Bedenkenswertes zur Bundestagswahl

Selbst die größten Demokratie-Schreihälse halten sich gerade auffallend zurück mit der Ermahnung, daß angeblich jede nicht abgegebene Stimme eine für die AFD wäre, eine Stimme für den Faschismus und daß – wenn es schon keine Wahlpflicht gibt – dann doch eine moralische, irgend ein Kreuz an irgend einer Stelle zu malen. Jeder nur zwei Kreuze! »Aber geht in dreiteufelsnamen zur Wahl, damit uns noch jemand diesen Affenzirkus abnimmt!«

Die Lust zum Machtwechsel während des immerwährenden Aufschwungs ist  vergleichbar mit dem Batteriewechsel bei einem Dildo. Also eher nich so. Offenbar sehen die Wähler die Übel dieser Welt nicht als etwas an, was durch Politik verursacht oder zu beseitigen wäre. Vielmehr brauchen sie den Kandidaten für ein diffuses Bauchgefühl, das unabhängig selbst von den eigenen Lebensumständen und Erkenntnis über deren Ursachen funktioniert. Das ist nicht unpolitisch – das ist dämlich, aber wenn alle dämlich sind, ist das Mainstream und damit wiederum nicht dämlich. Bubble-Tea eben.
Etwas Angst macht es einigen ja schon, diese Nazis, die bestimmt bald im Bundestag sitzen. Auch weil es spannend ist: Sind es 10% oder 14%, was werden sie wohl sagen, wenn man ihnen das Mikrophon läßt? Werden sie grunzen oder lustige Bewegungen mit den Armen machen? Lemuren gleich, vielleicht sogar aneinander ähnlich gekleidet. Nicht eine Uniform, eher wie graue Wichte in ebenso grauen Anzügen, die den Unterschied zwischen Nazi und Nazitusse verschwinden lassen? Fröhliches Vorwahlgruseln. Strenge Ermahnungen auf den Schulweg, während man den lieben Kindern die vegane Wurschtstulle einpackt und ihnen mit dem Taschengeld auf den Weg gibt: Kauf nicht beim Nazi!

Aber sie brauchen ja gar nicht gewählt zu werden. Sie sind bereits da. Als Richter, Polizisten, »Experten« beim Öffentlich-Rechtlichen, Teil der Journaille, Postboten und in der Wirtschaft. Sie brauchen die Prozente der Wahlnacht nicht, um mithilfe der Bewegung dorthin zu gelangen – es geht nur noch darum, den kategorischen Imperativ mit 140 Zeichen zu widerlegen. LINKE 8%, FDP 9%, da kann man sich an den eigenen 14% wärmen wie an der Weihnachtskerze. Endlich wieder Nazis im Bundestag. Die Märkte werden es schon richten. Heilig ist nur der Rasen und die Frage, ob die Sportschau der ARD live berichten darf.

Was bewegt Sie vor der Bundestagswahl? Stellen Sie Ihre Fragen an den Herausforderer Martin Chulz in der Wahlarena im Ersten! Endlich genau wissen, wo Würselen liegt! Der Diesel kommt!

Es kommt nur darauf an, wie man ihn verpackt. Oder kennen Sie einen Hipster, der da nein sagen kann?

Das wichtigste an Christian Lindner ist Olaf Heine. Wahl-O-Mat Lindner hat es begriffen. Die Wahl des Haargels entscheidet, nicht die Wahl. Sprechen Sie Ihre Fragen in diesen Trichter und stellen Sie sich dabei vor, Lindner hätte ein »von« im Namen. Karierte Unterwäsche und Drei-Tage-Bart in modischem Schwarz-Weiß, der Mann achtet dabei auf das verwendete Rasierwasser. Dieser Mann. Geben Sie diesem Mann ihre Stimme. Die Prenzlauer Gartenpartei ist gegen Tierversuche, die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer gleich für deren Abschaffung – der Tiere.
Ganz so einfach sei es nicht, murmelt es unter dem Türspalt. Man müsse das differenziert betrachten. Lehnen wir doch mal – nur für den Moment – die EU ab. Oder die Menschenrechte, kein Gedanke zu ungeheuerlich, als das wird man ja wohl wieder sagen dürfen. Doch lieber Karl-Theodor zu Lindner?

