Das schale Leben im Hotel

Also Summerbreeze war geil. Wie immer eigentlich die letzten Jahre. Hammer, kein Speedlimit, Wodan statt Jesus und Pils-Bier statt Messwein. Geil eben!
Meine Glückwünsche und Dank an das wie immer extrem relaxte und freundliche Publikum. Ein FOH-Engineer aus Scandinavien bemerkte, das wäre das erste Festival in seinem Leben, auf dem das Publikum Platz gemacht hätte auf seinem Weg zum Arbeitsplatz. Keine (sichtbaren) Schlägereien, kein Nerv, freundliche Security. Wir (die Crew) sind mit unserem Auto im Schlamm steckengeblieben, ein anderer hielt an, um uns zu helfen, blieb selber stecken… man schob sich gegenseitig aus dem Dreck.

Wenn überhaupt etwas genervt hat, so waren das diese sogenannten VIPs, deren Pass es erlaubte, uns bei der Arbeit so gut es ging zu behindern und dann auch noch Drinks von uns zu fordern. Man sollte gelegentlich einfach nur noch zuschlagen. Dazu muß man allerdings bemerken, daß es die Typen waren, die sich so benahmen. Den begleitenden Mädelz war das meist sichtbar peinlich. Vermutlich kannten die das von zu Hause, wenn die Kerls nach Hause kommen und sie an der Waschmaschine gefragt werden, ob das Mittagessen schon fertig ist.

Idioten! Wer ficken will, sollte freundlich sein.

Der Italiener in Bottrop war… nun ja, … bemüht. Nun hat er dicht gemacht, oder ist dichtgemacht worden – wer weiß das? Vom Besitzerwechsel erfuhr ich erst, als ich mir zum blutigen Filet ein Glas Wein bestellen wollte.
„Nix Barollo? Riesling vielleicht?“
„Nein, wir haben keinen Alkohol! Wir sind echt halal“
Ah ja!
Das ausgezeichnete Filet wurde in seinem Geschmack ernsthaft durch ein Triplet am Nebentisch gestört. Gegenüber von IHM saß eine SIE mit Kopftuch, und neben ihm wiederum ein tuchloses Blondchen, welches ganz klar nicht seine Tochter war. Dafür befanden sich seine Grabschen an Stellen, wo es weder einer Tochter, Frau, oder sonst jemandem gefallen hätte; wenigstens nicht in einem Restaurant. Das muß es wohl sein, dieses Halal, von dem sie alle reden. Man braucht gar keinen Alkohol, um sich daneben zu benehmen. Gegen diesen Pascha waren die Metal-Jünger auf Summerbreeze die reinsten Sonntagsschüler. Zum kotzen, wenn ich das mal so sagen darf. Nicht nur beim Essen. Wenn es aber streng halal ist, so etwas ohne dämpfenden Schnaps zu ertragen, bleibe ich lieber Atheist.

Und suche mir mein Futter woanders.

Die nächste handvoll Schmerztabletten, runtergespült mit einem Bitburger (null halal). Auf Summerbreeze habe ich mir irgend etwas mit dem Rücken eingefangen. Richtig übel und kaum auszuhalten. Aber was willst du machen, im Hotel ohne Hausapotheke? Übermorgen nach Dresden, den Teilchenbeschleuniger etwas über die Bahn treiben. Heute und morgen vorbereiten und hoffen, daß es nicht schlimmer wird. Auf dem Motorrad ist es ja ok, das Gefühl, der Motor zwischen den Beinen, der dich vorwärts treibt. Aber sobald ich wieder auf den eigenen Beinen stehen muß… oh je, oh je… das kann ja was werden!

Das Hotel für Summerbreeze war übrigens 35km von der Bühne entfernt. Ideen haben die Leute… Da war doch was? Ach ja, für alle, die glauben, Rock‘n‘Roll hätte irgend etwas mit den Musikern zu tun: Kumpel T. vom Lichtdepartement hatte Arbeitsbeginn um 8:00 Morgens. Einleuchten ging bis 5:30 in der Frühe. Dann in die Hängematte unter der  Bühne, um gegen 7:00 die erste Band zu verarzten. Am nächsten Tag noch mal das Selbe, mit dem Unterschied, daß die „nur“ bis um 2:00 Uhr in der Nacht dauerte. Heilige Berufsgenossenschaft! Wie gut, daß die dann alle schlafen! Das erinnert mich irgendwie daran, daß Michael Schuhmacher seine Versicherung ja auch gefragt hatte, ob sie ihn gegen Unfälle beim Fußball versichern würden.
„Ach, Herr Schuhmacher: Nein! Gehen Sie doch besser Skifahren!“

Nicht so gut? Macht nix! Meine persönlichen Gewinner auf Summerbreeze war… nein, nicht Korn oder Knorkator (obwohl die auch geil waren) – es waren diese Jungs hier!

