Das ist die Apokalypse!

Ich hatte es bereits geahnt. Herbstliche Autofahrer. Vor mir fährt eine Schlangenlinie und ich traue mich nicht vorbei. Durch das Rückfenster ist deutlich eine Hand zu sehen, die etwas flaches ans linke Ohr hält.
»Du glaubst gar nicht wie sehr es hier regnet! Nein… natürlich bin ich völlig konzentriert! Hör mal! Ich fahre seit 20 Jahren unfallfrei mit der linke Hand am Ohr! Keine 10m weit kann man sehen. Nicht mal nach hinten! Nu reg Dich mal nicht… nein, ich bin hier völlig alleine. Niemand fährt bei diesem Wetter. Nur ich und son bescheuerter Motorradfahrer hinter mir.«

Der bescheuerte Motorradfahrer sieht gerade seine Chance, daß sich das mit dem Überholmanöver von selbst erledigt. Jetzt tippt der Idiot vor mir irgend etwas in sein Ding und lenkt dabei auf die Bäume am Straßenrand. Na los – nur Mut! Das linke Vorderrad kriegst Du auch noch über die rechte Streckenmarkierung, Du Horst…!
Airbags sind irgendwie wider der natürlichen Auslese der Arten.
Beim Tatort gestern (Auge um Auge) telephonierte die Kommissarin auch die ganze Zeit während der Fahrt. Über ihr verpfuschtes Leben, den schlechten Film, in dem sie gerade mitspielen muß und daß Liebe nur bis in den Rollstuhl taugt. Tränenüberströmt und stark suizidgefährdet wurde das Gespräch nur deswegen abgebrochen, weil das andere Ende der Leitung beim besten Willen nichts mit dem sinnlosen Gestammel anfangen konnte. Verkehrssicherung durch Regieeinfälle. Da kann der Gesetzgeber so lange wie er will nach höheren Strafen zetern. Frau Kommissarin telephoniert. Das Budget reicht nicht mal für eine Freisprecheinrichtung.
Der Marlboro-Mann zitiert vom Rücken seines Pferdes im Sonnenuntergang, daß Rauchen die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt.

Jetzt aber! Runterschalten und ganz schnell links vorbei!
»Schantalle! Das glaubste jetzt nich! Dieser kriminelle Motorradfahrer hat mich gerade mit mindestens 200 Sachen überholt. Wegsperren, Lappen weg, Eier abhacken und Berufsverbot!«
Der Totschläger in seinem A6 ist erwacht. Leider habe ich damit vermutlich sein Leben gerettet. Ich bin ein schlechter Mensch!
Und für die Statistiker unter den Lesern: Mittlerweile sterben mehr Menschen im Straßenverkehr durch Mobile-Benutzung als durch Alkohol am Steuer. Man mag es gar nicht glauben – so sehr ähnelt sich der Fahrstil.

P.S. Das Überholmanöver habe ich natürlich nur riskiert, damit sich der Primat in Ruhe um einen Baum wickeln kann und ich mich glaubwürdig aus der unterlassenen Hilfeleistung rausreden kann.

Am Wegesrand

 

Der Russe geht immer! Selbst in Spanien. Der Russe sey alzo auch schuldt an Katalonien.
Hochnotpeinliche Befragung des Putsch-Dämons:

Ad 7 m. Der Teufel habe ihmb auf die Ehe, sich auch selbsten zuerkennen geben, habe ihmb auch ein Salben zuegestellt, die Gabel damit zum Ausfahren zu schmiren. Nach disem ihr noch darzu ein Bulfer geben, mit welchem er sowohl auch der Salben Leuthen und Vich schädlich gewesen.
Ad 8 m. Die hab er ihm geben, das er seiner sein solle. Möge darumb kauffen, was er wölle, Bulfer und Salben betraf, ist beim nechsten Puncten verantworttet.
Ad 9 m. Khinde nit schreiben und lesen. Der Teufel habe ihmb ein Seckhlin in die Handt geben, ihr solche geführth und sich ihme ein schwarz grabs Pappier verschriben.
Ad 10 m. Hab sich also verschriben, ich will dein sein, und was du mir schaffest, will ich thuen, auch Gott und alle Heilligen verlaugnen, mit rotter Dinten, so ein Bluet gewesen, welches er von ihmb genommen, habe sie mit einem Meßer den Kopf gezwickht, alda das Bluet bekhommen.
Ad 11 m. Uber das seye er nach solchem bey gemellter Holderstauden gedauft, darbey ihr Muetter und andere mehr gewesen. Der Bueldeufel habe ihmb reverendo Futh, und er ihn Gaisfueß gehaißen.
Ad 12 m. Habe ein Waßer uber ihn abgoßen, so er in einem Zühnschüßel gehabt, wiße nit, wa ers genommen.
Ad 13 m. Seye ihr nit an der Stürn umbgangen, seye nit gefürmbdt gewesen.

Der Russe (Putin©). Neid und Minderwertigkeitskomplexe gebären oft die eigenartigsten Begründungen. Steinigen oder verbrennen?

Warum wir wieder mehr Zeppeline brauchen.

Sie sind sehr groß und nur ein ganz klein wenig brennbar. Der Zeppelin an sich sowieso nicht – nur das Auftriebsgas und der Diesel des Antriebes brennen. Das hält ja auch keine auch keinen Porsche Cayenne-Fahrer ab, aber das ist eine andere Geschichte. [Darf man eigentlich die Fahrer solcher Fahrzeuge auf einem Parkplatz öffentlich herabwürdigen? Der Säzzer]

Zeppeline bieten unfassbar viel Fußraum und Sitzabstand. Außerdem haben sie eine Raucherlounge und Bedienstete zum Cognac ranholen.
Die Bar des Zeppelins führt Cognac.
Zeppeline haben eine Küche mit einem Koch.
Man kann nach dem Dinner umherlaufen und rausgucken.
Es gibt ein Dinner.
Die Umweltbilanz eines Zeppelins ist zehntausendmal besser als die einer Boeing 757. Trotz Diesel.
Die Gefahren des Zeppelinfluges werden maßlos übertrieben; no risk, no fun! Wer sich auf eine lange Reise begibt, sollte dies wieder als Abenteuer wahrnehmen. Andere Menschen werfen sich mit Müllbeutelanzügen von Hochhäusern oder fahren Ski, wo dies noch möglich ist.
Zeppeline sind sehr elegante Flugapparate.


In einem Zeppelin gibt es Betten, man kann dort seinen Rausch ausschlafen – oder den Absturz wegen schlechten Wetters. Oder beides gleichzeitig.
Zeppeline brauchen keine Landebahn. Nur unfaßbar große Hallen, die ähnlich gebaut sind wie Zeppeline ohne Auftriebsgas. Aus Aluminium und mit vielen Löchern, damit sie leichter aussehen.
Das Geräusch eines landenden Zeppelins weckt auch den Empfindlichsten nicht auf, und mag der noch so sehr in der Einflugschneise wohnen.
Zeppeline brauchen keine Einflugschneisen.
Zeppelinfahren ist teuer. So richtig teuer! Für eine Fahrkarte (Zeppeline fliegen nicht – sie fahren!) von Hamburg nach Düsseldorf könnte man sich den kompletten ICE »Claus Schenk Graf von Stauffenberg« mieten und wäre überdies noch schneller am Ziel.
Bei Attentaten fallen viel weniger schwere Teile vom Himmel, die unmöglich auch das klapperigste Atomkraftwerk beschädigen könnten (wegen der vielen Löcher).

Wie man sieht, spricht sehr vieles für Zeppeline. Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich wieder einen Kaiser einführen, der vom Balkon winkt.

Warum wir wieder mehr Kaiser brauchen.

Seitdem nur noch vom Balkon gewunken wird, stellt sich heraus, daß wir dadurch auch nicht schlechter regiert werden als unter Merkel.

Zeppeline und Kaiser sind knorke.

Anstatt Kamerafahrten über Beine einer Person zu machen, deren Beine dem einzigen Zweck folgen, Kamerafahrten über schweinenrosafarbene Pumps hinauf über Beine zu ermöglichen, an deren Ende ein Mund steht, aus dem unausgesetzt Unsinn poltert, lieber die aktuelle Herbst und Wintermode von wirklichen Damen. (Ohne Beine!)
Was hat die Kamerafrau sich dabei nur gedacht?

Warum ist der Muff nur so in Verruf gekommen? Gerade die zarten Hände profitieren während dieser Jahreszeit sehr von diesem zeitlos-schönen Utensil.

Auch der gemeine Lodenmatel wird vollkommen zu unrecht gemieden. Reaktionäre Zeitgenossen haben diesem Kleidungsstück einen Ruf eigetragen, den es nicht verdient. Ein intelligentes Gesicht, wo sonst rote Schmisse und schnapsnasige Gesichter vorherrschen und schon kleidet auch dieser Mantel Frau.

Für eine romantischen Abend am Kamin. Von ihm während einer totlangweiligen Teamsitzung mit kraus rechten Maschen gestrickt – ein Weihnachtsgeschenk, das auch im März noch Freude bereitet. (Danke, Birgit!)

Die Fliege für die Frau von Welt hat sich – wie Hüte – rargemacht. Zu Unrecht, findet die Schrottpresse! Bowler und Zigarre. Wer sehnt sich da noch nach schweinsfarbenen Stöckelschuhen von Frau Poth!

Meldungen, die Freude bereiten: Mann setzt durch Burnout (nicht die Modekrankheit – das mit den Reifen!) sein Fahrzeug in Brand und kann das Objekt seiner Freude auch nicht mit Hilfe der Umherstehenden vor dem Verbrennen retten.Aus Frust säuft er sich einen und wird dadurch auch noch sein Patent los. Vermutlich hat er während seines Kavalierstarts auch noch telephoniert 🙂

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48 Kommentare zu Das ist die Apokalypse!

