Da schwimmen noch mehrere Leichen im Landwehrkanal,

aber das Bundesinnenministerium besteht weiterhin auf Schwimmflügel für Bleienten. Etwas zu surreal? Das kommt auf den Standpunkt an: Es ist etwa so surreal wie die Kampagne „Vermisst“, in der vor den Gefahren magersüchtiger Muslime gewarnt wird – die werden nämlich alle zu Terroristen.

Wie bitte? Das ist ihnen auch zu surreal?

Na, dann versuchen sie es doch bitte einmal damit: Mit der an Dummheit durch nichts mehr zu überbietenden Kampagne „Vermisst“ versucht H.P. „Schredder“ Friedrich (cSU), die Radikalisierung junger Muslime in Deutschland zu verhindern. Mit hanebüchenen Argumenten, Vorurteilen aus der Zeit der Türkenkriege und selbstgestrickter Anti-Terrorpädagogik wird dort versucht, der Radikalisierung junger muslimischer Menschen ein entschiedenes „öhhh – vielleicht besser nicht“ entgegenzuschleudern. Vorzugsweise wird dabei an den lieben Nachbarn appelliert, der „ungewöhnliches Verhalten“ (im Sinne des Bundesinnenministeriums) unverzüglich an vertrauenswürdige Stellen wie den Verfassungsschutz weitergeben soll. In längst vergessenen Zeiten nannte man das Blockwart, später informeller Mitarbeiter – seit neustem V-Mann.
Die geplante Plakataktion hierfür wurde Aufgrund allgemeiner Proteste gestoppt – der Ausweg Friedrichs und seiner Schergen besteht nun darin, die Plakate auf Postkartengröße zu schrumpfen und trotz aller Kritik an den Muslim und seine Muslima zu bringen.

So, und wer auf der Suche nach einer Steigerung des Wortes „Zynismus“ war, wird genau an dieser Stelle fündig.
Man hat besagte Postkarten verteilt. Und zwar in Köln. In der Keupstraße.
Na, klingelt da was?
Ja, genau! Stimmt!

Das ist genau da, wo 2004 die Mörder des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes eine Nagelbombe zündeten und 22 Menschen zum Teil schwer verletzten.

Nur zur Erinnerung: Aktenvernichtung oder ihre Geheimhaltung, Polizisten beim Ku-Klux-Klan, Leiter von Verfassungsschutzbehörden verkleidet als Kriegsverbrecher, Ermittlungen mit Hilfe von Wahrsagern. Das ganze Panoptikum dieser Karikatur von Ermittlungsbehörden.
Von den Mördern und ihren vielen, vielen Helfern sitzt exakt eine (1) Person in Haft.

Und genau da, wo die rechtsradikalen Mörder ungestört und unermittelt zuschlagen konnten, verteilt man Zettel gegen die Radikalisierung.

Zur Entspannung ein surrealistisches Gedicht von Kurt Schwitters

Das Urgebet der Scholle

Schale
Schiller
Schale
Schule Schule Schule uhle
Scholle Scholle Scholle rolle
Schale Schale Schale scheele
mahle mahle mahle Mehl
male male male Malerei
alle alle alle allerlei

Klingt logisch, oder?

Misik zu diesem Thema : LINK
Die ursprüngliche Nachricht auf SpOn

Update

Das Bundesinnenministerium bleibt auch nach dem PR-Desaster in der Keupstrasse bei seiner Entscheidung, die sogenannte „Anti-Fanatismus-Aktion“ in Köln weiterzuführen. Details dazu (leider recht mager) bei Radio Köln.

Etwas mehr gibt es hier: MIGAZIN

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Die Vokabel „unsensibel“, die man dem BIM zugute hält, trifft es nicht im Ansatz. Das hier ist blanker Zynismus.
Ein Zynismus, der sich offensichtlich  darauf verlassen kann, daß sich die Sensibilität von Publikum und Presse auf einem unerreicht niedrigen Niveau bewegt. Man ist sich scheinbar einig darüber, daß mit der Trauerfeier um die NSU-Opfer das Thema endgültig zu den Akten gelegt wird.

Wie heißt es doch so schön? Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

Noch ein

Update II

Wie jetzt? Keine Reaktion? Nichts? Tagesschau.de? Deutschlandfunk? Kommentare hier? Leider nein: komplette Fehlanzeige. Wahrscheinlich bin ich es, der halluziniert – die Geisterfahrer sind all diejenigen, die mir auf der Fahrbahn entgegenkommen.

Statt dessen – gar nicht soweit von diesem Tatort entfernt, tötet ein Mensch eine Sachberarbeiterin in einem Jobcenter. Die Keupstrasse liegt 10 Autominuten von Köln-Neuss entfernt. Das ist die Schlagzeile! Ja, was soll ich dazu noch sagen? Wahrscheinlich hätte man die Entradikalisierungs-Postkarten woanders verteilen sollen. Die Gefahren des  Islamismus scheinen etwas überbewertet. Terrorgefahr durch Hartz IV? Herr Friedrich: Ihr Einsatz bitte!

Na gut… ist ja schon in Ordnung. Ich schlafe dann mal weiter.

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0 Kommentare zu Da schwimmen noch mehrere Leichen im Landwehrkanal,

  1. pantoufle sagt:

    Ähh – ja: Heute Abend ist Surrealismus. Der Link ging in Dein Inneres, zur Seele und nicht zur URL. Das machen Dadaisten so.
    Glaub ich.
    Aber weil Du`s bist…
    Jetzt mit konventionellem Link.
    Danke

    0
  2. da]v[ax sagt:

    Ach du Scheiße. Das ist wirklich an Dummdreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Au weia!

    0
  3. email sagt:

    wer diese verbrecherbande noch wählt, muss doch total krank sein.

    0

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