Bevor ich jetzt also zum Schluß komme…

Wenn sie denn alle einen Jahresrückblick versuchen, dann will Pantouflen auch mal. Das war also das Jahr 2017 in einem Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Einige jedenfalls. Was wird bleiben, an was werden wir uns erinnern?
Wie üblich an gar nichts. Normalerweise wird man sich am 31.Dezember nicht einmal mehr an den Januar erinnern. Und am 1.1. erfahrungsgemäß an nichts des 31.12.

Januar: Die Amtseinführung eines sabbernden Wahnsinnigen als Präsidenten der USA – oh doch, das werden wir uns merken müssen. Wobei noch nicht ganz klar ist, worin das größere Verbrechen liegt: Die eigentliche Wahl oder die absurden Versuche, sich diese Katastrophe schönzuschreiben. Wasser auf die Mühlräder des Revisionismus. Nicht nur Deutschland versagte beim Versuch aus der Geschichte zu lernen. Daß man sich noch mal einen Bill Clinton zurückwünschen würde… war die Alternative Hillary »Monica« Clinton eigentlich ein Ergebnis von Gender-Studies?

Auch im Januar: Der Erfinder des Chulz-Effekts wird in Brüssel durch den Berlusconi-Jünger Antonio Tajani ersetzt. Alles blickt auf Chulz.

Februar: Nach unerträglich langer Zeit wird Berlin entgauckt. Noch ein paar tränenselige Lügen zum Abschied. Der Nachfolger Frank-Walter Steinmeier sorgt wunschgemäß dafür, daß das Amt etwas aus dem Pissoir der Öffentlichkeit verschwindet. Nie wieder DDR-Pastoren! Wenigstens darüber herrscht Einigkeit.

März: Würselen verdrängt Berlin. Jedermann wird klar, daß Chulz als Kanzlerkandidat der AFD erheblich mehr für sein Land hätte leisten können. Gleich in welcher Partei er aufgetaucht wäre – dort beginnt der Niedergang! Nun ja. Es sollte eben die alte Tante SPD sein.

An dieser Stelle könnte man eigentlich aufhören. Die Weichen für den Rest des Jahres sind damit gestellt. Der Rest sind Fake-News und KI.
2017 – das Jahr neuer Berufsbilder. Der Faktenchecker entsteht. Im Gegensatz zum TV-»Experten« braucht man dafür nicht ansatzweise mit einem Thema in Berührung gekommen zu sein. Jeder darf an jedes Gebiet, wenn er denn nur will. Die extrem kurze Ausbildungszeit (die Dauer, eine Bewerbung zu schreiben) sorgt für regen Zulauf. Für den vorhersehbaren Verdienstausfall der eigentlich dafür zuständigen Journalisten installiert man Mathias Döpfner, einen ehemaligen »Experten«. Zum wiederholten Male will man Trollfabriken in Moskau entdeckt haben – sucht dafür eigenartigerweise aber nie im Dunstkreis Döpfners.

Das Bürgertum: Neben dem Manufaktum-Katalog auf dem Mittagstisch lagert dort nun auch Informationsmaterial über Umvolkung und Masseneinwanderung. Was gestern noch als irre Verschwörungstheorie galt, das darf man wohl nicht nur wieder in der Kantine des Bundestages sagen. Man kann es sogar wählen. Die Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist unauffällig vollzogen. Daß man die DAP mangels Masse nicht mehr verbieten konnte, hatte das Bundesverfassungsgericht bereits im Januar festgestellt; wenngleich auch ohne die Umbenennung zu registrieren.
Im übrigen gilt hier das selbe wie für Trump: Nicht alle AFD-Wähler sind Nazis, genau so wenig wie im März 1933. Das wurden sie erst später.

KI: Die Lösung aller Probleme des Jahres 2017 +n auf diesem Planeten. Der theoretische Ansatz ist simpel. Wenn ich einen Ersatzpapi-Roboter brauche, der abends vor dem Fernseher sitzt und Bier säuft, verwende ich eine Opensource-Datenbank, ein Java-Script und etwas Kunststoff. Mit der selben Logik erschaffe ich autonomen, strombetriebenen Individualverkehr. Intelligenz ist also ein dehnbarer Begriff. Künstliche Intelligenz im Neoliberalismus ist es nicht. Im Mai 2018 tritt voraussichtlich eine Verordnung in Kraft, daß eine Kreditvergabe nicht mehr ausschließlich aufgrund von Computerentscheidung entschieden werden darf. Es lebe der Optimismus! Man kann nur etwas verbieten, was sich überprüfen läßt.