  1. OldFart sagt:

    Wie sich die Bilder gleichen: Dieser Tage torkelte mal wieder vor mir auf dem Radweg ein Radler im kommoden Schnarchtempo über die ganze Wegbreite hin und her. Handy am Ohr und für Signale von hinten viel zu absorbiert von seinem elektronischen Suchtmittel. Als ich glaubte, sein Geschwanke zeige eine deutliche Tendenz zu einer Seite, habe ich stramm angetreten, um vorbeizukommen. Man ahnt es schon, fast hätte es gekracht und uns beide gefällt. Die Zahl an Smombie-Fußgängern, die mir handy-daddelnderweise auf dem innerstädtischen Radweg vors Rad taumeln, mag ich nicht mal versuchsweise schätzen. Viel zu viele.

    Gegen das, was ich diesen Smombies wünsche, sind die Vorstellungen eines Dante vom untersten Höllenkreis ein Wellnessbereich. Die Evolution soll mal hinmachen und ihres Amtes walten. Der Darwin-Award winkt! Nur halt das alles bitte nicht vor meinem Lenker.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin OldFart

      Am empörensten finde ich persönlich die Unart, jedes echte Gespräch an beliebiger Stelle durch das mööpen dieser Dinger unterbrechen zu lassen. Ganz gleich, wie wichtig oder intim: Wenn die App vermeldet, daß sie gerade die Heizung um 2 Grad erhöht hat, die allerletzte Chance zum Wechsel des Stromanbieters gekommen ist oder Kevin twittert, daß er jetzt raus geht und ein Eis ißt. »Tschullige – eine Sekunde!«, aus der dann Dutzende Minuten werden.
      Wenn es aber doch wichtig ist, was ich zu sagen habe, ist meine Stunde gekommen! Wenn die Aufmerksamkeit wieder mir gilt, wird geschwiegen. Ruhe erfüllt mich und alle irdische Hast fällt von mir. Absolute Entspannung!
      »Is ja schon gut! Siehste, ich schalte das Mobile auch aus!«
      Die nächste Unverschämtheit. Der Satz müßte lauten »Ich bitte vielmals um Entschuldigung für diese Ignoranz!« Anyway. Nun hat er abgeschaltet. Man muß auch gar nicht das Gespräch wieder aufnehmen – einfach nur zusehen! Was bei jedem ehrlichen Betäubungsmittel oder Heroin nach ein paar Stunden auftaucht, geschieht bei Mobiltelephonen in Sekunden. Die Entzugserscheinungen. Nun ist das Ding zwar äußerlich abgeschaltet, aber es könnte ja. Tut es aber nicht. Die Hände beginnen zu zittern, der Blick fällt immer wieder auf das Kästlein. Man kann es in die linke oder rechte Hand nehmen (das Gespräch oder dessen Inhalt sind aus diesem Resthirn herausgemeißelt), aber es vibriert und knarzt nicht mehr, obwohl man doch Netz hat. Die blauen Lippen verraten Sauerstoffmangel, weil der Patient vergisst zu atmen. Ein paar Silben stammelt er, in denen überproportional oft die Worte »aus« und »schalten« auftaucht.

      Ruhig zurücklehnen, lächeln und jede Phase des kalten Entzugs genießen. Gleich verliert er die Kontrolle über den Stuhlgang oder beißt ins Tischbein. Kalter Schweiß auf der Stirn und Gliederzittern; ein Bild des Jammers. Die hämische Frage, ob Kevin das Eis schmeckt, löst dann den unbedingten Atemreflex aus, er schaltet sich wieder ein und die Agonie findet ihr gutes Ende.
      Opfa!

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  2. Birgit sagt:

    Ähm…ich tät dem Fachblatt hier für Damen-Moden ja etwas widersprechen…das “Weihnachtsgeschenk” ist nicht gehäkelt. Das ist aus Fall – und kraus rechten Maschen gestrickt. Unwichtig.
    Die Bilder sind wunderschön.

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  3. Stefan R. sagt:

    Nun, die Idee mit den Zeppelinen klingt ganz charmant, doch gebe ich zu bedenken, dass auch Flüge mit dem Flugzeug ein Vergnügen ganz weniger Privilegierter (auch an Bord der Aeroplane wurde unter verschärften Bedingungen frisch aufgekocht). Und, was haben wir ein paar Jahrzehnte später? Billigflieger. Dasselbe gilt für Kreuzfahrten. Einst für die Betuchten paar Prozent, jetzt schippern schwimmende Hochhäuser auf Schweröl die Lagune von Venedig platt. Allerbeste Chancen also, dass der Himmel in absehbarer Zeit verdunkelt würde von den brummenden Monstergurken…

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    • Pantoufle sagt:

      Vom Ansatz her hast Du natürlich recht. Nur sind Zeppeline keine »lineare« Technologie – man kann sie nicht beliebig vergrößern, z.B. nicht beliebig viele Sitzreihen installieren, um aus der LZ125 einen Bumsbomber zu basteln. Im Grunde ist das wie mit Segelschiffen. Die Technik ist absolut überzeugend und altbewährt, der Antrieb sehr preiswert und das Ergebnis zeitlos schön und umweltfreundlich. Also werden sie nicht gebaut, natürlich auch, weil sie sich für den Containerbetrieb sowas von überhaupt nicht eignen und – ein ganz wichtiger Aspekt – das Wissen und die Fähigkeiten, solche Maschinen zu beherrschen mittlerweile abhanden gekommen ist. Wie die Fähigkeit, sich alle Telephonnummern zu merken, die man wirklich braucht.

      Und so bleiben Zeppeline eben das, was sie immer schon waren: Elegant, groß, viel zu teuer und für das, was sie eigentlich leisten sollen (nämlich fliegen) mit einem indiskutablen Nutz-Aufwandverhältnis gesegnet.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      Geschäftsreisende und Wochenendflieger merken deutlich: Innerdeutsche Flüge sind nach der Air-Berlin-Insolvenz teurer geworden. Tickets für Kurzstrecken kosten derzeit zwischen 26 und 39 Prozent mehr.

      ohmeingott. wie pantoufle schon richtig bemerkte; the end is nigh

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  4. Moped gut und Zeppelin schön, es spräche trotzdem mehr für einen fliegenden Teppich. Man könnte gleichzeitig beide Hände in den Muff stecken, telefonierende Primaten mit/ohne Porsche Cayenne beleidigen und sie überholen. Nie wäre man von unkommoden Straßenbelägen, Peak Oil, Stau oder Parkplatzsuche behelligt. Sondern hätte z.B. auf Open-Air-Konzerten stets eine schwebende Loge und Luxusunterkunft dabei und auf Reisen immer das Richtige zum Lesen und zum Anziehen. Die Reisegeschwindigkeit (stufenlos zwischen Geh- und Warp-Geschwindigkeit) und das Servieren des Dinners wäre mit einem Wimpernschlag geregelt, vor schlechtem Wetter wäre man auch geschützt, das gute Stück wäre selbstverständlich unklaubar und wenn es draußen nicht benötigt wird, ziert es den Wohnzimmerboden und wärmt die Füße.

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    • Pantoufle sagt:

      Annika und Tiker haben schon einen Teil der Realität auf ihrer Seite, wenn sie für das Pferd plädieren. Und/oder einen Zigeunerwagen Planwagen. Auf der anderen Seite bin ich ja Befürworter von panzerbrechenden Schußwaffen, die man sich beim Motorrad in die Papiere eintragen lassen kann. So ein Volkssturmpanzerabwehrdingens. Für so alte Knacker wie mich auf meinen zwei Rädern.
      Für die fliegenden Teppiche auf Open Airs sorge ich dann in der Zeit, die mir verbleibt.

      Ach, und da wäre noch mein liebster Türken-Witz.

      Ein Deutscher sitzt am Fenster und sieht seinem türkischen Nachbarn beim Teppichklopfen zu. »Na Ali? Springt er nicht an?«

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      • Annika sagt:

        Dem Himmel sei Dank schenkt mir Herr Ackerbau demnächst ein Pony.

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      • Wer hat denn hier für Planwagen plädiert? Tikerscherk plädiert mittels fleißigem Lottospielen für einen Betonbungalow (mit Teckel und Moos im Patio), wo Annika mit Pferd/Pony (silbern und im Plural) willkommen ist und den Brötchenhol-Part übernimmt. Und Sie waren doch eigentlich auch schon im Boot angekommen, nein?

        Wenn die Ponies klein sind, dann auch die von ihnen gezogenen Planwagen, ist logisch – andererseits gehören Haflinger zu den Ponies. Wenn die Träume klein sind, dann ist auch die dazugehörige Realität bescheiden und dagegen hilft auch die beste panzerbrechende Volkssturmabwehrwaffe nix.

        Der fliegende Teppich ist erfreulicherweise weitgehend wartungsfrei. Nur die Fransen müssen gelegentlich enttüddelt werden und das wäre vermutlich noch viel weniger standesgemäße Arbeit für Sie als in der Pferdemechanik vorstellbar.

        Hatte ich schon erwähnt, daß der Teppich locker einen ganzen Umzug oder beliebig viele Leute trägt (bis zu einer mittleren Reisegeschwindigkeit)? Will sagen: ich nehme Sie zu gegebener Zeit und auf Wunsch gern mal mit.

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        • Pantoufle sagt:

          Ha! Beine!

          Also ich hätte mich das ja nicht getraut.

          Und danke auch für die Erinnerung, daß ich noch an der Geschichte weiterschreiben wollte (weitergeschrieben habe). Ich liebe es, wenn man mich hetzt!

          Was die fliegenden Teppiche betrifft, so halte ich deren Wartungsfreiheit für die übliche Werbelyrik. Es gibt keine wartungsfreien Geräte. Wunderlampen müssen von Zeit zu Zeit geputzt, Drachen von Prinzessinnen befreit werden wie Hunde von Flöhen und Wölfe mit Abführmitteln versorgt werden.
          Das größte Märchen von allen ist die Wartungsfreiheit! Selbst die Gebrüder Grimm schweigen sich darüber aus, womit man einen Goldesel füttert! Eine nicht uninteressante Frage bei solchen Verdauungsprodukten!
          Denk ruhig mal drüber nach!

