Da bleibt einem die Luft weg

konsequenz

Natürlich! Darauf angesprochen, vermute ich eine Menge Leute, die behaupten,  es gleich gewußt zu haben. Die Redaktion der Schrottpresse gehört nicht dazu.

Was haben »Spitzenpolitiker« mit Internettrollen gemeinsam? Wenn man sie auf das festnagelt, was sie aus den Kommunikationsöffnungen ihrer entkernten Murmeln zwischen den Schultern von sich geben, kneifen sie. Boris Johnson, Kosmologelei, Nigel Farage, PI,  Herr Karl, Cameron, der Honigmann: Eine Soße, ein Abwasch – hier entfällt die Mülltrennung ersatzlos.

Aber das ist jetzt wirklich irre! Nigel Farage (UKIP), dessen erklärtes Ziel angeblich immer schon der Brexit gewesen ist, verpisst sich ohne Angabe von Postfach und neuer Adresse. Sein Gesinnungsgenosse Boris Johnson wurde wenigstens gegangen, er nachdem er seine Aufgabe als unappetitliches Maskottchen der Bewegung Brexit erfüllt hatte (oder behauptet jemand im Ernst, man hätte nicht gewußt, wen man da auf das Thema losläßt?) Der Widersacher Cameron warf das Handtuch, nachdem er endlich selber einsah, daß er nicht den Hauch von Format besaß. Aber Farage… ?
»Ich will mein Leben zurück«, so lautet seine wenig originelle Erklärung. Es gab Zeiten, da wäre man für so einen Satz in dieser Situation vorm Peloton gelandet. Ob es nun bessere Zeiten waren, sei dahingestellt, aber es gab sie. Man wünscht sie sich zurück!

Ob die sogenannten Populisten noch schlimmer trollen als die vermeintlichen Realpolitiker, ist offen. Als Wolfgang Schäuble trollt es sich aus überlegener Position natürlich besser, als Sigmar Gabriel… [Oh nein! Bitte! Nicht schon wieder den! Der Säzzer. Danke!]

»Wenn Ihnen (Sir Bob) Geldof sagt, daß die ältere Generation bei der Abstimmung, die EU zu verlassen, “Ihre Zukunft gestohlen” hat, habe ich Angst, daß es zu viele gibt, die das immer noch glauben. Es ist Zeit diesen Unsinn zu beenden. Es war falsch von der Regierung, der Öffentlichkeit eine binäre Wahl zur EU anzubieten, ohne bereit zu sein – für den Fall, daß die Menschen mit »leave« gestimmt hätten – zu erklären, wie man im Interesse von Großbritannien und Europa weiter zusammenarbeiten kann. Wir können nicht bis Mitte September und auf eine neue Zeit warten. Wir brauchen eine klare Aussage,[…]«

Boris Johnson bei the Telegraph

Johnson wird diese Antworten nicht mehr liefern. Nigel Farage fordert gleich einen neuen Premierminister, der aus dem Lager der Befürworter kommt. Fordert? Man sollte es nicht für möglich halten! Zu faul und zu dämlich, die eigene Kotze aus dem Flur zu wischen. Aber saufen: Das können sie alle!

Von Frauke Petry über Le Pen zu Lutz Bachmann. Da stehen die erbärmlichen Blaupausen für die nächste Runde. Kostproben ihrer Niedrigkeit haben genügend von sich gegeben: Sage also niemand, es hätte ihn überrascht.

Ich weiß, ich weiß! Das schreiben die anderen auch alle.

solong
Screenshot Independent

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9 Kommentare zu Da bleibt einem die Luft weg

  1. ninjaturkey sagt:

    Spannend ist ja die Tatsache (!!!) dass eigentlich kein Brexit weit und breit zu sehen ist, der ohnehin allenfalls frühestens Ende 2018 in Kraft treten könnte – wenn überhaupt. Nichtsdestoweniger wird schon mal ohne Cameron konferiert, Kurse schwanken, die Presse menetekelt was das Zeug hält und die EU beeilt sich derweil, Spanien und Portugal auf Linie zu prügeln und nebenbei ein paar vorbereitete Pläne (Zentralregierung, Aufrüstung und sonstigen Demokratieabbau) an den Start zu bringen.

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  2. pantoufle sagt:

    Moin Ninjaturkey

    Was soll groß passieren? Liam Fox, britischer Ex-Verteidigungsminister und führender Brexit-Befürworter, spricht über ein Ausscheiden am 1.1. 2019. Viel Zeit also für Plan B. Bis nach der Wahl des Cameron-Nachfolgers (frühestens Oktober) haben die Briten ja nicht einmal eine funktionierende Regierung (ob sie danach eine haben werden, ist eine andere Frage). Also erst einmal das desaströse Ergebnis der heimischen Elf bei der EM verdauen. Außerdem lagen die englischen Buchmacher bei der letzten Trendbestimmung völlig daneben. Wie also jetzt Volkes Stimmung erfahren? Das Volk denkt – vertraut man den in Umlauf befindlichen Gemeinheiten -, daß England als nächstes entweder von einer semiautistischen Diabetikerin (Theresa May), einem psychopathischen Verräter (Michael Gove) oder einer opportunistischen Anfängerin (Andrea Leadsom) regiert wird (FAZ).
    Jede Menge Auswahl also.

