Brehm

Werbung0110Ach, wieder mal nahe der Heimat und das wegen Xavier Naidoo. Auf je 10 Gäste eine Imbissbude. Bier, Geschnetzeltes, Pommes mit Döner und natürlich Bier. Das gute Becks vom Fass. Nein, das Fescht war gut besucht und es waren dann schon mehr als 10.000 Gäste. Jedermann ist eingeladen nachzurechnen, warum dabei jede Akustik-Simulation der Beschallungs-anlage aufgrund der Anzahl der Budiken-dächer zur Makulatur werden läßt.

Die gemeine Bremerin ist ja eine schöne Frau und so war es eine Augenweide auf der Bürgerweide. Trotz Sturz- Niesel- und Dauerregen. Merke: Die Hanseatin ist auch in der Plastiktüte verführerisch!

Eine andere schöne Frau regte sich in der Lobby des Hotels über Motorradfahrer auf, die sich ihrer Meinung nach zu schnell, respektive zu aufdringlich ihrem Panda-Auto genähert hatten. »Was kann man da nur machen?« Pantoufle ist natürlich gleich ganz Rat und Trost.
»Gnädigste: Schneller fahren oder gleich rechts ran und anhalten!«
Irritierte Blicke flehen nach Aufklärung.
»Können Sie eigentlich, gnädige Frau, ruhig bei dem Gedanken schlafen, daß Sie vielleicht einem aussichtsreichen Kandidaten durch Ihre unsportliche Fahrweise wertvolle Punkte in der Meisterschaft gekostet haben? Fußgänger und Halter von motorisierten Rollstühlen haben auf der Piste nichts verloren. Sie sind eine Gefahr für sich und die anderen Teilnehmer des Rennens – muß ich Ihnen das wirklich im Detail erläutern?

Und wenn man von der Rennleitung schon als rollende Schikane engagiert wurde, dann verhalten Sie sich, Gnädigste, auch bitte so! Immer mit konstantem Tempo in einer vorhersehbaren Linie schleichen, um allen Fahrern die selben Voraussetzungen im Wettbewerb zu bieten. Keine Alleingänge, endorphingesteuerten Überholvorgänge und parken Sie vor allem nicht auf der Ideallinie!«

»Hä?«

Bei einigen Kandidaten ist wirklich Hopfen und Malz verloren.

Das Hotel aber war von besonderer- und die Güte selbst und nierentischförmig. Das kleine Apartment eine Straße weiter wäre die Möglichkeit, das Motorrad direkt vorm Fenster zu parken und böte auch einen Aschenbecher. Die Welt ist bekanntlich schlecht und der Dieb nahe – wovor mein Eisenhaufen und ich wenig Angst haben. Aber trotzdem: Nett ist es schon! »Mein Mann war ja eben gerade mit seiner Enfield da…« was ihn adelt, auch weil es übermenschliche Mühen kostet, dieses Gefährt in einen wettbewerbsfähigen Zustand zu versetzen.
Das erste Haus am Platze ist nahe dem Friedhof und so sieht es auch aus. Das Publikum im Restaurant in kleidsamen Schwarz, auch wenn es den Trägern offensichtlich eine ungewohnte Farbe ist. Das Personal… nun ja: noch nicht auf dem Friedhof, aber das, was man in dieser Gegend als »tüddelich« bezeichnet, ausgerüstet mit losem Mundwerk und einem großen Herzen. Jede Geste ein Willkommen.

Der Sturz eines Behälters mit Cerealien vom Frühstücksbuffet sperrt der Herde den Zugang zum Futter. Der Besen versagt. »Geben Sie mir doch mal einen Handfeger, bitte!« Pantoufle will helfen, darf aber nicht. Nein, man würde diesen Problems schon selber Herr. Offensichtlich nicht. Die Stunde des Vorwerk Kobold ist gekommen. Oder ist es die Vampyrette? Keine Ahnung. Meine Bildung in antiken Staubsaugern bedarf dringend der Nachschulung. »Den Beutel habe ich gerade geleert!« Das ist bemerkenswert und muß eine heroische Tat gewesen sein. Die Größe solcher Staubbeutel kennt Pantoufle nur aus Bildern des Vietnamkrieges, wenn sich solche Säcke vor amerikanischen Flugzeugträgern zum Rücktransport in heimische Erde stapelten.
Ein Vorwerk kann es nicht gewesen sein. Der hätte das mit links…, auch wenn er in den 60er Jahren seinen Geburtstag gefeiert hat. Jetzt also doch das Kehrblech. »Hab ich doch gleich gesagt! Und wenn das Malheur beseitigt ist, dann passen Sie mal auf, wie die da drüben das Buffet stürmen werden.« Die Angesprochenen pressen sich in ihre Startlöcher, der letzte Krümel ist verschwunden und die beiden netten älteren Reinigungs-Damen können nur mit Mühe und dem klingelnden Geräusch der künstlichen Hüftgelenke beiseite springen.
»Hab ich doch gleich gesagt!«

Die waren nicht von hier.