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        • Fluchtwagenfahrer sagt:

          Liebe Dame v. Welt,
          zum “Nur die Fransen müssen gelegentlich enttüddelt werden” folgender Vorschlag. Man nehme diverse Holzperlen und flechte sie in die Fransen ein, klimpert schön im Wind und hält die Fransennudel straff, alternativ ist auch (aus eigener Erfahrung) das Bekleben der Fransen mittels Heiszklebepistole und Strasssteinchen ein absoluter Hingucker.
          Allerdings ist da noch das Problem der PSA (persönliche Schutzausstattung) aka Helm. Meine Frau sagt das, das von mir bevorzugte Alu-Hut Model irgendwie aufträgt. Ich finde nicht, aber was weiß ich denn schon von Mode.

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  5. Pantoufle sagt:

    Also: Eigentlich sehe ich ja gerade eine ziemlich blöde Doku, und auf der anderen Seite sind das so charmante Kommentare.
    Der Reihenfolge nach – zu erst die Dame. Es gibt Momente im Leben eines Bloggers, bei denen er absolut sicher ist, daß etwas falsch ist, Widerspruch erregt. Das war so ein Moment. Selbstverständlich werde ich das sofort mit dem Ausdruck des höchsten Bedauerns korrigieren.
    Ich bin ein Wurm, ein elender Wurm – der zudem weder stricken noch häkeln kann.

    Stefan!
    Das hast Du vollkommen richtig erkannt. Mitte der zwanziger Jahre kostete ein Flug von Berlin nach München den Gegenwert eines Mittelklassewagens. Das finde ich grundsätzlich in Ordnung, wenn es das Vergnügen ganz weniger Privilegierter ist, mit einem hochexplosiven Ballon für immens viel Geld nach New York zu reisen.

    OldFart
    Die Nummer mit den Fahrradfahrern habe ich mit voller Absicht nicht erwähnt. Man sollte es sich nicht mit allen Lesern gleichzeitig verderben.

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  6. Thies sagt:

    Zum Aussterben des Muffs kann ich folgendes Indiz beitragen: in John Irvings “Garp und wie er die Welt sah” wurde eine Szene geschildert in der die Hauptfigur mit seiner Mutter durch Wien spaziert. In einer Strasse sehen sie Frauen am Strassenrand stehen, die ihre Hände durch einen Muff schützen. Die Mutter fragt interessiert ob das die neueste Mode sei. Ihr Sohn antwortet: “Nein, das ist das älteste Gewerbe.”
    Es mag also sein, dass dieses nützliche Modestück durch Aneignung nicht gesellschaftsfähiger Damen erst in Verruf kam und etwas später, nach dem Aufkommen günstiger Ski-Kleidung, komplett in Vergessenheit geriet.

    3+

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    • OldFart sagt:

      Hanlon’s Razor. Die Erklärung für das Aussterben des Muffs dürfte viel prosaischer sein. Zu besichtigen morgens auf dem Bahnhof. Wer mit der einen Hand auf dem Wischofon rumtatscht und in der anderen Hand mit einem Halbliter-Coffe-to-Go-Gebinde beschäftigt ist, gerne in ebendieser Hand noch eine glühende Kippe zwischen den Fingern, hat für einen Muff keine echte Verwendung.

      Der apartere Teil der Mitmenschinnen zieht winters stattdessen in Massen die Hände einfach in die Jackenärmel zurück und hält von innen die Öffnung zu. So gehts halt auch.

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    • Pantoufle sagt:

      Ich wollte über dieses Problem auch erst einmal schlafen. Ich meine ja, das Aussterben dieses Utensils zusammen mit den Tieren um den Hals älterer Damen beobachtet zu haben. Zeitgleich etwa mit dem Verschwinden der Hüte. Im Gegensatz zu den Füchsen und fuchsartigen des Nackenschmuckes sind die Hüte nie in Second-Hand-Läden aufgetaucht. Meine persönliche Theorie ist ja ein sehr geheimes Lager irgendwo, in dem Pelze mit Knopfaugen Dich anstarren und Hüte bis unter die Decke übereinandergestapelt auf eine Wende der Mode warten. Dort, in Halle 7, findet sich auch die Spezies Muff. Wer weiß: Wenn der Kaufpreis von Mobil-Telephonen die 2.000€-Marke knackt…? Oder die Winter mit Schnee wieder einziehen?

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      • Fluchtwagenfahrer sagt:

        Moin Pantoufle,
        also ich als Verwalter des Warehouse 13 (Depot 1000 jähriges Reich 2.0) kann dir hoffnungsfroh mitteilen, das ab Ende 2018 Muff`s dem deutschen Markt wieder zur Verfügung stehen werden. Unsere Marktanalysten empfahlen das Upgrade “integrierte Wischfontasche” so das wir uns veranlasst sahen, unseren Auftragnehmer in Fernost, die Bangladesschie Ltd. zu kontaktieren. Die erste Millionen Muff`s sind auf dem Seeweg und wir sind zuversichtlich unser neues Model dir zeitnah, zu Testzwecken, zu kommen zu lassen.
        Als unser langjähriger Premiumkunde, der du nun bist, haben wir als besonderes Gadget eine Zusatztasche für den 17er Kerzenschlüssel eingebracht.
        Ich selber habe einen Muff mit integrierter Luftpumpe (in Gold, für sechsunddreißig Jahre Panne im Kopf) die aber nur verdienten Mitarbeiter, zum Jubiläum, durch die Firmenführung überreicht wird.

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        • Pantoufle sagt:

          Gott sei gepriesen und vielen Dank auch! Das Leben hat wieder einen Sinn!

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        • Pjotr56 sagt:

          @Warehouse 13
          Aber legt bitte den Verkaufsstart früh genug, damit ich ein paar Standard-Muffs (ohne Werkzeugtasche, aber 10″ Tablet-Fach wäre wichtig!) rechtzeitig für Weihnachten 2018 ordern kann.
          Endlich mal wieder was sinnvolles zum Verschenken für die buckelige Verwandtschaft, die haben nämlich sonst schon alles doppelt und dreifach.

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  7. Wolfgang sagt:

    Moin!

    Ich breche mal eine Lanze für die Zeppeline… teuer? Jou. Elegant? Aber sowas von! Explosiv? Das waren des Grafen (wirklich große) fliegende Zigarren hauptsächlich deswegen, weil kein Helium für die Füllung zur Verfügung stand!

    Wäre die LZ 129, wie geplant, mit Helium gefüllt gewesen, wäre Lakehurst höchstwahrscheinlich das kleine, unbekannte Kaff geblieben, daß es schon immer war…

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    • Pantoufle sagt:

      Das ist natürlich richtig; deswegen ist es ja auch so groß geworden.
      Was die Unfallursachen betrifft, so tendiere ich als Nordlicht dazu, daß es ein unberechenbares Risiko ist, mit einem ungetauften Schiff durch die Gegend zu kajohlen (während der Probfahrt). Das hätte man unterlassen sollen!
      Im übrigen haben Luftschiffe im Laufe ihrer Entwicklung große Kreativität an den Tag gelegt, wie sie ihr Leben möglichst spektakulär beenden. Abbrennen war nur eine der verschiedenen Möglichkeiten.

      Wie das eben so ist: Dampfmaschinen, große Segelschiffe, chemische Kameras oder Zeppeline sind Teile von Retrotechnik, die ich liebe.

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  8. Pentimento sagt:

    Der Retuschör des hübschen Häkel-oder Strickpulloverfotos hatte wohl keinen Bock mehr. Hört einfach unterm Hals auf. – Kreuzfahrtschiffe sind so überflüssig wie Laubbläser

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    • Pantoufle sagt:

      Nu sei mal nicht so! Scanfehler? Häkelware zählt nicht gerade zu meinen favorisierten Modes-accessoires. Aber in diesem Falle ist es doch sehr kleidsam, finde ich.

      Und was Kreuzfahrtschiffe betrifft, bin ich ganz bei Dir. Was ich allerdings für weitaus entbehrlicher halte, sind sogenannte Domestic-flights oder auch Parabelflüge genannt. Wo das Flugzeug direkt nach dem Start die Landung einläutet. Düsseldorf – Kassel-Calden oder München – Nürnberg. Sowas gehört verboten oder so hoch besteuert, daß sich die Probanden lieber ein neues Auto dafür kaufen würden.
      Deshalb meine Empfehlung des Zeppelins.

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  9. derdilettant sagt:

    @ telefonierende Autofahrer
    Aus meiner Sicht als Radfahrer hab ich da (fast) nur gute Erfahrungen gemacht. Die geteilte Aufmerksamkeit führt des öfteren zu defensivem Fahrverhalten, sprich: wer angestrengte eine sms ins Handy tippt nimmt im Zweifel den Fuß vom Gaspedal (und lässt sich gerne überholen). Volle Aufmerksamkeit auf ‘s Fahr-(vergnügen) steigert die Risikobereitschaft. Trifft im Stadtverkehr zu, vielleicht nicht auf der Landstraße oder gar Autobahn.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin, derdilettant

      Wir sprechen aber schon über Deutschland, oder?
      Tut mir leid, aber es fällt mir auch bei längerem Nachdenken nicht ein einziger vernünftiger Grund ein, warum der Lenker eines mindestens eintonnenschweren Geschosses beim Fahren etwas anderes tun sollte als fahren. Ganz egal, wo er das tut. Das behaupte ich mal als Vater mehrerer Kinder und Motorradfahrer. Für mich ist es auch nicht »defensiv«, wenn jemand nicht auf die Straße sieht, sondern im besten Falle leichtfertig.