    Der Anwärter auf das Amt des Premier wird sich unter anderem auch daran messen lassen müssen, was Schottland und Irland zu seinem noch zu verkündeten Standpunkt des Brexit sagen werden. Brexit und weiter so ist dabei keine Option. Das Problem hat Johnson schon richtig formuliert: Die »binäre« Fragestellung beantwortet streng genommen gar nichts. Es gibt mehrere Arten aus der EU auszusteigen und trotzdem ein Teil davon zu sein. Norwegen und die Schweiz machen das schließlich auch. Nur: Das wollen die meisten Brexit-Befürworter wiederum auch nicht.

    Die Hauptargumente für den Ausstieg haben sich kaum 12 Stunden nach Schließung der Wahllokale als stumpfe Lügen erwiesen, die Verantwortlichen in alle Winde zerstoben und ein paar Millionen Menschen wollen noch mal wählen.
    Das wäre zwar peinlich wie Österreich, aber technisch möglich! Und man würde gleichzeitig Schottland und Irland beruhigen. Die EU-Bonzen würden die Kröte widerwillig, aber letztlich schlucken. Im Gegenzug zur Streichung einiger Sondervereinbarungen zwischen London und Brüssel, versteht sich!
    Klingt also gar nicht so schlecht.

    Die andere Version hieße Nordkorea. Aber allein der Gedanke an einen Alleingang Englands ist so absurd, daß ihn auch kein fanatisierter Befürworter des Ausstiegs denken wird. Und auch die USA haben die Bitte, der 51 Staat zu werden, bereits abgewunken.
    Man muß mit Europa – ob es ihnen passt oder nicht.
    Stellt sich die EU aber quer, könnte das ein ziemlich teures Vergnügen für die Briten werden.
    Man hat bis jetzt eine Pumuckelvariante des Ausstiegs in den Raum gestellt, von der man sich möglichst schnell verabschieden sollte. Den gibt es einfach nicht, nicht im 21. Jahrhundert.

    Ausweg Steueroase: Der Schatzkanzler George Osborne will England zum Paradies für Steuerflüchtlinge machen. Auf diese 50er Jahre-Idee muß man erst einmal kommen! (Link via R@iner)

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  3. Ich könnte mir vorstellen, dass im Wahlkampf im Herbst ein Kandidat mit der Ansage auftritt: “Wenn ihr mich wählt, werde ich das Referendum nicht umsetzen.” Ist ja schließlich nur eine Empfehlung an Regierung und Parlament gewesen. So macht man die Wahl zu einem zweiten Referendum und könnte nochmal aus der Nummer rauskommen. Wäre schön, wenn Labour auf diese Idee kommen würde.

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    • R@iner sagt:

      Ich halte es in der Frage mit Burks.

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    • pantoufle sagt:

      @Matthias
      Tut er es nicht wenigstens verklausuliert, bekommt er Ärger mit den Schotten und Iren

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      • Wieso? Den Schotten und den Iren könnte doch nichts besseres passieren als ein Kandidat, der gegen den Brexit ist. Nordirland darf nicht aus dem VK austreten, das hat Westminster ganz klar gesagt; Schottland hat die Unabhängigkeit im Referendum abgelehnt. Also wäre es für beide besser, alles bliebe beim alten.

        Die Herrschenden im VK sind offenbar gegen den Brexit – für die entsprechende Wahlkampffinanzierung wäre also gesorgt ;o)

        Die britische Abstimmung wird vermutlich genauso entsorgt wie die griechische. Und niemand wird jemals wieder so blöd sein und die Bevölkerung mitregieren lassen.

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  4. pantoufle sagt:

    Halb OT: »In bestimmten Fällen kann das auch dazu führen, daß Gelder, die eigentlich der Entwicklungshilfe zugutekommen sollen, an Armeen und Streitkräfte fließen.«
    »Die Partnerländer der EU müssten selbst in der Lage sein, auf Herausforderungen wie Extremismus und Terrorismus zu reagieren«.
    Ich fürchte, fefe hat schon ganz recht. Sie sagen es sogar ganz deutlich: Erhöhung und Förderung der Rüstungsausgaben wegen Extremismus. Armee statt Armut? Armee gegen Armut? Wenn das jetzt die große Transparenz- und Demokratieoffensive der EU als Reaktion auf den Brexit sein soll, habe ich wohl etwas nicht ganz verstanden.

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