Das vorletzte Aufgebot

Wie Zeit-Online nun herausgefunden haben will, kommen die russlandfreundlichen Kommentare in den Qualitäts-Gazetten aus… Natürlich: Russland! Alle!
Das hat ja jeder wenigstens geahnt, daß es sich bei der schlechten Kritik an der einheimischen Presse um etwas ferngelenktes handeln mußte. Die ZEIT und die FAZ sind sich beinahe absolut sicher, daß in dem Augenblick, wo Doppelstandards des Westens moniert oder andere Häresien verbreitet werden, der Russe seine Hand unmittelbar im Spiele hat. Hauptsächlich junge (aber auch alte und ganz alte) verführte und irregeleitete Opfer des Leninismus Stalinismus Putinismus müssen in unbarmherziger Tag- und Nachtarbeit für einen Hungerlohn Propaganda schreiben und diese in mühseliger Handarbeit in den Kommentarspalten der freien, wirklich unabhängigen Presse unterbringen.

Die direkt vom Kremel instruierte Redaktion der Schrottpresse bedauert zutiefst, daß die 800 Euro (nein: Dollar! Oder Rubel? … ist ja auch egal) bisher nicht auf dem Konto von Pantoufle und Redaktionskampfhund Oskar erschienen sind. Es ist wohl mal Zeit für eine Mahnung:

»Lieber Wladimir Wladimirowitsch!

Wie geht’s denn so? Alles im roten Lack auf dem Platz? Habe übrigens gerade den Spielfilm gesehen, wo Du mit nacktem Oberkörper gleichzeitig den Terminator und Godzilla niedergerungen hast. Wußte gar nicht, daß Du auch Feuer spucken kannst!
Echt krass, Genosse Präsident!

Ich wollte auch gar nicht stören, Dich aber trotzdem daran erinnern, daß meine vielen Artikel, die Deine Weisheit preisen, den politischen Verstand und die coole Sonnenbrille nicht aus dem Ärmel kommen. Das ist harte, anstrengende Arbeit!1! Leerer Bauch dichtet nicht gerne! Nach vorsichtigen Schätzungen wären das mindestens 3 Monatsgehälter, auf die ich bisher leider vergeblich warte. Zudem ist das bei mir nicht stumpfes Copy&Paste, sondern ehrliches Handwerk. Die degenerierten Trolle und Dienstleistungs-Blogger der NATO werden viel besser bezahlt – ich mach es für die gute Sache und den Sieg der Revolution!
Fasse Dir doch bitte ein Herz und laß den Rubel rollen.

Mit freundlichen Grüßen
Das Pantoufle und der Redaktionskampfhund Oskar«

Ja, so etwa sollte man das machen!

»Vom Kreml gesteuerte Medienagenturen bezahlten demnach vor allem junge Menschen dafür, immer wieder die gleichen Textbausteine unter Artikel mit Russlandbezug zu setzen oder bei Facebook zu posten. Die Vorwürfe doppelter Standards und der Heuchelei westlicher Politiker gehören dabei zum gebräuchlichen Repertoire.

Dieser Vorwurf scheint doch tiefer zu treffen als man vermuten sollte. Und daß die Handlanger des Bösen das aber auch immer wiederholen müssen! Die Kremelgesteuerten sollen das gefälligst einmal und dann nie wieder machen und es den Qualitätsjournalisten überlassen, die immer gleichen Textbausteine mit NATO-Bezug und angeblichen Menschenrechten zu verbreiten.

Man stelle sich nur einmal vor, der Westen – also zum Beispiel die USA – würden einen Radiosender installieren, der seine verqueren Botschaften direkt ins Feindesland strahlt. Vielleicht würden sie das »Voice of Amerika« oder »Radio Liberty« nennen«… na, da wäre aber der Teufel los. Und um sich vollständig zu blamieren, würden sie Botschaften aussenden wie diese:

»Ich kam zur Erkenntnis, daß ich mich politisch auf einem Irrweg befunden habe… Durch Ihre Erläuterungen […] verabscheue ich meinen unwissend beschrittenen Weg, denn als Elektrotechniker war ich nur meinem Beruf ergeben und bin – blind und unwissend, ohne jemals einer politischen Richtung angehört zu haben – dem Einfluss der KPD erlegen. G. Sch., Wien«

Allein die Vorstellung, daß ein vollsinniger Mensch sowas tun würde! Über Kurzwelle, wo es doch mittlerweile Internet gibt. Wenigstens darin geht »Putin« mit der Zeit.

So ganz traut die ZEIT ihren Enthüllungen allerdings doch nicht:

»So aufschlussreich diese geleakten Akten auch sein mögen – eine nachprüfbare Urheberschaft russischer Regierungskreise gibt es nicht.«

Nein, die gibt es nicht. Nur den Artikel der ZEIT und ihre Leserbeschimpfung.