      »Volle Aufmerksamkeit auf ’s Fahr-(vergnügen) steigert die Risikobereitschaft.«
      Und Augenbinden erhöhen die Verkehrssicherheit, nehme ich an.

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      • OldFart sagt:

        Vollumfänglich ACK. Danke.

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      • derdilettant sagt:

        Na ja, natürlich hast recht, die ironische Note meines Kommentars kam wohl nicht so recht rüber. Allerdings: etwas anderes tun als fahren? sich unterhalten, Radio, überhaupt Musik hören – da gibt’s schon ne Menge, was Autofahrer immer schon so nebenbei getan haben. Die Grenzen sind da fließend. Aber bald dürfen sie ohnehin nicht mehr fahren, sondern werden gefahren. Beste Grüße!

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        • Pantoufle sagt:

          Moin derdilettant

          Ja, die Ironie hat sich nicht so recht durchgesetzt. Was dieses Thema betrifft, bin ich etwas zu sehr auf Krawall gebürstet. Eben auf der Autobahn hinter Düsseldorf auch wieder so ein Vollspacken. Diesmal aber gleich mit Vollbremsung. Wenn in den Nachrichten einer vorkommt, der dort einen Auffahrunfall im Feierabendverkehr hinbekommen hat: Dem konnte ich gerade noch so eben ausweichen.
          Und ich seh noch, wie der sich ans Ohr langt und denke so „pass bloß auf, der kriegt wieder nix mit“, da steigt der auch schon voll in die Eisen. Da hat ihm seine Alte vermutlich gerade gesteckt, was nicht alles flat in der letzten Telephonrechnung war.

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  10. Pentimento sagt:

    Moin Pantoufle
    Bin auch dafür! Und Segelschiffe. Die wären heute sicher einfacher zu bedienen,weniger gefährlich und es gäbe endlich wieder Klabautermänner.
    Zu Deinem letzten Beitrag über den aus dem Film herausgeschnittenen Kevin Spacey ist mir noch ein schönes, umgekehrtes Beispiel eingefallen. In “Topas”, der u.a. in Kuba spielt, hat Alfred Hitchcock die Doku einer Rede Fidel Castros als Hintergrund für die Entdeckung des Spions verwendet. Links neben Castro steht Che Guevara, wie man ihn von dem berühmten Foto kennt, rechts von Castro ein Schauspieler, und in der zuhörenden Menge der Spion. Das ist genial. Dafür lasse ich jeden, mit Special Effects beladenen Science Fiction Film laufen. 🙂

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  11. Hallo Pantoufle,

    deine Eingangszene beschäftigt mich schon eine Weile, genauer die Aggression, die darin mitschwingt, die zumindest sprachlich deine ist, denn selbst das hasserfüllte”Eierabhacken” legst du dem Autofahrer in den Mund. Nun “kenne” ich dich als höflichen Menschen, der durchaus ein humanistisches Wertesystem zu haben scheint, und gewiss bist du auch im Alltag ein umgänglicher Mensch. Darum: Wie erklärst du dir und mir diese Unduldsamkeit und Wut, die da an den Tag kommt. Offenbar herrscht Krieg auf den Straßen, aber wäre man da nicht besser Pazifist?
    Das fragt mit besten Grüßen,
    Jules

    2+

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    • Pantoufle sagt:

      Moin, Jules

      Hmm, eine gute Frage an den Mann ohne Knautschzone und Airbag.

      Also ich sehe das folgendermaßen: Ich nehme für mich in Anspruch, meine Wut darüber aufzuschreiben und die Aggressionen darüber nicht im Straßenverkehr auszutoben. Damit gehöre ich zu einer elitären Minderheit. Ich werde dabei etwas lauter und deutlicher, damit auch jeder versteht, was ich meine? Gut möglich. Auf die leisen Töne hören sie ja nicht (so wenig wie auf die lauten: „Tschuldige, es klingelt gerade – merk Dir bitte, was Du sagen wolltest!“)
      Schantalle liked irgend etwas und wegen solchen Kinkerlitzchen sterben Menschen im Straßenverkehr? Das kann doch eigentlich nicht sein.

      Das wichtige Wort „Pazifismus“ gehört nicht in diesen Zusammenhang. Wir reden hier über Idiotie und vermeidbare Opfer. Man gibt biederen Hausfrauen und verantwortungslosen Jugendlichen PS-Monster in die eine Hand, die man vor ein paar Jahrzehnten nur Rennfahrern zutraute und in die anderen Hand so ein Ding zum daddeln? Meine Wut ist die der weichen Ziele in diesem Spiel. Wie die der Dackel, Kinder, rollatorenschiebenden Alten, Fahrradfahrern ect.
      Auch die Wut darüber, daß es sich im Falle des Handy-Missbrauchs am Steuer immerhin um ein strafbares Vergehen handelt. Aber besagte Kommissarin im Tatort tut so, als wäre es vollkommen normal, dieses Gesetz zu ignorieren. Damit ist sie allerdings nicht alleine – sie tun es alle! Seltsamerweise aber trennen sie in ihren Filmchen Müll oder bekommen Knöllchen, wenn sie am Tatort die Einfahrt blockieren. Was habe ich da nicht verstanden?

      Die Unduldsamkeit mag auch daher rühren, daß ich mir einbilde festzustellen, daß es immer schlimmer wird. Jedes Kleinkind läuft mittlerweile mit den Dingern herum und so kollidieren Marktinteressen mit den einfachsten Regeln des Überlebens. Man zieht die Bälger mit Biokarotten, veganen Kindergruppen und Waldorfschulen groß, um sie dann mit elektronischen Augenbinden dem Straßenverkehr in den Rachen zu werfen? Bei dem Gedanken muß ich aber sehr aufpassen, daß der Zynismus nicht mit mir durchgeht. Marktkonformes Kindeswohl nennt man das vermutlich.

      Pazifismus… das ist ein großes Wort, wenn man jemandem schriftlich ans Schienenbein tritt. Mehr ist es ja nicht.

      P.S. Das Wort habe ich dem unbekannten Fahrer nicht so einfach in den Mund gelegt. Es fiel in einem vergleichbaren Zusammenhangan der Theke einer Kneipe , an der ich still den Gesprächen lauschte.

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      • derdilettant sagt:

        So sehr ich deine Wut über Sittenverfall und zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr verstehe und teils teile, so geht doch einiges durcheinander in deinen Ausführungen. Von einer Tatortkommissarin erwarte ich kein vorbildhaftes Verhalten, sie ist eine Fernsehfigur und unterliegt dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten. Ich jedenfalls will keine Ami-Mentalität, wo demnächst etwa nicht mehr geraucht werden dürfte im Fernsehfilm. Deine offensichtlichen Vorbehalte gegenüber einer gewissen Ernährung oder Lebensweise (“Biokarotte”) teile ich auch nicht, und sehe vor allem keinen Zusammenhang mit dem von dir beklagten Fahrverhalten. Im Grunde ist bereits die Einführung motorisierten Verkehrs in dicht besiedelten Städten ein Verbrechen – Verkehrstote gab es zuhauf bevor fahrend auch noch telefoniert wurde. Die technische Entwicklung fragt aber nun mal nicht danach, was besser für die Menschheit ist, sondern was sich gewinnbringend verkaufen lässt. Menschen in gepanzerten Blechschüsseln auf die Straße zu lassen, in denen jegliches Gefühl für Aufwand und Gefahrenpotential wegtechnisiert wurde, und die zu maximalen Komfortzonen hochgejazzt wurden, befördert zwangsläufig genau das von dir kritisierte Verhalten. Dagegen nützen keine Appelle, sondern nur der selbst erlittene Unfall. Disziplinierung durch maximale Strafandrohung wie zu Kaisers Zeiten gibt’s heute auch nicht mehr. Aber, und ich erwähnte es schon: die Durststrecke währt bis zur flächendeckenden Einführung des betreuten Fahrens. Die Freiheit, wie wir sie jetzt noch “genießen”, wird nicht mehr lange dauern.

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  12. Thelonious sagt:

    Hach, wie ist das schön, endlich mal wieder über relevante Themen zu lesen. Zeppelline und Muffs. Oder heißt es Muffe? Da kann man sehen, wie Accessoires aus der Mode sind, wenn einem nicht einmal der korrekte Plural auf Anhieb einfällt oder die richtige Schreibweise.

    Was ist eigentlich mit dem Mopp als Frisur. Oder dem Wischmopp. Neulich habe ich das Wort „Wischmop“ in der Zeitung gelesen. Da habe ich gelacht und mir gleichzeitig gedacht, dass mir das auch passieren könnte. In dieser Schreibweise wäre das angehängte -s- der richtige Plural. Doch „Wischmops“ vermittelt Singularität und „Wischmöpse“ ist irgendwie unanständig.

    In Franken spricht man das Wort mit einem weichen „p“ aus. Wischmob. Meine Frau denkt an aufgebrachte Putzfrauen. Ich hingegen sofort an gut gekleidete Herren mit ausgebeulten Jackentaschen.

    Mob, die Abkürzung für Mobster. Eine verrauchte Kaschemme in New York oder Chicago zur Zeit der Prohibition. Dorthin zieht sich der Zeppellinkommandant nach erfolgreicher Atlantiküberquerung zurück. Eine dicke Eichentür mit einem kleinen Guckloch. Das Kennwort lautet „Mussorgsky“. Hier verkehrt das Bildungsbürgertum. Die Männer mit Cutaway, Taschenuhr und reichlich Pomade im Haar. Die Frauen im tief ausgeschnitten Coctailkleid. Der Muff hängt neben der Pelzstola an der Garderobe. Der Kommandant zieht seinen Stresemann glatt, schließlich ist er deutsch, und setzt sich reichlich bräsig in ein Fauteuil. Bei der leicht bekleideten Blonden kauft er extra eine Romeo y Julieta. Er pafft, nippt am Absinth und denkt: „Diese Rhythmen sind so fremd. Typisch Negerkapelle. Amerikaner eben.“ Der Duke dirigiert z.B. Caravan.