Auf der Rückfahrt bleibt beim Überholmanöver der Motor stehen. Super! Danke Yamaha! Nieselregen und die Standspur einer Autobahnauffahrt. Sitzbank und Tank runter und die Zündung eingeschaltet. Immer das Selbe: Die Benzinpumpe pumpt Luft. Der in Plastik gepresste Absperrhahn unter dem Tank kennt zwei Zustände: Geschlossen und meistens offen. Mit dem 8er Schlüssel das Ventil ein paar Male hin- und herbewegt und das Scheißteil ist erst mal wieder vermutlich offen. »Brrrröög, Brrrrög, Brrrrrrg, brrrg, brrg, brg…klong!«, sagt die Pumpe. O.k.: Erst mal wieder offen. Bei der nächsten Revision fliegt das Teil ersatzlos auf den Müll, soviel ist schon mal sicher.

Doch, es war ein nettes Wochenende. Ohne Internet. »Ja, das mit diesem Internet: Bei gutem Wetter hat man gelegentlich Empfang da drüben. Aber leider nicht immer. Jetzt ist der Sommer ja zu Ende und das Wetter… Nun ja!«
Es ist Herbst in Brehm.

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0 Kommentare zu Brehm

  1. piet sagt:

    Das hat mir im letzten Jahr dann doch einen Stich versetzt, als ich dem treuen Vorwerkvertreter bei seinem letzten Besuch bei meiner dahinschwindenen Mutter verklickern mußte, daß hier nichts mehr an die Frau zu bringen sei wegen baldigen Ablebens. Ich versuchte ihn damit zu trösten, daß es aber noch nie bessere Saugapparate als die seines Lehnsherrn auf dem Erdenrund gegeben hätte und toi,toi,toi. Es war aber trotzdem irgendwie doppelt traurig. Der Vorwerksauger lebt nun bei der Schwägerin und wenn mein Möchtegern hier den Geist aufgibt, dann werde vielleicht auch ich wieder Teil der Vorwerkfamilie.

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    • pantoufle sagt:

      Der Vorwerk und seine fleischgewordenen Wanderkataloge ist ein Thema der BRD, das noch der Aufarbeitung harrt. Eigentümlicherweise hatten die Vertreter dieser gehobenen Volkssauger niemals das Air von Bürsten- , Versicherungs- oder Religionsverkäufern (»Wir haben eine gute Botschaft für Sie!!« »Ach nein, dann doch lieber die Unfallversicherung«)
      Vergleichbar bestenfalls noch mit Tupperware, wobei das einem anderen Konzept folgt. Erinnert sich jemand noch an die Avon-Beraterin? Handelsreisende nannte man das, glaube ich. Die soziale Spitze dieses Eisbergs ist untrennbar mit dem Sauger verbunden.

      Den Opel in der Garage und den Vorwerk für die Stube: Bundesdeutsche Familienmitglieder. Der Berater für den Sauger tritt auch bei uns hin- und wieder noch auf. Meine Frau berichtet mir dann immer ganz stolz davon und das der Herr (Vorwerk gendert nicht!) Vorwerk einen besonders guten Kaffee bekommen hat. Mit Kuchen. Irgendwann – wenn bei uns der Reichtum ausgebrochen ist – kauft sie dann auch. Solange aber wartet sie auf eine unverhoffte Erbschaft.

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  2. Stony sagt:

    «Die Hanseatin ist auch in der Plastiktüte verführerisch!»

    So geht (Damen-)Mode-Bloggen!

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    • pantoufle sagt:

      Ja, auch hier noch eine echte Lücke im Unterhaltungsangebot der Schrottpresse: Ich bin mir dieses Mangels durchaus bewußt!

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      • Stony sagt:

        Nein, kein subtiler Vorwurf!
        Aber wenn wir schon mal dabei sind:
        Eine Lücke – wenn man eine solche überhaupt konstatieren wollte -, die durch ‘Häppchen’ wie die obige eine Erwartungshaltung weckt, welche…
        Nein, schlimmschlimmschlimm!

        Ein wenig “Motivation” gefällig?