Schneller sein ist besser
Länger Leben ist besser
Mehr wissen ist besser
Neu ist besser
Mehr ist besser
Humanismus sind quantifizierbar

Der Compiler für KI heißt Transhumanismus. Er erinnert mit seiner simplen Modellierung an die frühen Jahre des Atomzeitalters. In jedem Staubsauger, jedem Auto bis zum Bobbycar, im Herd in der Küche und dem der Stahlkocher: Überall sollte ein kleiner Atomreaktor werkeln. Und 50 Jahre später bleibt davon nur das Problem, wie man den Dreck wieder los wird. Nichts, aber rein gar nichts dieser Träume hat sich erfüllt.
Eine weitere Gemeinsamkeit wird darin bestehen, die Gesellschaft wieder einmal in Befürworter und Gegner einer Technik zu dividieren. Gegner einer Technologie sind ja angeblich automatisch auch Gegner der herrschenden Gesellschaftsform.
Aber wer versteht schon etwas von Technik? Wenn man eine Frage hat, stellt man sie Alexa.

Es geht natürlich auch vollkommen ohne Intelligenz. Der G20-Gipfel in Hamburg, die Unabhängigkeit Kataloniens, Brexit oder den Parlamentswahlen in Österreich. Es wird wohl den allerwenigsten Befürwortern von KI klar sein, daß beispielsweise solche Regierungen darüber zu bestimmen haben, was intelligent und was es nicht ist. Und wehe, der Automat käme zu Ergebnissen, die nicht ihren Ungeist wiederkäuen!

Die Umsiedlung der US-Regierung von Washington DC nach Montgomery/Alabama sind Fake-News. Leider.

Ist die ganze Welt von Idioten besetzt? Nein! Ein kleiner, unerschrockener Haufen Gerechter kämpft.

Nur als Beispiel und ohne den leisesten Anspruch auf Vollständigkeit:

Stellvertretend für alle Schiffe von NGOs in libyschen Gewässern die Sea-Watch 3 unter Kapitän Pia Klemp.

Das Zentrum für politische Schönheit

Die Partei DIE PARTEI unter ihrem großen Vorsitzenden Martin Sonneborn

Der CCC

Das Bundesverfassungsgericht als letzte Instanz, welche die Illusion von Demokratie aufrechterhält.

Der unbekannte Journalist, der die DPA-Meldung kommentierte und nicht bloß kopierte.

Nein, ich freue mich nicht auf 2018. Aber den Kopf hängenzulassen, ist für 365 Tage eine unbequeme Körperhaltung.
Wie sagt man so schön: Nicht einen guten Rutsch – lieber aufrecht und erhobenem Kopf über die Jahresgrenze klettern. Laßt die Knallerei, sauft nicht gar zu viel und bleibt senkrecht. Alles Gute Euch allen.

1+
Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu Bevor ich jetzt also zum Schluß komme…

  1. OldFart sagt:

    Frank-Folter Steinmeier. Soviel Zeit, korrekte Vornamen zu ermitteln muß sein. Der Mann wird später mal Ehrensold beziehen. Ich mag zwar Zynismus, Ironie und Satire, aber diese perspektivische Farce ist mir dann doch zuviel.

    0

    • Pantoufle sagt:

      Gauck bezieht bereits.
      Im Falle seines Nachfolgers muß man auch dem Schicksal eine Chance geben. Ein unglücklich verlaufenes Geiseldrama, eine übereifrige Security, eine übersehene Spielzeugmine in Afghanistan – es gibt so viele Möglichkeiten, der natürlichen Auslese auf die Sprünge zu helfen.

      0

  2. Peinhart sagt:

    Ich hatte natürlich wieder mal ‘Bevor ich jetzt also zum Schuß komme…’ gelesen – und dabei fiel mir doch prompt diese nette Aktion wieder ein.

    Vielleicht doch besser robben…?

    0

  3. Nicht einen guten Rutsch – lieber aufrecht und erhobenem Kopf über die Jahresgrenze klettern.

    Meine Großmutter pflegte mit einem Glas Sekt in der Hand ins neue Jahr zu springen. In jüngeren Jahren vom Stuhl, als sie alt und klapprig war, sprang sie von einer Zeitung.