P.S. Die russische Administration wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie die Möglichkeit, Kommentare zu lancieren, nicht nutzen würde. Nur wäre das in diesem Falle mit Nagelstiefeln offene Türen eintreten. Es ist schlicht überflüssig.

Wahrscheinlich sind die Leser-Kommentare unter dem verlinkten Artikel in der ZEIT auch schon wieder alle gekauft:

»1.Kritik unerwünscht
So diskreditiert man seine Leser.
Heutzutage ist es mehr als notwendig als Bürger aktiv zu werden,
um dem Kriegstreiben (wenigstens im Internet) ein Ende zu bereiten.
Unsere Medien können uns Leser nicht mehr für blöd verkaufen,
auch nicht mit der These, Moskau würde uns „Putinversteher“ bezahlen.
Lilablau«

 

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0 Kommentare zu Das vorletzte Aufgebot

  1. Thelonious sagt:

    Endlich weiß ich wieder, warum ich die Zeit seit Jahren nicht mehr lese. Ich hatte es so in Erinnerung, dass es wegen der unsäglichen schnarchnasigkeit der Redakteure war. Aber es war wohl doch so, dass ich von dem stinkreaktionären Geschreibsel die Nase voll hatte.

    Nur 800 € im Monat und dann auch noch verspätet zahlen? So geht das wirklich nicht. Dann klappt es nie mit der Weltrevolution. 🙂

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  2. pantoufle sagt:

    Moin, Thelonious

    Josef Joffe, was nun deren Häuptling ist, gefällt sich zuletzt auch noch in der Rolle, die Anstalt mit Unterlassungsklagen darüber zu bombardieren, daß er nicht exklusiv für die Eliten und in deren Auftrag schreibt. Das nenne ich schnarchnasig!

    Was nun den ausstehenden Sold Putins betrifft, so weiß ich nicht, ob ich mich mehr über die Ebbe auf meinem Konto oder die groteske Diskussionskultur in Medien und dem Netz aufregen soll. Das geifernde »geh doch nach drüben« hallt mir noch aus meiner Jugend hinterher. Hin- und hergerissen zwischen »Putin-Fanboy« (man überlege nur: Allein so einen Begriff zu verwenden!) und »von Moskau bezahlt« habe ich mich für das Naheliegende entschieden: Geld.

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  3. piet sagt:

    Ich denke die Zeit beruft sich evtl. auf diesen Artikel http://ukraine-nachrichten.de/eroeffnungen-eines-soldaten-des-informationskriegs_4004_politik , den der Frontberichterstatter Jarchow (Alle doof, außer mir) dankenswerterweise vor ein paar Tagen im Stillstand veröffentlicht hat. Verantwortlich für die Seite zeichnet Andreas Stein, seines Zeichens „freier“ wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew. Der gute Mann versorgt die hiesigen Medien schon seit geraumer Zeit mit wasserdichten Nachrichten u.a. aus dem Dunstkreis der neuen Machthaber. Zur Rolle der Böllstiftung im Ukrainekonflikt muß nicht mehr viel gesagt werden. Was ich allerdings nicht verstehe, ist die schnelle und einseitige Parteinahme der Grünen und ihrer Fußtruppen, was gab es da für Beweggründe ? Wahrscheinlich mach ich mir aber ganz und gar unnötige Gedanken und alle Berichte sind objektiv und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Joffe & Co helfen. Amen. Pantoufle, sei bitte so freundlich und rechne die Zeilen mit unseren russischen Freunden ab, sobald sie sich bei dir zurückgemeldet haben.Danke. Damit sich das auch finanziell lohnt, hier noch eine Zugabe : Russland gutes Land, humba, humba, Putin noch viel besser, hossa, hossa ! Druschba ……

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    • pantoufle sagt:

      Moin Piet

      Zu dem Artikel und seinem Autor hat Joachim ja bereits alles nötige gesagt.

      Wie sich die Dinge doch wiederholen! Früher nannte man sie Dissidenten und wenn sie des Schreibens und Lesens mächtig waren, schruben sie Wälzer wie »Der Archipel Gulag« und Ähnliches. Die lasen dann vorzugsweise die Eltern, Papi dachte leise sinnend an Stalingrad und am Wochenende übergab die Frau Mama den Schinken dann an das schwarze Schaf der Familie. »Schwarzes Schaf: Willst Du Dir das mit dem Kommunismus nicht noch mal überlegen? Sonst kommen wir alle noch in Lager und Du mußt nach drüben!«
      Ach, das waren noch Zeiten! Heinrich Böll war noch »geistiger Sympathisant« – erinnern wir uns: Man mußte dafür oder dagegen sein! – und stiftete keinen Unfrieden. Und wenn Zuhause nichts los war, lud er sich Dissidenten zum Kaffee ein. Nun ist er wie die Frau Mama und der Nato-Doppelbeschluß tot und wird interpretiert. Man hat ihn gestiftet aber wenig gelesen.