Auf Platz zwei steht eine wunderbare Crew, mir der ich das Vergnügen hatte zu arbeiten. Und auf Platz drei, aber schon weit weg, all die, die ich liebe. Die zuhause. Ob sie wohl an mich denken und mich vermissen? Papi ist auf Arbeit, auf Montage. Weit weg, in einem schalen Hotelzimmer; Raucher wenigstens und mit Leitung an die Parallelwelt.
Manchmal ist es wirklich…

… Rock’n’Roll Highway

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6 Kommentare zu Das schale Leben im Hotel

  1. da]v[ax sagt:

    Gestern mit einem Summerbreeze-Besucher telefoniert, der meinte “Das Summerbreeze ist das Festival mit dem besten Sound ever”. Das gebe ich jetzt mal als dickes Lob einfach so weiter.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Max
      Vielen Dank! Wir hatten dieses Jahr das neue D&B Zeug am Start, genannt: Gisela (GSL) mit den ebenfalls neuen 21′ Bässen. Zum Einmessen hatten wir J. von D&B zur Hilfe (nicht nur dafür! Danke für den Vorrat an Gummitieren!). Sven war Sys-Ing bei der Nummer und hat zusammen mit J. einen großartigen Job gemacht.
      Das war auch das erste Mal, daß mich nach Showende Leute aus dem Publikum angesprochen haben mit “habt Ihr ein neues PA dieses Jahr?” Das habe ich auch noch nicht erlebt!

      Man muß das Lob aber auch an die Engineers weiterreichen, die dieses Jahr die Bands betreut haben. Da war praktisch kein Aussetzer dabei, der sein Handwerk nicht beherrschte. Das ist ja auch immer ein Ding, was einem die Bilanz verhageln kann.

      Aber letztlich fällt das Kompliment auf den Sprecher zurück. Sie haben zugehört und wahrgenommen. Trotz Alk und Fesival-Euphorie. Und genau deswegen werde ich nächstes Jahr wieder dahin, weiles einfach eines der geilsten Festivals unter der Sonne ist. Es lohnt sich, sich Mühe zu geben und Gruß zurück: Wir werden uns nächstes Jahr mindestens genau so viel Mühe geben.
      Weil Summerbreeze!
      Der Promoter hat auf die Hotel-Situation bereits reagiert und gelobt Besserung. Und vielleicht hat die wunderschöne Licht-Technikerin H. nächstes Jahr auch wieder Zeit. Dann wird alles noch ein klitzekleines Stück besser.

      Gruß,
      Pantoufle

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  2. Lazarus09 sagt:

    Moin, ja die Äuswärtsspiele die Hotelzimmer und die Einheitsmahlzeiten..tell me about, war auch erst wieder untetwegs in der Welt. So langsam wird man zu alt für den Scheiß.
    Gute Besserung ..cheers

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Lazarus

      Geht schon besser. Morgen nach L. und die paar km werden Selbstbewußtsein und Vergnügen am Job schon wieder richten. das Hotel is ja nicht schlecht: Das nächste kann eigentlich nur schlechter werden. Radison! Hohe Nasen, weichgekochte Eier. Da will ich eigentlich nicht hin.

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  3. L´Andratté sagt:

    hey Pantoufle pass auf dein Rücken auf, der ist wichtiger als der ganze andre Scheiß (:
    Rock´nRoll hin oder her!

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    • Pantoufle sagt:

      Letzter Tag in D. Der Rücken hat sich wieder gefangen. Wenn der Abbau heute Nacht ohne weiter Unfälle über die Bühne geht, will ich ja gar nicht weiter jammern.
      Morgen gehts 500km nach Hause: Yamaha FJ1200 – die beste Rückenkur die ich kenne. Montag dann zum Vorbereiten für den nächsten Gig in die Firma. Eines der wichtigsten Utensilien im Rock’n’Roll: Der Wäschetrockner.

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