    Währenddessen wird im Hinterzimmer Frankie Machine von den Gangstern zu Brei geschlagen. „Den Boden mit ihm aufwischen“, nennen sie das. Wischmobbing.

    Womit wir beim Handy wären. „Hast du eigentlich nichts anderes zu tun, als mir den ganzen Tag Nachrichten zu schicken?“ Whatsappte ich neulich Sohn zwei. „Nein. :)“, lautete die Antwort. „Whatsappen“ ist tatsächlich ein richtiges Wort geworden. Wie „googeln“. Kommunikation wird immer öfter mit irgendwelchen Firmennamen benamst.

    „Yamahaen“ oder „Ducatien“ haben sich als Synonyme für die Fortbewegung hingegen nicht durchgesetzt. Gut, „Yamahaen“ sieht geschrieben auch wirklich zu blöd aus. Irgendwie Finnisch. Und Finnen sind depressiv. Schau dir den Kaurismäki an. Und „Ducatien“? Klingt nach einer Steueroase am Mittelmeer. Wahrscheinlich in der Nähe von Krk.

    „whatsappen“ ist wirklich kein Brüller. Ich könnte ja noch verstehen, wenn man diese Art der Kommunikation nach dem Programm Threema benennen würde. Kann das Gleiche nur besser. Man threematisiert etwas. Das klingt ernsthaft und seriös. „Ich threematisiere, dass du mir mit deinen Nachrichten echt auf den Sack gehst“. Klingt doch gut. So akademisch. Und willst du wirklich jemanden verurteilen, der unter Threemataentzug leidet?

    Das wäre herzlos.

    Ich freue mich übrigens, dass es dem Teilchenbeschleuniger gut geht und er auch amtlicherseits als gesund anerkannt wurde.

    Und das mit den geschrumpften Dichtungen passiert dir auch nur einmal im Leben. Das verfolgt dich bis in den Traum. Wenn dich deine Frau irgendwann einmal mitten in der Nacht mit der Frage nach den seltsamen Geräuschen aus dem Küchenbereich weckt, wird deine Antwort im Halbschlaf vermutlich so lauten: “AufkeinenFalldieVergasertrockenlegen. Undjetztwillichweiterschlafen. Chrr.”

    Das ist unter Umständen zwar nicht unbedingt das, was sie hören will, doch trotzdem das Postulat eines Axioms im Zeitalter des Verbrennungsmotors, das du deinen Kindern und Kindeskindern weitergeben wirst.

    Ja, ja ich darf so altklug daher schwätzen, weil …

    Dabei wurde ich vorher schon gewarnt. Ich habe daraus gelernt: Niemals den Vergaser trocken legen und das Wissen der Altvorderen nicht unterbewerten. Eine durchaus evolutionäre Erkenntnis. So mag auch der Höhlenmensch im Pleistozän nach seiner ersten Begegnung mit einem Säbelzahntiger zu einer ähnlich fundamentalen Einsicht gekommen sein.

    Nie ohne geeignete Waffe den Kampf mit diesem Tier suchen. Diesen Gedanken hat er dann seinen Nachfahren eingebläut. Das Ergebnis ist bekannt. Während der Mensch überlebte ist der Säbelzahntiger ausgestorben.

    Ob dieser Umstand für die Erdgeschichte ein Gewinn ist? Es ist z.B. nichts über irgendwelche rassistischen Allüren des Säbelzahntigers bekannt. Im Gegenteil, es war ihm reichlich wurst, ob sein Fresserchen ein Kaninchen oder ein Mensch war. Hautfarbe, Religion oder gar politische Gesinnung spielten für keine Rolle.

    Die Menschheit jedoch zeitigte solche Früchtchen wie den Herrn Karl, bei dem das anders ist. Das macht den Säbelzahntiger irgendwie sympathisch und sein Aussterben bedauerlich. In Zeiten des Internets kann man solche Figuren wie das Karlchen nicht einmal komplett ignorieren. Immer wieder stolpert man an den ungewöhnlichsten Orten über sie. Und dann ist man wieder konfrontiert mit der unendlichen Ödnis ihrer Hirne.

    Manchmal bin ich über meine zeitweise technische Internetabsistenz ganz froh. Wer fünf Kilometer bis zum nächsten vernetzten Computer latschen muss, überlegt sich vorher genau, was er sich im Netz antut und was nicht. Das ist ganz gesund.

    Aber als Zwitterwesen zwischen den Welten verfalle ich hier schnell in alte Gewohnheiten zurück. Und dann begegne ich ihnen wieder. Den Karls. Und wünsche mir eine Welt voller Säbelzahntiger ohne Internet.

    Trotzdem bin ich ganz froh, dass unsere Altvorderen Pfeil und Bogen entwickelt haben und der grassierenden Säbelzahntigerplage Herr wurden. Sonst hätte ich nie etwas über den fröhlichen Herrn am Prüfstand erfahren. Aber ausrotten hätten sie ihn nicht gleich müssen.

    Stell dir das Karlchen mit einer Bestie im Rücken vor, die jeden Moment einen Happs von ihm nehmen könnte. Er würde seine Zeit sinnvoller zubringen.

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  13. Pantoufle sagt:

    Moin, Thelonious

    Schön, mal wieder was von Dir zu hören! Ich hoffe, es ist immer noch die richtige Entscheidung gewesen.
    Whatsappen… ja, auch das hat in meiner Familie Einzug gehalten. Bis hin zur Schwiegermama, die jetzt im hohen Alter gebannt auf den Miniscreen schielt – der Enkel macht ein Bäuerchen, der Enkel hat volle Windeln, der Enkel hat gerade Lysergsäurediethylamid 25 gesagt, der Enkel… Den ganzen lieben Tag geht das so und Schwiegermama ist nicht von dem Dingens wegzukriegen.
    Mein Nokia Communicator kann das und sein Besitzer will es nicht.
    Sie whatsappen; es muß ein Akt der Befreiung und tiefen Glückes sein, daß jedermann zu jeder Zeit weiß, wo Du was treibst. Keine Geheimnisse mehr – man hat schließlich nichts zu verbergen. „Und willst du wirklich jemanden verurteilen, der unter Threemataentzug leidet?“ Ja, will ich. Wobei mir der Name dafür recht gleichgültig ist. Wie Jules so richtig feststellte, bin ich nur eingeschränkt Herr meiner Hormone und dadurch – wie Du so richtig folgerst – herzlos. Du siehst, man braucht kein Whatsapp für einen Offenbarungseid.

    Die FJ hat sich erfolgreich der Adjektivierung widersetzt, bringt mich aber problemlos von a nach b. Immer schön feucht halten (ein Klacks bei dieser Jahreszeit) und im Moment parkt sie vor dem Hotel in Mülheim an der Müle. Die fließt direkt vor meinem Fenster und ist bemüht, nicht einzufrieren. Gestern sind wir zusammen an Rhein und Ruhr entlang gebrettert und haben den sensationellen Sonnenuntergang bewundert. Wie im Film, so bunt und hell war das. Ohne 3D-Brille und Eintritt; sehr sehr schön. Danach in ein kleines Speisehaus mit einer Bedienung, die dem Sonnenuntergang ernsthafte Konkurrenz machte, auch wenn das Gyros eher na ja war. Aber das ging in der globalen Glücksseligkeit unter. Und ohne Whatsapp, um jemandem im Unglück das alles unter die Nase zu schmieren. Die unbezahlbaren kleinen Freuden eines Reisenden. Ich hätte ja auch Forelle Müllerin haben können, war aber zu misstrauisch. Auf der Tafel stand eine Lobpreisung all der Beilagen des Gerichts und die Forelle wurde nur so beiläufig erwähnt. Nashorn-Eisbein mit Mandelsplittern aus biologischem Anbau, handverlesen – und gespalten und sorgfältig auf dem Tier ausgerichtet. Da wird man doch misstrauisch, oder? Mein Gott, ich bin ja so konfliktscheu! Birne Helene (ist ein ganzer Pfirsich mit einer Zimtsoße und Badezusatz) hätte ich ordern sollen.
    Da saß ich nun, strahlte wie ein Endlager und die Querelen wie trockene Vergaser, sicherungsfressende Hupen und alle Fehler, die ich beim Teilchenbeschleuniger jemals gemacht hatte und machen werde, sind weit weg. Heute Nacht noch die Produktion aus der Hütte reißen und morgen in aller Ruhe nach Hause traben. Mit Griffheizung (ja, ich werde alt!) weiter auf dem am dichtes besiedelten Planeten dieses Sonnensystems.

    Heute hab ich die Kamera etwas Gassi geführt und mich umgesehen, wo ich überhaupt gelandet bin. Früher muß in dieser Gegend mal das Bürgertum gehaust haben. Nicht so viel Bildung, aber enorm viel Geld. Unverdaute Spätfolgen der Gründerzeit, weiße Klötze mit Puttenpest. Kein Fenstersims, daß nicht von einer Frauensperson gestützt wird, kein Erker ohne Herkules. Die knirschenden Kieswege sind lieblosem Pflaster gewichen und einbruchssichernde Jalousien in der Komplementärfarbe zur Fassade. Dort, wo man sich nicht so sehr fürchtet, stehen die eigenartigsten Gegenstände in den Fenstern. Gänse aus Meißen, Engelchen oder die selben Putten wie die, die an der Türe den Briefkasten im Maul halten. 1901 ist die vorherrschende Zahl in Stuck. (Beim Schreiben ein kurzer Blick aus Fenster – es regnet Bindfäden! Und dann noch gegen 22:00 Uhr eine Stunde zum Venue gurken. Die etwas kleineren Freuden des Reisenden.)