    Meine übrige Familie ist zu beschränkt, um diese großartige Tradition fortzuführen, weswegen ich alle und jeden dazu anstifte: springen Sie ins neue Jahr!

    0

    • Pantoufle sagt:

      Die Tradition werde ich mal versuchen bei uns einzuführen. Bei »guten Rutsch!« bekomme ich jedenfalls langsam einen Hals, einen dicken.

      Spring Du nur, von was Du willst, aber behalte Deinen Kopf so aufrecht wie Du es sonst auch machst.

      1+

  4. waswegmuss sagt:

    Als Franke wünscht man einen guten Beschluss.
    Bevor man das neue Jahr beginnt sollte das alte erst mal zu Ende gebracht werden.
    Dann beschließt mal ordentlich und schön.

    0

  5. Stefan R. sagt:

    Auch ich wünsche wohl zu rutschen.

    0

  6. DasKleineTeilchen sagt:

    meine dringende empfehlung für den 31.12.2018 (polenböller! berlin! orschlöcha!):

    http://up.picr.de/31399279lv.jpg

    unbedingt die classic II. für 2 hühner inna apo. there is nothing better I believe.

    0

  7. OldFart sagt:

    … classic II. für 2 hühner inna apo. there is nothing better I believe.

    Wenn Du jemandem glauben magst, der als Bahnpendler zweimal täglich solches Gerät zum Selbstschutz vor der Handy-Spackeria im Zug zum Einsatz bringt:

    Nein. Ich habe echt schon viele Marken und Modelle durch. Diese Teile sind aus ziemlich grobporigem Schaum und dämmen eher schlecht. Das Wiederaufquellen im Ohr nach dem Zusammenrollen ist auch nicht wirklich toll und deren Plastizität läßt zudem ziemlich schnell nach. Mit der zylindrischen Form stört die harte Kante beim Einführen ziemlich, oft genug knickt die Zylinderwurst dabei um und man muß neu rollen und ansetzen. Es gibt keinen konstruktiven Stop bei der Einführung, wenn man da emotional angenervt zu heftig zu Werke geht, hat man gerne mal Streß, das zu tief gerutschte Teil wieder rauszuprokeln.

    Von allem was ich so durch habe, sind das meine Favoriten, die ich echt empfehlen kann.

    Super feinporiger, langzeitelastischer Schaumstoff, der gut sitzt und dämmt. Nicht die o.g. konstruktiven Nachteile des Classic II Zylinders. Bild angucken, verstehen.

    Im Einzelverkauf spielen die – nicht erschrecken – preislich zu Recht in einer ganz anderen Liga als die Classic II. In der 200er Box kostet dann das Stöpselpaar aber unter 15 Cent. Bei dem Preis kommen auch die Classic II im Einzelverkauf kostenmäßig nicht mehr mit und folgerichtig hab ich hingelangt und es ist mir egal, ob dann, wenn ich in die Kiste springe, noch 100 Stöpselpaare übrig sind.

    Funktional sehr vergleichbar sind die hier. Aber ohne die Anfasser-Flügelchen als Einführungs-Anschlag und Rauszieh-Hilfe.

    Pro Tip: Es gibt Versandhändler, die bieten Probesets mit diversen Stöpseln verschiedener Hersteller zum Verkauf. Da kann man für vertretbares Geld mal das ganze Potpourri probefahren.

    0

    • Pentimento sagt:

      Silvester ist zwar vorbei, aber es ist nie zu spät. Guter Tipp, Danke!

      0

      • OldFart sagt:

        Nochn Hinweis: Es kursieren 20er Packungen mit Einzelstöpseln. Von diesen liest man immer wieder, daß es China-Imitate sind. Deren Charakteristikum soll sein, daß sich die Stöpsel zusammenrollen lassen und das wars dann, weil sie dann genauso verbleiben. Mieser Schaumstoff, null Plastizität. Die Originale sind immer in 2-er Plastiktütchen. Die verdächtige Ware enthält immer lose Einzelstöpsel, gerne zu finden auf Ebay.