        »fail with consequence
        lose with eloquence
        and smile«

        😛

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  3. waswegmuss sagt:

    Oh Wanderer kommst du in den Opelzoo. Handverkorkst wird dort regelmäßig nachgespielt. Ebenda weil.

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  4. tikerscherk sagt:

    Schön finde ich ja, dass in Deiner Kategorien- und Stichwortwolke Benzin direkt hinter Angela Merkel steht und Rock´n´Roll direkt vor Schäuble. Des taugt ma.

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    • pantoufle sagt:

      Die unterschiedliche Schriftgröße zeigt aber auch, wo meine Präferenzen liegen (auch wenn ich keinen Einfluß auf die Darstellung direkt habe.)
      Guten Morgen Nachbarin: Schöne Bilder hast Du da neuerdings auf Deinem Blog. Vermutlich, um mich daran zu erinnern, endlich etwas über Damenmoden zu schreiben. Stony drängelt da auch schon. Oder über Erotik; auch das fehlt hier bislang. Jetzt habe ich auch erst mal wieder ein wenig Zeit.

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  5. tikerscherk sagt:

    Endlich ein Mann, der die, sich in winzigen Andeutungen zeigenden, verschlungenen Wege einer Frauenseele folgen und sie treffsicher lesen und interpretieren kann.
    Ja, schreib doch bitte etwas über Damenmode und Erotik! Am liebsten in einem Blogeintrag zusammengefasst. Irgendetwas wo Latex und Seide drin vorkommt. Gerne auch Etuikleider, Marlenehosen und Hüte aber um Gottes Willen keine High Heels und Nagellack.
    Darüber würde ich mich ganz arg freuen.

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    • pantoufle sagt:

      Latex: Hmmm… damit habe ich nur wenig mehr als rudimentäre Berührungen gehabt. Es reichte nicht einmal dazu, festzustellen, ob ich das nun großartig oder unerotisch finde – es käme vermutlich auf die Situation an.

      Seide: Etwas ganz und gar wundervolles. Kann man in die schönsten Spiele mit einbeziehen.

      Etuikleider: Können unglaublich lecker sein.

      Marlenehosen
      : Damit habe ich wegen dem leicht militärischen Anklang eher Schwierigkeiten.

      Hüte: Große Hüte, Schleier, Romantik, Verführung… ach

      High Heels
      : Ich habe nie verstanden, wie sich eine Frau freiwillig in ein hinkendes, stolperndes Opfer verwandeln mag. Das ist es wahrscheinlich: Es soll signalisieren, daß die Beute nicht weglaufen kann. Gruselig!

      Nagellack: Nehme ich nicht wahr und wenn, dann eher kopfschüttelnd. Ganz schlimm, wenn das Ganze noch in »Kunst« ausartet. Mit Bildchen und Tütü.

      »[…] sich in winzigen Andeutungen zeigenden, verschlungenen Wege einer Frauenseele […]« Na ja: So neu ist das Thema nun auch wieder nicht. Vor geraumer Zeit lag das ja schon einmal bei Dir auf dem Präsentierteller. Und bei dem, was ich gerade über die Ödnis der Blogsphäre schrub, wird das immer mehr ein lohnendes Thema.
      Mal sehen.

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      • tikerscherk sagt:

        Nich einfach alles in die Kommentarspalte packen- einen eigenen Beitrag für die anspruchsvolle Lesxschaft!
        Das würde etwas Leben in die Ödnis der Blökosphäre bringen. Seit ich meine Beiträge mit erotischen Bildchen verziere, habe ich viel mehr Zugriffe. Toll!

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  6. Stony sagt:

    Drängeln sacht er, drängeln. Als ob ich je; und überhaupt!
    (Der zwote Donnerstag nach St. Nimmers wär mir recht, paßt’s dir da?)

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    • pantoufle sagt:

      Siehe oben. Und vielleicht schreibt Tikerscherk ja mit. Coautorisch und dann werden wir total berühmt. Und von irgend einer Genderfarm völlig verrissen! Und dann interviewen sie uns im ZDF und stellen das Ergebnis nicht mal erst in die Mediathek zum Rausschmeißen. Die lassen es gleich ganz wech!

      Diese Woche würde passen und die nächste auch 🙂

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      • Stony sagt:

        Sobald es dunkel wird schau ich mir mal wieder Blade Runner an (bin ich der einzige, der bei “Plastiktüte” an Zhora denken mußte?) und im Anschluß Inception – irgendwie schaff ich das noch, ick knack dir schon, Haivieh du! 😀

        Überzeugt! 🙂

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