    Aber wenn ich schon kein Whatsapp habe, so lebe ich doch im 21. Jahrhundert! Regenradar gibt es auch auf dem Laptop! Und siehe da: Es regnet gar nicht. Dem Fachmann ist natürlich sofort klar, daß der Mann die falsche App benutzt. Es gibt gute und schlechte Apps und vermutlich auch welche, auf denen man sich das Wetter nach Wunsch skalieren kann. Alle haben so eine App, nur ich nicht. Oder man muß seine Wahrnehmung der benutzten App anpassen. Womit wir schon wieder bei Whatsapp sind.

    Also eine Gegend, in die der erfolgreiche Luftschifferkapitän nach erfolgreicher Rückreise aus Manhatten kommt. Natürlich nicht im Stresemann, sondern in brauner Lederkluft mit Goggels auf der Mütze. Weil die Luftschifferkapitänskommandobrücke so zugig ist und die Mädels so interessiert gucken. So wirtschaftsdeprimiert man hier auch ist – den Absinth gibt es hier ohne Kennwort und was hinter verschlossenen Vorhängen stattfindet, muß sich hinter New York nicht verstecken. Nur vor den Nachbarn.

    Ja, die relevanten Themen! Man mag es ja kaum glauben, was Damenmoden und Reparaturbeschreibungen für Besucherzahlen generieren. Die Muffe als verbindendes Element? Ich glaube ja „Muffs“. Denjenigen, die sich die schönen Bilder angesehen haben, wird‘s egal gewesen sein. Hauptsache keine Politik mit der Teilnahmemöglichkeit an einer linksradikalen Calypso-Tanzveranstaltung. Modellflugzeugbastler und Hobbyköche sind einfach die glücklicheren Menschen und davon wollen die anderen etwas abhaben – kann man ja auch durchaus verstehen!

    AC/DC-Mitbegründer Malcolm Young ist gestorben, lese ich gerade. Noch einer weniger. Ich mach dann mal Schluß für heute. Vielleicht fahre ich etwas früher los; es regnet gerade mal nicht. Und dann kann ich noch etwas Live-Musik hören und mir vergegenwärtigen, wie große der Verlußt dieses Ausnahmegitarristen tatsächlich ist.

    Wenn Du mal wieder an einen Netzzugangspunkt gerätst, fühle Dich gegrüßt und vermisst.

    Mit herzlichen Grüßen,

    Pantoufle

    2+

  14. Thelonious sagt:

    Ja, die Helden unserer Jugend rafft die Zeit so langsam hinweg. Und auch wenn ich jetzt einen Shitstorm provoziere, ja, ich mochte und mag Malcolms Musik. So schön einfach. Das kann jede Schülerband innerhalb von ein paar Minuten nachspielen. Das Einstiegsriff zu Hells Bells. Immer wenn ich es höre, denke ich mir: „Verdammt, warum ist mir das nicht eingefallen.“ Dann wäre ich jetzt zurecht reich und berühmt. Und eine der Schülerbands, bei denen ich damals mitgespielt habe auch. Andererseits, man muss auch jönne könne. Dem Malcolm jönne ich es gerne.

    Luftschifferkapitänskommandobrücke. Alleine für dieses Wort lohnt sich eine herkömmliche Tastatur. Kein Mensch schreibt Luftschifferkapitänskommandobrücke auf dem Handy bei Whatsapp. Könnte man auf dem Bildschirm gar nicht entziffern. Ich ohne Brille sowieso nicht und die habe ich meistens nicht dabei. Deswegen hält sich die Whatsapp-Kommunikation bei mir in ganz engen Grenzen. Meine Söhne hingegen sind ständig am wischen und tippen. Am Anfang habe ich darauf noch unwirsch reagiert, in der Zwischenzeit rede ich einfach weiter oder deliriere vor mich hin.

    Sohn 2 besucht gerade in seiner Freizeit ein Marxismus-Seminar. Ja, so was wird heute hier in der Gegend noch angeboten. Aber wir haben ja auch einen ehemaligen Maoisten als MP. Deswegen steht bei jeder Gelegenheit auch der Zusatz „der ehemalige Maoist Kretzschmann“ in der Zeitung. Manchmal schmuggelt ein aufmüpfiger Setzer auch ein zusätzliches Leerzeichen in das Attribut. „der ehemalige Mao ist Kretzschmann“ Herrlich.

    Zurück zu Sohn 2 und Marx. Eines Abends diskutierten wir ein wenig und Sohn 2 war ständig am Wischen und Lesen. Also faselte ich nur noch so vor mich hin. Über das Treffen zwischen Marx und Stalin und wie ersterer mit der Bimmelbahn unter einer vom Verfassungsschutz vergebenen Tarnidentität über Finnland nach Russland fuhr. Nach fünf Minuten unterbrach mich mein Sohn und fragte, was für eine Scheiße ich da von mir gäbe. Ich antwortete ihm, dass das egal sei, er höre ja doch nicht zu. Seither schielt er nur noch heimlich auf sein Handy, wenn er sich mit mir unterhält. Mal sehen, wie lange es vorhält.

    Aber ich kann dich verstehen. Wenn ich Sohn 2 jemals mit dem Handy in der Hand beim fahren erwische, werde ich den Zylinderkopf seines Autos mit Ersatzkerzenlöchern bestücken. Dann kann er im Zug whatsappen. Damit schadet er wenigstens keinem.

    Es wundert mich übrigens nicht, dass die Kommentarspalte bei den relevanten Themen gut frequentiert war und das solltest du den Leuten auch nicht vorwerfen. Der politische Diskurs, nicht nur im Netz, riecht nicht einfach streng sondern ist tot. Das ist bedauerlich, aber in meinen Augen bis zu einem gewissen Grad auch verständlich.

    Wenn Generäle sich auf facebook über Atomwaffeneinsätze äußern dann doch nicht, weil sie die Meinung der user interessiert. Das ist PR und an Schwachsinnigkeit kaum noch zu überbieten. Darüber lohnt sich nicht zu diskutieren, weil schon die Grundvoraussetzungen nicht stimmen. Wenn Kretsche den Horst ins politische Separee führt, um mit ihm zu kuscheln weiß auch der dümmste Grünen-Wähler, dass er total verarscht wurde. Aber deshalb gleich die Systemfrage stellen? Nie! Da könnte man ja etwas verlieren. Dann lieber Biedermeier. Der Rückzug ins private Glück.

    Hier und an anderen Stellen im Netz ist man sich bewusst, dass dass dies ein katastrophal falscher Weg ist. Bei deinen Lesern rennst du meist offene Türen ein. Über was sollen wir also diskutieren? Dass wir die Welt ähnlich sehen? Haben wir doch schon. Kann schnell selbstreferenziell werden. Und diejenigen, die aus deinen Texten neue Einsichten gewinnen könnten, die verirren sich nicht allzu oft hierher. Das ist schade, aber es ist einfach so.

    Soll das unser Thema sein? Wie vergrößern wir pantoufles Reichweite? Wäre diskussionswürdig, aber wir reden dann nicht über zehn oder elf neue Stammleser sondern über hunderte, besser tausende. Sei ehrlich, das willst du doch gar nicht. Denn unter den tausend neuen Stammlesern sind hundert Trolle, die dich sabotieren wollen. Nicht, weil sie etwas gegen dich hätten, sondern nur aus der Lust des Destruktiven heraus. Und der Rest, der tatsächlich diskutieren will und andere Meinungen hat? Dem musst du dann antworten. Das ist doch gar nicht zu schaffen.

    Du solltest dich also nicht darüber „ärgern“, dass deine politischen Texte nicht so oft kommentiert werden. Das hat die oben genannten Gründe und hat nichts mit deren Qualität oder mangelndem Interesse zu tun. Und wenn es dich beruhigt, vor ein paar Monaten war ich in einer merkwürdigen Stimmung und bin tatsächlich die fünf Kilometer gelaufen, um zu schauen, was der Herr pantoufle so geschrieben hat. Gut, ich habe mir auch noch sixpack Bier besorgt, aber nur, weil ich eh schon in der Bar war. Dann ging ich ans Meer, setzte mich auf einen Stein und schaute auf den Atlantik. Genau mir gegenüber in ein paar tausend Kilometer Entfernung saß hundert Jahre zuvor der Hauptmann Dreyfuss auf seinem Felsen, schaute in meine Richtung und fragte: “Was will ich hier?”. „Eine Gute Frage, mon capitaine“, antwortete ich und prostete ihm zu. Gemeinsam haben wir dann lange nachgedacht und dabei das sixpack platt gemacht. Wahrscheinlich kann ich mich deswegen an die Antwort nicht mehr erinnern.

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    • OldFart sagt:

      Gut, reden wir über Trivia.

      > Luftschifferkapitänskommandobrücke

      Da ist noch Luft nach oben.

      Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG).

      Lief mir dieser Tage übern Weg, als es um Sanierungsbedarf bei der Bahn ging. Die Realität toppt alles.

      Und dürfte ich mal einen offensichtlich Konsequenten nach einer Auswanderungsempfehlung fragen? Ich suche.

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  15. Pantoufle sagt:

    Moin, Thelonious
    Den OldFart nehme ich gleich mal mit: Ja, ich mittlerweile ebenfalls. Im Geheimen und ganz leise hatte ich ja immer »Fahnenflucht« gemurmelt, aber ich bin mir mittlerweile sehr sicher, gar keine zu besitzen. Oder nur eine ganz kleine.
    Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
    Die Fahne schwebt mir weiß und schwarz voran;
    daß für die Freiheit meine Väter starben,
    das deuten, merkt es, meine Farben an.
    Und den Rest zitieren wir mal besser nicht. Das spare ich mir auf für das nächste Gedicht am Dienstag.
    Aber auch das wäre vermutlich einer dieser Scherze, die am Leser wieder vorbeigehen würden. Ob eine erhöhte Reichweite daran etwas ändern würde? Außer der statistischen Basis? Wohl nicht – die Schrottpresse ist ein kleines Blog und das ist auch gut so. Vergleicht man die Zahlen der Zugriffe auf einen Text mit denen der Kommentare, bekommt man das Gefühl, daß das Prinzip »Blog« ohnehin auf einem Mißverständnis beruht. Da ist die technische Möglichkeit einer Kommentarfunktion bestenfalls ein »nice to have«, keinesfalls aber Bedingung. Über Reichweite sagen solche Zahlen ohnehin wenig aus. Da ist es auf Blogs nicht anders als im richtigen Leben – entscheidend ist immer noch, wer etwas gesagt hat und nicht wieviele es nachplapperten (ööhhhhm!) Und deswegen wird die Schrottpresse auch ein politisierendes Blog bleiben, mit etwas Gartenzwerg, Flugzeugmodellen und Eisenbahn in H0. Weil es ja immer auch die Abbilder desjenigen sind, der es betreibt. Damenmoden und Ackerschlepper… das war schon eine ganz gute Wahl.