        0

    • DasKleineTeilchen sagt:

      grobporiges dämmhaubitz mich weg! kehrreich lehrreich! so fahre ich deinem rat aufs vortrefflichste bereitet wider der knalltraumata zum nächsten jahresendterminator! als nun exponierter laie der schalldämmung meiner dankesverpflichtung nachkommend: danke für die erschöpfende exkursion und praktikablen empfehlungen. 🙂

      0

      • OldFart sagt:

        Ich hatte die letzten drei Jahre das höchst unerfreuliche Mißvergnügen, mehrfach, und jeweils ziemlich lange stationär im Krankenhaus zuzubringen. Da erwies es sich als äußerst vorteilhaft, über einen üppigen Vorrat an Ohrstöpseln zu verfügen. Zum einen für mich selbst, wegen der schnarchenden Mitbewohner und den 3/4-tauben Greisen im Nebenzimmer, die mit ihrem Mutantenstadl im Fernsehen den halben Krankenhausblock beschallten. Zum anderen kann man bei geringem Kosteneinsatz von 15 Cent (s.o.) pro Stöpselpaar durch freigiebiges Verschenken an andere Mitleidende sehr wirksam Freunde, Hilfsbereitschaft und Gunst erwerben. Je nachdem, wie lädiert man ist, kann sowas sehr vorteilhaft sein.

        Wäre ich ein echter Geschäftsmann, hätte ich mit einem schwunghaften Handel zu Wucherpreisen steinreich werden können.

        Die Ohropax-Wachs-Knetstöpsel, mit denen das Krankenhaus aufwartete, sind nämlich das schalldämmungs-untauglichste, das je produziert wurde. Offensichtlich hat nie jemand vom Krankenhauseinkauf die Dinger nutzen müssen. Mit meinen Hitech-PU-Stöpseln war ich da der Messias. 😉

        0

  8. Pantoufle sagt:

    Moin, ihr beiden

    Also ich bin ja Fan von so was. (Symbolbild – meine eigenen sind in der Firma) Nicht gerade für 15 Cent, aber dafür mit HiEnd-Kopfhörer. Ohrabdruck machen lassen, zu Sensaphonics schicken und maßgeschneiderte Ohrhörer für alle Gelegenheiten. Molds nennt man das und wenn man die öfter braucht, ist es das einzig wahre. Grundsätzlich gibt es die als reine Dämpfer oder wie in meinem Falle (wenn ich Monitormix auf der Bühne machen muß) als Kontrolle fürs InEarMonitoring.

    Es gibt natürlich auch andere Firmen, aber die Qualität der Elektronik ist bei denen schon ziemlich unübertroffen.
    Edith merkt gerade noch an, daß die Knallerei wegen dem lausigen Wetter dieses Jahr auf einem unvermeidlichem Minimum stattfand. Recht hat sie. Hoffentlich hat es auch bei Euch so geschüttet.

    0

    • OldFart sagt:

      Hoffentlich hat es auch bei Euch so geschüttet.

      Ja, schon, irgendwie. Den ganzen Abend bis 10 vor Mitternacht. Und dann wieder ab kurz vor eins. Regenpause zum Böllern wie auf Bestellung.

      Manchmal beschleicht mich schon ab und zu das Gefühl, daß es doch eine himmlische Macht gibt, die einem eingefleischten Atheisten wie mir mal zeigen will, wo der Hammer hängt. Knurr.

      0

      • DasKleineTeilchen sagt:

        Und dann wieder ab kurz vor eins.

        logisch. feinstaub = kondensationskeim. atheist sein is schon ok. so im grobporigem.

        0

    • DasKleineTeilchen sagt:

      war ja klar; wenn die amateure sich mal tips geben, fühlt sich der profi wohl genötigt, sie mit seinem super-pricy-custom-made-tech kleinzuhalten. jaja, “molds”…ich weiss, was der scheiss kostet, also wer is hier der hipster 😛

      Hoffentlich hat es auch bei Euch so geschüttet.

      nope. sadly not. wouldnt make much difference anyway cause as I said polenböller! berlin! orschlöcha! und sowieso lange vor 00:00. ab 18:00 unabhängig vom wetter mit clusterbildung zu jeder 1/2 stunde für 10 min. und was alles wieder an fauna dieses jahr aufgrund herzattacke/stress/InDenLichtblitzSchauen ins gras gebissen hat, möcht ich garnich wissen.

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *