Das war Euer Jahr 2016

Tretet es in die Tonne! Wenn das so einfach ginge, wäre einiges gerettet. War was? Ja: Trump und Erdoğan. Zwei Dumme, ein Gedanke. Jetzt paßt der Satz endlich mal. Der eine macht den Putsch noch nach Altväter Sitte, der andere mit Twitter. Letztlich macht es keinen großen Unterschied. Gemeinsam ist den beiden, daß sie in ein gemachtes Bett springen. Eine Revolution von oben ist ja so leicht geworden, während aktiver Widerstand als Terrorismus mit Müsli und politisch korrekt-gerechter Sprache bekämpft wird. Mahlzeit, die Damen und Herren – das nenne ich bedingungslose Kapitulation!

Jetzt aber erst mal mit Leichenschändung unter den Weihnachtsbaum. »Generalbundesanwalt: Täterschaft des Festgenommenen fraglich.« Eine zu späte Erkenntnis. Es müssen wohl erst ein paar Jahrhunderte vergehen, bis Spartakus der Held Hollywoods und nicht der Täter ist. Sklavenaufstände. Kein Mitleid? Oh doch, ich weine. Das Kainsmal ist es nicht, weiß und heterosexuell zu sein (was für eine billige Erkenntnis!). Es ist zu wissen. Lesen und schreiben zu können – das Brot zu bekommen, um die Zeit dafür zu haben. Die Täter waren diejenigen mit einem mehr an Zeit.
Nun laßt uns beten.

Von Ägisthos bestellt, der zwei Talente des Goldes
Ihm zum Lohne versprach. Ein Jahr lang hielt er schon Wache,
Daß er nicht heimlich käm’, und stürmende Tapferkeit übte.
Eilend lief er zur Burg, und brachte dem Könige Botschaft;
Und Ägisthos gedachte sogleich des schlauen Betruges.

Zwanzig tapfere Männer erlas er im Volk, und verbarg sie;
Auf der anderen Seite gebot er, ein Mahl zu bereiten.
Jetzo ging er, und lud Agamemnon, den Hirten der Völker,
Prangend mit Rossen und Wagen, sein Herz voll arger Entwürfe;
Führte den nichts argwöhnenden Mann ins Haus, und erschlug ihn

Unter den Freuden des Mahls: so erschlägt man den Stier an der Krippe!
Keiner entrann dem Tode vom ganzen Gefolg’ Agamemnons,
Und von Ägisthos keiner; sie stürzten im blutigen Saale.
Also sagte der Greis. Mir brach das Herz vor Betrübnis:
Weinend saß ich im Sande des Meers, und wünschte nicht länger

Unter den Lebenden hier das Licht der Sonne zu schauen.
Aber als ich mein Herz durch Weinen und Wälzen erleichtert,
Da erhub er die Stimme, der graue untrügliche Meergott:
Weine nicht immerdar, Sohn Atreus’, hemme die Tränen;
Denn wir können damit nichts bessern! Aber versuche

Jetzt, aufs eiligste wieder dein Vaterland zu erreichen.
Jenen findest du noch lebendig, oder Orestes
Tötet ihn schon vor dir: dann kommst du vielleicht zum Begräbnis.
Also sprach er, und stärkte mein edles Herz in dem Busen,
So bekümmert ich war, durch seine frohe Verheißung.

Und ich redet’ ihn an, und sprach die geflügelten Worte:
Dieser Schicksal weiß ich nunmehr. Doch nenne den Dritten,
Welchen man noch lebendig im weiten Meere zurückhält,
Oder auch tot. Verschweige mir nicht die traurige Botschaft!
Also sprach ich; und drauf antwortete jener, und sagte:

Das ist der Sohn Laertes, der Ithakas Fluren bewohnet.
Ihn sah ich auf der Insel die bittersten Tränen vergießen,
In dem Hause der Nymphe Kalypso, die mit Gewalt ihn
Hält; und er sehnt sich umsonst nach seiner heimischen Insel;
Denn es gebricht ihm dort an Ruderschiffen und Männern,

Über den weiten Rücken des Meeres ihn zu geleiten.
Aber dir bestimmt, o Geliebter von Zeus, Menelaos,
Nicht das Schicksal den Tod in der rossenährenden Argos;
Sondern die Götter führen dich einst an die Enden der Erde,
In die elysische Flur, wo der bräunliche Held Radamanthus

Wohnt, und ruhiges Leben die Menschen immer beseligt:
(Dort ist kein Schnee, kein Winterorkan, kein gießender Regen;
Ewig wehn die Gesäusel des leiseatmenden Westes,
Welche der Ocean sendet, die Menschen sanft zu kühlen:)
Weil du Helena hast, und Zeus als Eidam dich ehret.

Also sprach er, und sprang in des Meeres hochwallende Woge.
Aber ich ging zu den Schiffen mit meinen tapfern Genossen,
Schweigend, und viele Gedanken bewegten des Gehenden Seele.
Als wir jetzo das Schiff und des Meeres Ufer erreichten,
Da bereiteten wir das Mahl. Die ambrosische Nacht kam;

Und wir lagerten uns ans rauschenden Ufer des Meeres.
Als die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte,
Zogen wir erst die Schiffe hinab in die heilige Meersflut,
Stellten die Masten empor, und spannten die schwellenden Segel,
Traten dann selber ins Schiff, und setzten uns hin auf die Bänke,

Saßen in Reihn, und schlugen die graue Woge mit Rudern.
Und ich fuhr zum Strome des himmelgenährten Ägyptos,
Landete dort, und brachte den Göttern heilige Opfer.
Und nachdem ich den Zorn der unsterblichen Götter gesühnet,
Häuft’ ich ein Grabmal auf, Agamemnon zum ewigen Nachruhm.

Nein, mehr kommt da nicht. Umzingelt von hohlen, hölzernen Pferden beginnt das Warten auf das neue Jahr. Die guten Wünsche unter dem Feuerwerk und viel Alkohol mögen lauten: Von allem ein bißchen weniger.

 

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4 Kommentare zu Das war Euer Jahr 2016

  1. Ich kann mich an einen Abend im Irish Pub mit einem Freund im Dezember 2015 erinnern. Das abgelaufene Jahr war fürchterlich, wir waren deprimiert. Aber über eine Sache waren wir uns nach einigen Kilkenny und Whisky klar: 2016 wird noch schlimmer als 2015.

    Was soll ich sagen? 2016 war sogar noch schlimmer, als wir uns das Scheißjahr vorher ausgemalt hatten. Niemand hätte damals auf Trump gewettet, der hässliche Scheidungsprozess UK vs. EU war nicht Teil unserer Vorstellungswelt und die Welle der Gewalt von den 12 deutschen Terrortoten in Istanbul im Januar bis zu den 12 Terrortoten im Dezember in Berlin hätte man auch nicht vorhersagen können.

    Wie wird 2017? Ich hoffe, dass du Recht hast, Pantouffle. Mehr von dieser Scheiße zerreißt uns den Gaul unter dem Sattel, dann brauchen wir nicht mehr über Weihnachtsgeschenke 2017 nachdenken.

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  2. waswegmuss sagt:

    Das passiert wenn man in die falsche Kneipe geht. Die Steaks vom Helios haben zu Recht den Ruf mörderisch zu sein.
    2016 ist untopable. Für mich.

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  3. Publicviewer sagt:

    Auf den Anschlag in Deutschland hatte doch wohl jeder nur gewartet, zumindest war ich alles andere als überrascht.
    Wenn es keinen gegeben hätte, hätte man ihn erfinden müssen….lächel
    Trump hielt ich für denkbar, weil sich unsere Gesellschaft nun mal eindeutig immer nach rechts entwickelt hat wenn es schwer wurde.

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