      Manchmal ertappe ich mich dabei, Kristina Schröder ein wenig zu vermissen. Das kleine blonde, berufsschwangere Vögelchen gab eine so herrliche Zielscheibe ab. Was sie wohl jetzt zu diesen entsetzlichen Zeiten sagen würde? Eine Aussteigerprogramm für putinistische Kommentatoren? Oder gleich den Ritterschlag mit der Kasper-Klatsche in Form eines Bekenntnisses zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung? »Hiermit erkenne ich die Forenregeln und die freiheitlich-demokratische […] an, so wahr mir Gott helfe«. Da hätte man eigentlich schon früher drauf kommen können.

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  4. Joachim sagt:

    Oh wei, da meint Nik Afanasjew: „…wohl tatsächlich eine Mischung aus bezahlten Kommentatoren, patriotischen Auswanderern und antiwestlichen Westlern“.

    Warum stand der Satz nicht vorne? Dann hätte man gleich aufhören können zu lesen.

    Pappnase! Selbstverständlich wollen die USA und Russland Meinungen beeinflussen. Also, wer nicht versteht, was Internet ist, was Medien sind, der meint vielleicht auch, dass schwarz auf weiß irgend etwas belegen würde.

    Was mich vollkommen OffTopic zu der Frage führt, welche Bedeutung das Leistungsschutzrecht denn haben soll – vielleicht soll es (uns vor) sowas wie Märchen schützen? Oder vielleicht nur verhindern, dass die Welt bei Google gelöscht werden muss.

    Ups, welch ein schönes Wortspiel „die Welt … gelöscht“… findet ihr nicht? Dann nicht…

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    • pantoufle sagt:

      Ja, der Artikel hat schon viel Schönes, wenngleich wenig Neues. Vor allem die Übersetzerin…

      Die meisten Menschen tendieren dazu, beim Fach zu bleiben.

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  5. Секретариат иностранных дел sagt:

    Tovarishch Pantoufle,

    mit großer Freude umarmte deinen unermüdlichen Kampf zum Wohle von uns allen. Leider ist die Kontonummer in der Verwaltung verloren, so dass ich dich bitten, uns wieder zu erzählen. Nachdem ich alle Übergangs seines Vaters gehen wird. Wir wollen dein Format sein, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in der Wunschkörper.

    Druzhba und nichts für ungut!
    Natasha Nerazborchivyy
    pyatyy sub-sekretar

    Это письмо в электронном и действителен без подписи.

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    • pantoufle sagt:

      Liebe Natasha Nerazborchivyy

      Das mit der Kontonummer passiert in den besten Familien – mach Dir deswegen nur keine trüben Gedanken. In der Anlage findest Du die Rechnung meiner Autowerkstatt, bei der ich eine kleine kosmetische Änderung in Auftrag gab. Diese soll auch nach Außen meine tiefe Verbundenheit mit der Sowjetunion Russland und seinem leuchtenden Führer verkünden; sie ist zudem für dieses Fahrzeug der Ausbeuterklasse unerlässlich.

      Ganz nebenbei habe ich gleich auch noch die Achslager, Querlenkerbuchsen, Vorder- und Hinterachsfedern, Bremsscheiben hinten sowie Bremsklötze neu machen lassen. Bei der Gelegenheit erhielt das Fahrzeug auch eine neue Plakette des Dampfkessel-Prüfvereines!
      Überweise einfach die Kleinigkeit auf die angegebene Kontonummer und die Sache ist vergessen – wie gesagt: Kann ja mal passieren!

      Ich möchte mich jedenfalls für die schnelle Antwort recht herzlich bedanken, nicht ohne es zu versäumen, Dich darauf aufmerksam zu machen, daß es unter allen Übeln dieser Welt wie Fußpilz, Herrn Karl und Filzläusen eine Krönung gibt: Google-Übersetzer!
      Die Zeit bis zum Zahlungseingang werde ich mir mit der Vorstellung eines Wunschkörpers vertreiben, einem Zahnputzglas Wodka und der festen Überzeugung, daß die Revolution wahrscheinlich morgen, spätestens aber übernächsten Freitag kommt.

      Wunschkörper. Darauf muß man erst mal kommen.

      Druzhba und da ja man nich für.
      Pantoufle und Redaktionskampfhund Oskar

      I have the honor to be, Sir, your most humble and obedient servant

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  6. Pingback: Links 2014-06-20 | -=daMax=-

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