haben oder macht sonst etwas damit. Aber zahlt nicht für deren Speckgürtel!

P.S. Natürlich ist die Arbeitsministerin nicht alleine auf weiter Flur. An das Geld wollen wollen auch die Genossen der “S”PD und andere. Es geht dabei selbstverständlich nicht nur ums Geld: Es ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Entmündigung; das will sich keiner entgehen lassen.

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0 Kommentare zu Der blonde Schutzengel der Finanzdienstleister

  1. Ich liebe dich. 🙂 Dein Schlusswort gehört in Gold gerahmt über den Schreibtisch einer jeden Selbstständigen, die brav ihre viel zu hohen Steuern zahlt und genau weiß, dass statt Rente einfach Arbeit bis zum Lebensende angesagt sein wird.

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  2. pantoufle sagt:

    Ach Susanne – das ist so schön, daß mich jemand liebt!
    Die IHK, deren nicht nachvollziehbare Rechnung für 2009 und 2012 auf dem Tisch liegt … für absolut keinerlei Leistung, tut`s nicht. Genau so wenig wie das Finanzamt mit seiner Forderung. Die wenigen Kunden zahlen nicht oder erst nach Monaten.
    Und dann kommt dieses blonde Gift und fragt: “Da muß doch noch irgend etwas zu holen sein!”
    Mit einem goldenen Löffel in der Hand und kiloweise Puderzucker im After geboren ist gut lachen.
    Ich könnte Bröckchen lächeln!
    Aber schön, daß Du noch genug Gold hast, um mich zu rahmen 🙂 Im Moment ist es aber auch gerade wieder kaum zum Aushalten!

    Liebe Grüße
    das Pantoufle

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    • Wir können uns die Hand geben. Ich zahle gefühlt mehr ans Finanzamt als ich je eingenommen habe. Meine geschätzten Kunden neigen seit zwei Jahren vermehrt dazu, vor der Zahlung in Insolvenz zu gehen oder ins Ausland zu verschwinden. Wenn ich dann solche Meldungen wie diese lese, bin ich kurz vom Schlaganfall. Und dann geh ich morgens rüber zu Schlecker und die Mädels da haben die Fresse bis zu den Knien hängen, weil sie jetzt abgewickelt werden. Warum? Weil die Zahnwältepartei findet, es lohne sich nicht, da noch was retten. Wo steht der Eimer zum Reinkotzen?

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  3. Blue Lou Boyle sagt:

    Gerechtigkeitslücke….Ah ja, die Gerechtigkeitsfrage. Oh Mann, was die Alte einen Dachschaden. “Die Rente lebt davon, dass man in kleinen Schritten ein Leben lang vorgesorgt hat” und, äh, räusper, die Finanzmafia bemästet hat, die einem dann auch – überraschend wie immer – das Gesparte leider stehlen muss, um eine “Bank” genannten Verbrecherband zu “retten”.

    “Entscheidend ist, was hinten rauskommt.” Na dürfen wir sicher sein in einem von bekloppten Irren vor die Wand gefahren Staat.

    400 Euro aus der Selbständigkeit ist zu wenig? Will sie etwa diesen Leuten noch die Selbständigkeit nehmen?

    Berufsständig Versorgte werden nicht betroffen sein, klar, die zahlen ja auch, anders als in der Schweiz, nicht in die allgemeine Kasse ein, also Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater, alle die, die ohnehin schon satt verdienen. Ach ja, und die, die in der Künstlersozialversicherung sind – die nur die aufnimmt, dessen Nase ihnen passt!

    Das mit den “….300 – 400 € pro Monat…” ist im Video anders gesagt und gemeint.

    Im Grunde geht es natürlich wieder darum, die Versicherungsmafia als Teil der Finanzmafia zu mästen! Damit das System nicht kollabiert. Gleichzeitig werden durch diese Maßnahme der sauberen Dame wieder Hunderttausende bankrott gehen. Jobs, die dann von den Großkonzerrnen übernommen werden – zu anderen Preisen für den Verbraucher.

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    • pantoufle sagt:

      Bei allem Respekt: Einen Dachschaden hat die Leyen leider nicht. Das wäre zu einfach, sie wegen Unzurechnugsfähigkeit abzuservieren. Die weiß ganz genau, was sie will. Frau Stopschild verfolgt mit System eine genauen Linie. Sie legt diese Linie dort an, wo sie noch zuschlagen kann. Anwalt, Ärzte e.c.t. sind tabu – die können wählen (unter anderem auch sie), die anderen sind Opfer. Die können nicht wählen – nicht einmal eine Ministerin wie U.v.d. Leyen abwählen. U.v.d. = Unteroffizier vom Dienst. Damit ist ihre Funktion hinreichend beschrieben. Sie verfolgt die Linie von einer anderen Fraktion. Und die hat sehr konkrete Pläne, wie es in diesem Land weitergeht. Diese Pläne sind nicht dumm – die werden funktionieren. Ein Spiel um Herrschaft und Macht.
      Nein, leider sind sie nicht dumm.
      Gruß
      Pantoufle

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  4. Das Häschen sagt:

    Also unter 110k EUR heute eher 120k vor Steuern rentiert sich Selbstständigkeit nicht, die bekommt man nicht zu Beginn, das ist klar – Gewinn vor Steuern. Der Mensch wirtschaftet nicht als Alleinstehender. Das System der Freelancerverbunde macht Sinn.