    Überhaupt: 1000km später auf dem Autobahnparkplatz im geschmeidigen Reisetrimm. Teilchenbeschleuniger schnurrt so problemlos, daß man eigentlich misstrauisch werden sollte. Und seit der Vergaserrevision schluckt sie nicht mehr als 7l, egal, wie sehr sie getreten wird. Trotz der Aerodynamik, die nicht gerade Rumplers Tropfenwagen folgt. Ich sehe mir morgen mal das Kerzenbild an. Überhaupt: Da sei mal schön vorsichtig, daß Sohn 2 die Reservelöcher nicht für eine leistungssteigernde Doppelzündung benutzt! Ein Segen, was als Fluch daherkam. Oder kennt er den Trick noch nicht? Das bringt mich überhaupt auf eine Idee. Blogs könnte man auch dazu verwenden, um innovative und goldbringende Ideen unters Volk zu schmeißen. Whatsapp im Auto: Was braucht die Welt mehr als Lenkräder, bei denen der Pralltopf durch eine Tastatur ersetzt wird… man kann ja eine mit Gummitasten nehmen… Der Screen wird via HUD (HeadUpDisplay) auf die Scheibe gespiegelt, dann haben die anderen im Stau auch was davon. Mann, auf den Zug hätte man schon viel früher aufspringen sollen!

    Über die Sinnlosigkeit meine politischen Botschaften bin ich mir allerdings im klaren. Das wurde mir bereits von kompetenter Stelle versichert: Daß ich sowieso zu doof wäre, daß ich beim Linksradikalen-Limbo immer schummeln würde und außerdem einen schlechten Geschmack habe.
    Hab ich gar nicht!
    Würde irgendwer meine Reichweite vergrößern wollen, fänden daß eventuell noch viel mehr Menschen heraus. Nein, ich ärgere mich nicht über die wenigen Kommentare in politischen Belangen. Da ist Deine Analyse über diese Art der Bloggerei schon ganz richtig. Ob dem gemeinen Grünenwähler allerdings wirklich klar ist, daß die Geschichte mit Kaspar und dem Krokodil gar nicht stimmt… ich weiß ja nicht! Wir haben hier so einen im Dorfe – Grün der ersten Stunde, hat mehr Solarzellen auf dem Dach als Haare am Schädel, erster Elektroauto-Besitzer im Umkreis von mindestens und ein Gewissen hat der! Sieben Tonnen schwer und ca. 3 Hektar Fläche. Wenn man ihn allerdings reden hört, glaubt man, im tiefsten Schwarzwald einen schwarzen – nein, nicht so einen… eher rechter Flügel CSU, vor sich zu haben. Eine Meinung hat er schon (und die ist gruselig), aber in allererster Linie hat er eines: Angst! Man glaubt ja gar nicht, wovor man heutzutage alles Angst haben muß! Ich mit all meinen Beschäftigungen bin ja praktisch schon tot, aber die ganzen Einbrüche, Verbrechen, Computerhacker und das um sich greifende Schlechte an sich, daß schreit doch nach dem starken Staat. Was wir brauchen, ist ein parlamentarisch legitimierter Faschismus, wenn ich das richtig verstanden habe. Und wir alle müssen aufpassen (also gleich noch Blockwarte dazu!) Und Biobohnen und scharrende Hühner. Auf die müssen wir auch aufpassen. Wenn ich das richtig verstehe, sind exakt das die Grünen, mit denen wir es in der Realität zu tun haben.

    Was wollte ich noch sagen? Also, daß jemand sein Sixpack 5km spazieren trägt, um mich zu lesen, ehrt mich sehr! Vielen Dank für diese körperliche Leistung. Die Bank, auf der Dreyfuss gesessen haben soll, ist ein schönes Bild. Ich habe auch so eine, das ist Teilchenbeschleuniger für mich. Als ich damals krank war und alle mir rieten, aus recycliertem Papier Schiffchen zu falten, damit meine motorischen Fähigkeiten trainiert würden, hatte ich nur einen einzigen Gedanken. Nach Mannheim (wo die Karre stand) und weiterfahren. Scheiß auf alle Papierschiffe und Traumfänger dieser Welt, ich wollte mein Exoskelett wieder vollständig haben. Daran denke ich eigentlich jedes Mal, wenn ich den Helm aufsetze. Es hilft bei der Beantwortung dieser Frage, ist ein gewichtiger Teil davon. Ein anderer Teil ist der Rock’n’Roll, weswegen mich Malcolms Tod berührt. Einer von denjenigen, von denen wir uns damals einen Part der Antwort erhofften: Was wollen wir hier?

    Luftschifferkapitänskommandobrücke down. Wie gerade zu erfahren ist, liegt die englische Luftblase Airlander 10 mal wieder darnieder.

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  16. Thelonious sagt:

    Hihi. Ein Tag der Abstürze. Nicht nur der Zeppellin, sondern auch Cem, Kretsche, Boris und Konsorten sind unsanft gelandet. Wie war das? Man muss auch jönne könne. Gern geschehen.

    Old fart, du Fuchs, du willst doch bloß wissen, wo mein Haus wohnt. Ein Empfehlung wohin kann ich dir nicht geben, weil ich dich ja gar nicht richtig kenne. Stell dir vor, ich empfehle dir die Kokosinseln und insgeheim bist du ein Anhänger der weißen Weihnacht. Du wirst ganz schön über mich fluchen. Außerdem bin ich kein Experte in punkto Auswanderung. Ich mache das zum ersten Mal. Und ob ich es richtig mache, wird erst die Zeit zeigen. Im Moment bin ich auch noch gar nicht weg, sondern dort eher ein Langzeittourist. Das wird auch so bleiben, solange Vater und Hund noch leben und Sohn 2 auf mich angewiesen ist. Drei Monate im Jahr dort und den Rest hier. So ist mein ungefährer Plan.

    Über die Hintergründe meiner Entscheidung und wie sich mein Leben dadurch geändert hat – hey, das ist pantoufles blog. Ich wäre ein schlechter Gast, wenn ich ihm sein Wohnzimmer mit meinen Geschichten zumülle. Aber damit deine Neugierde befriedigt wird: Sao Tome. Eine Insel vor Westafrika. Ziemlich genau am Äquator.

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    • OldFart sagt:

      > du willst doch bloß wissen, wo mein Haus wohnt.

      Keine Bange, ich stalke nicht. Ich suche nur eine lebenswerte Ecke. Und außerdem will ich sowieso eine Insel für mich alleine, damit ich für mich rumgranteln kann, ohne wem auf den Keks zu gehen. Oder alle anderen mir.

      Hmm. Vor Westafrika kannte ich bisher nur die Kapverden. Wieder was gelernt. Danke.

      Genieß den Langzeiturlaub und die Sixpacks.

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  17. Pantoufle sagt:

    Moin, derdilettant

    Ich muß gestehen, daß ich mich schon sehr lange nicht mehr über einen Kommentar dermaßen geärgert habe. Ich werde versuchen, daß halbwegs organisiert zu begründen. In medias res:

    Fernsehfiguren müssen keinem vorbildhaften Verhalten folgen und agieren unter rein dramaturgischen Gesichtspunkten? Eine interessante Theorie. Durch das Einfügen von Eheproblemen, Kindern, Abtreibungen, politischen Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Untergebenen oder Bezüge zu aktuellen Ereignissen werden in besagten Produktionen allerdings sehr wohl solche Themen angeschnitten. Das sind dramaturgische Funktionen, die in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus eine Rolle spielen. Ich erinnere da nur an diese unsägliche Figur des Nick Tschiller. Schimansky ist geradezu ein Synonym für ein aggresives Verhalten von Polizisten geworden.

    Meine »offensichtlichen Vorbehalte gegenüber einer gewissen Ernährung oder Lebensweise[n] (“Biokarotte”)« gefallen Dir nicht? Macht nichts. Mir gefallen Menschen nicht, die aus ihren Ernährungsgewohnheiten eine Religion machen. Und ich kann Dir auch sagen, warum. Diese Ersatzreligion geht einher mit einer völligen Entpolitisierung der Debatte. Da kommen ein paar Dinge zusammen, die mir sauer aufstoßen.
    Zum einen die Moralapostel-Mentalität, mit der man konfrontiert wird. Zu früheren Zeiten wurde Kontrolle über Ethik, Moral und Anstand Institutionen wie Kirche, Philosophen oder Staat übertragen. Da war sie im Grunde auch gut aufgehoben. Wer dagegen verstieß, verstieß gegen das System. Es gehörte also etwas Chuzpe dazu. Diese Institutionen wurden aber ausgelagert (privatisiert, wenn Du so willst). Diese ordnenden Elemente wurden gegen eine Blockwart-Mentalität eingetauscht, die den Blockwarten das Gefühl gibt, politische Macht zu besitzen, während man ihnen genau diese entzieht. Eine Empöria aus desillusionierten Hausfrauen kann jeden gestandenen Bürgermeister stürzen, jeden Politiker, der sich den selbstgestrickten Idealen einer gelangweilten Masse verweigert. Mag der noch so klug und gebildet sein: Wenn die Graswurzeln an seinem Thron wackeln, ist er verloren. Ein Mittel übrigens, daß auch gerne von ganz irdischen Kräften und dem politischen Gegner ausgenutzt wird. Hier ein Leserbrief, dort ein Kommentar, da etwas auf Twitter und der Typ kann einpacken. Es fragt ja niemand, woher das Gerücht stammt. Dazu müßte man lesen und schreiben können. Die Debatte wird nach einiger Zeit auf sinn- und bezugslose Schlagworte wie »Tierleid« oder »Arbeitsplätze« reduziert… vielleicht merkst Du schon: es findet von beiden Seiten aus statt. Zu einer tatsächlich inhaltlichen Diskussion kommt es in beiden Fällen nicht mehr. Kann es nicht und soll es auch nicht.
    Es ist das gesellschaftlich arrivierte Prinzip einer argumentationslosen Auseinandersetzung, bei der es nur noch um Aufmerksamkeit geht, nicht um Inhalte.