    In Österreich hat man sich lange und zurecht ‘gedrückt’ um die Dienstleistungsverträge – es gibt allein zwei Wahrheiten – Arbeitsvertrag und Werkvertrag.

    Ein Business das man wie die Dame mit der gebrauchten Babywäsche selbst aufzieht dauert 10 Jahre harte Arbeit. Kauft die Mutter in der Regel lieber neue Sachen? Im Falle von mehreren Kindern hebt sie sie auf, oder kauft die Mutter aus Überzeugung gebrauchte Babywäsche oder Spielzeug. Die Frage ist wer bleibt als Kunde, vermutlich jene die schon zu wenig haben, mit denen macht man mit einem Shop kein Geschäft – Thema Mode. In dem Fall eher alternatives Spielzeug gefragt, neben dem Mainstream. In ein paar Jahren, wenn Deutschland auf das Niveau der U.S. verarmt ist dann wird das ein Geschäft, dann kaufen die Mütter aus ‘Überzeugung’. Grad im Handel – die Organisationsform wäre da eher, angestellt bei der Gemeinde und man betreibt einen gemeinnützigen Shop.

    Aber bitte Subvention eines Geschäfts über Hartz IV … was ist das für ein irres Modell:). Da ist besser derjenige scheitert früh. Lessons learned mit ein paar Tausender im Minus ist besser als später mit mehreren 100k im Minus.

    Ein Geschäft in ein Geschäft und das heißt Love What You do, aber es muss tragen. Just zu Beginn sollte man abwickeln, abwickeln und nicht mal anfangen… das hat keinen Sinn. Do What You Love über 10 Jahre ist sinnlos. Das kann man als Hobby machen und das scheint lt. diesem Video durchaus gewünscht, ein zweites Standbein. Die Frage bei einem Geschäft ist nicht, passt es zu mir, sonder passe ich zum Geschäft.

    Die Ich AGs waren im Großen und Ganzen ein Leger. Solche Gründerwellen sind typisch amerikanisch/anglikanisch – einer Menge junge motivierte Leute aus dem Angestelltenverhältnis rauslocken oder vom Arbeitsmarkt fernhalten, ein paar schaffen es, andere werden billiges Futter für Investoren und der Rest kann billigst arbeiten nachdem er scheiterte. Pensionen und vorsorgen in einem umlagebasierten System heißt genauso nicht vorsorgen, mehr als einen Anspruch erwirbt man nicht. Ein Anspruch in der heutigen Zeit auf etwas das in einer Zukunft liegt, nachdem Babyboomer das System zu Schanden pensionierten kann man in den Wind schreiben. Sozialistische Wahnvorstellungen die Frau von der Leyen da visioniert – da braucht jemand Geld und jetzt, das ist amtlich. Lasst euch aus diesem Eck ja nichts einreden. Mit 600 – 700 EUR netto im Monat, das ist den Aufwand nicht wert … das braucht man am Tag (etwas überzogen unter 500 Gewinn am Tag macht es kaum Sinn ), allein die Vorauszahlung zu stemmen in der Zukunft. Das Problem ist im Moment eher, man muss die laufenden Pensionen finanzieren und für sich selbst vorsorgen, … das ist unausweichlich, nach dem Modell kann man keinen Anstellen.

    Arbeitsplätze schaffen heißt, Venture Capital nehmen usw… Die Frau von der Layen spricht nicht von 2 Halbtagsangestellten im Shop. Ein Politiker spricht über das was er braucht und kleidet die Wahrheit in salbungsvolle Worte, das sind abertausende Jobs in der Zukunft und eigentlich Beitragszahler, wenn man es genau nimmt. Alles andere Interessiert ja einen Sozialpolitiker nicht …

    Da ist besser man engagiert sich für nachhaltige Strukturen.

    Selbstständig ist man aus Überzeugung oder nicht. Es gibt dann noch die Freien Berufe – Anwalt, Steuerberater, Journalist – ‘Freelancer’ eher sogar anglikanische Einflüsse heute. Partner Modell.

    Guter Artikel, das Thema taucht immer wieder auf.

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