    Weiter im Text: Ich lebe auf dem Land, fresse auch Biokarotten, die meiner Meinung nach besser schmecken als die aus einem Gemüse-KZ aus Holland. In der Nachbarschaft wohnen Leute, die sich dem biologischen Anbau von Lebensmitteln oder artgerechter Tierhaltung verschrieben haben. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals etwas Abfälliges über deren Lebensgewohnheiten geschrieben zu haben. Wenn ja: Wo bitte?

    Zum Hunderttausendesten Male auf der Schrottpresse: Wenn die Kritik an Fast-Food, Bildungssystem, scheinreligiösen Heilmethoden oder Umweltschutz nicht mit einer massiven Kritik am Kapitalismus an sich einhergeht, ist sie völlig substanzlos. G.E.G.E.N.S.T.A.N.D.S.L.O.S.
    Das ist eben der Unterschied zwischen Petra Kelly und Cem Özdemir. Die Biokarotte ist nicht moralisch einwandfrei – es gibt sie gar nicht, sie ist keine Einstellung; bestenfalls ein Placebo, um besser einzuschlafen. Gesellschaftlicher Nutzen: NULL! Während über solche Kinkerlitzchen in deutschen Mütter-Cafés lamentiert wird, verrecken in Libyen zehntausende Flüchtlinge an Unterernährung und Misshandlungen in Konzentrationslagern . Ich könnte…
    lassen wir das.

    Thema Verkehr: »Die technische Entwicklung fragt nicht danach…« Lesen. Denken. Schreiben. »jegliches Gefühl für Aufwand und Gefahrenpotential wegtechnisiert« und »die Durststrecke währt bis zur flächendeckenden Einführung des betreuten Fahrens.« Der Widerspruch fällt aber schon auf, oder? Ich meine damit den, der umgehend ins Auge fällt.
    Für den tieferen Widerspruch freilich müßte man sich etwas mit der Materie beschäftigen. Angefangen bei der Domestizierung der ersten Reittiere wie Pferden und Kamelen. Bei denen ging es nicht um Unfallsicherheit. Klingt komisch, ist aber so. Es ging um ein ganz fundamentales Bedürfnis des Menschen – es hatte etwas mit Freiheit zu tun. An dieser grundsätzliche Inkaufnahme eines Risikos konnte auch der Erfinder dieser Freiheit vom Fließband, Henry Ford, nichts ändern. Man kann vom Pferd fallen, man kann… (wer sagt Dir eigentlich, daß ich noch nie einen Unfall hatte?)
    »Dagegen nützen keine Appelle«. Was für ein kurzsichtiger Schwachsinn! Natürlich gibt es in einer gewaltlosen Gesellschaft weniger »Unfälle«, aus dem schlichten Grunde, daß eine von Kindesbeinen anerzogene Gewaltlosigkeit und Verantwortungsbewußtsein die Menschen anders handeln läßt. Natürlich keine Appelle, sondern ein kollektives, gesellschaftliches Wollen und Handeln.
    »Die Durststrecke währt bis zur flächendeckenden Einführung des betreuten Fahrens.« Sag mal, weißt Du eigentlich, wem Du da das Wort redest? Von den Problemen der IT mal ganz abgesehen… darf ein Audi im Zweifelsfall einen Mercedes abschießen, wenn es die Situation erfordert? Ist ein alter Mann weniger wert als eine Mutter mit Kind (die sind ja nicht alle gesteuert) oder hält das Fahrzeug, wenn am Straßenrand etwas stattfindet, was jeden Menschen zum überlegen bringen würde, Hilfe zu leisten?

    Man fordert – und anders empfinde ich das von Dir nicht – das Gewissen von Menschen an Maschinen zu delegieren. Zu dumm und zu denkfaul für eine angemessene Bildungspolitik – wir lagern das Problem mal an Toyota und BMW aus. Die Elektronik wird’s schon richten. Die sind zwar zu dämlich, ein Mobil-Telephon zu bauen, was länger als ein Jahr funktioniert, aber die ethische Entscheidung über Leben und Tod werden sie schon hinbekommen.

    Mal abgesehen davon, daß man sich dann keine 100m weit bewegen kann, ohne daß die Datensammler das nicht protokollieren. Ach, das werden sie nicht? Wie naiv muß man sein, um diese Gefahr nicht zu begreifen?
    Oder gehörst Du zu dieser Spezies, die nichts zu verbergen hat?

    Entschuldige diesen Rant. Aber das geht bis ins Detail gegen alles, woran ich glaube.

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    • derdilettant sagt:

      Lieber Pantoufle, dies ist dein Blog, ich habe mir erlaubt zu kommentieren, und wenn der Kommentar dich erregt wie lange keiner mehr, dann finde ich ja schon mal prima, dass du dennoch ausführlich antwortest. Allerdings verstehe ich den Grund deines Ärgers nicht. Ich für meinen Teil bin mit den meisten deiner Analysen absolut einverstanden, und sehe den grundsätzlichen Widerspruch zu meinen Ausführungen gar nicht. “Biokarotte”: wo schreibe ich denn, dass ich Ökosektierer oder wie auch immer man sie nennen möchte gut finde? Die von dir angemahnten kapitalistischen Zusammenhänge würde ich niemals in Abrede stellen, ich sah schlicht keinen Zusammenhang zwischen einer sich auf biologisch etikettierte Lebensmittel konzentrierender Ernährungsweise und Handynutzung beim Autofahren. Das kommt, meiner Einschätzung nach, nämlich in allen Milieus vor. Desweiteren wies ich auf einen m. E. eklatanten Zusammenhang zwischen Fahrverhalten und technologischer Entwicklung der modernen Fahrkabinen in Richtung abgeschotteter Komfortzone hin. Eine Entwicklung, die zwar auch weiterentwickelten Sicherheitsstandards geschuldet ist (Airbag), vor allem aber Kaufentscheidungen beeinflussen soll, sprich das Auto attraktiver machen soll. Das entschuldigt kein asoziales Fahrverhalten, ist aber Ausdruck einer strukturellen Veränderung, die die Menschen zunehmend überfordert. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Weiter: wie kommst du darauf, ich hätte behauptet, du hättest noch nie einen Unfall gehabt?? Wie gesagt: Apelle nützen nix (das schreibst du ja übrigens selber), und dein Hinweis auf das Reiten ist gar nicht schlecht: in der kurzen Zeitspanne, in der der Mensch vom Reiter zum Insassen eines modernen Autocockpits wurde, hatte er im Grunde keine Chance, die dafür wirklich notwendigen Fähigkeiten zu erlernen. (wie gesagt: Straßenverkehrstote gibt es seit Auto gefahren wird). Durch die dem Kapitalismus innewohnende Zuspitzung des Marktes in Richtung immer extremerer Konkurrenz werden die Autos de facto gefährlicher (schwerer, leistungsstärker etc.), ohne dass die dafür erforderlichen Sensibilitäten und Fähigkeiten mitwüchsen. “Betreutes”Fahren: Da sehe ich eine ganz klare Entwicklung. Ob ich, wir oder überhaupt irgendwer das will oder nicht. Woraus genau schließt du aber, dass ich dieser Entwicklung das Wort rede? Glaubst du im Ernst, mir wären alle von dir aufgezeigten Punkte nicht klar? Tut mir leid, dass auch hier ein gewisser Sarkassmus nicht rüber kommt, hätte ich anders formulieren müssen. Ich versuch’s nochmal: In Sachen Zukunft unserer sich immer weiter durchdigitalisierenden Welt sehe ich total schwarz. Ich fürchte, die immer stärkere Überwachung w i r d kommen, ein gewisses Maß an Freiheit – insbesondere auch der Individualverkehr wie er sich in den letzten 50 Jahren entwickelt hat – w i r d der Vergangenheit angehören, und vor diesem Hintergrund werden dann tatsächlich Unfälle in dem Ausmaßwie wir sie jetzt haben, zurückgehen. Ergo: freuen wir uns w e n i g s te n s darauf. So wars gemeint. Und jetzt sag ich noch was persönliches, auch wenn ich das nicht vor hatte, sondern lediglich erschrocken bin über das Ausmaß, in dem meine Formulierungen offenbar unklar bis missverständlich waren: mein kleiner Bruder wurde von einem Autofahrer totgefahren, zu einer Zeit, als es noch keine Handys gab. peace.

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      • Pantoufle sagt:

        Schön, daß Du darauf antwortest. Natürlich darfst Du hier jederzeit und sehr gerne kommentieren – mit der Maßgabe, daß ich mich gelegentlich über einige Formulierungen oder Gedankengänge (maßlos) aufrege. Schön, daß Du’s mit der nötigen Gelassenheit siehst 😀

        Und das mit Deinem Bruder tut mir ehrlich ganz furchtbar leid! Und ja: Es ist mein Wohnzimmer, in dem aber durchaus kontrovers diskutiert werden kann und soll.

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