»Der kontrollierte Verkauf von Cannabis sollte generell erlaubt sein.« Der Wahl-O-mat formuliert die Fragen lippensynchron zum Besten aus Tagesschau und Bundespressekonferenz. »Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern« und »Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen« statt »Bei der rechtsextremistischen Terrorbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen«. Das klänge doch gleich viel fröhlicher!

Der schwarze General Geißler ist tot, sein designierter Nachfolger sei Winfried Kretschmann. Tütensuppe statt Eintopf von Elfriede. Angela hat ihren schwarzen Schlafanzug angezogen. Gottseidank! Endlich tot. »Die Jüngeren unter uns können sich vielleicht nicht mehr an ihn erinnern…« und wendet sich an den hinter ihr stehenden Peter Tauber. »Nur wer sich wandelt, bleibt mir verwandt« steht auf der Rückseite seines Grabsteines. Vorne die pompöse Lüge »unvergessen«.
Der letzte.

Die Schrottpresse wird dieses Jahr zur Abwechslung nicht zum Wahlboykott aufrufen. Gemäß der Binse, daß jede nicht abgegebene Stimme eine Stimme gegen die Partei ist, ist jede Stimme für die Partei eine Stimme für die Partei.
Also wählt alle bitte die Partei, denn sie ist sehr, sehr gut!

Geschmackkkklos!

P.S. Wo sind eigentlich die russischen Hacker-Horden, wenn man sie mal braucht? Irgend jemand muß doch das Vertrauen in die demokratischen Prozesse am Leben halten!

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22 Kommentare zu Bedenkenswertes zur Bundestagswahl

  1. Pingback: KREISCH! Kommenden Sonntag ist wieder Kreuzigung. Und? Ihr so? | -=daMax=-

  2. Hagnum sagt:

    Aloha!

    Jährlicher Zwangsabstieg des HSV!Klaro, die PARTEI wird bei mir aufm Zettel angekringelt.

    Die Blauen Früchtchen haben sich was Neues ausgedacht, um noch Stimmchen einzufangen.Merkel die Eidbrecherin, oh what a bitch, das Merkelinchen.

    http://www.merkeldieeidbrecherin.com [AFD-Seite. Der Säzzer]

    Das Merkel verstößt gegen den Amtseid, Schaden vom Volke abzuwenden.
    Pustekuchen, die wendet nicht, die schadet, mit Vorsatz sogar.Ei ei ei.

    „Der Nazi und der Friseur“, dein Tipp von Neulich, ist ein seht guter Tipp.
    Habe das Buch bereits 2000 gelesen, danach noch das Moskauer Gedingse.
    Nicht ganz so gut, macht aber auch Spass.Der Mann hat Talent und Humor.

    Ich sehe immer noch Martin Schulz nach der Wahl als Bundestagspräsident.
    Der Mann muß doch irgendwo gut versorgt endgelagert werden.
    St. Martin aus Würselen zum Einhegen der Blauen Nazi-Gefahr.Rauswerfen kann
    er ja, hat er schon in der EU bewiesen.Hihi, hoho.

    Die Blauen wollen ja Oppostionsführer werden, da wäre es doch geschickt im Sinne der Demokratiesimulation, wenn die Roten diesen Job übernehmen.

    Greetings

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    • Pantoufle sagt:

      »Pustekuchen, die wendet nicht, die schadet, mit Vorsatz sogar«

      Es gibt einen feinen, aber bemerkenswerten Unterschied zwischen »Vorsatz« und »sehenden Auges«.

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      • Hagnum sagt:

        Moin,

        das ist ja nicht meine Meinung, das mit dem Vorsatz,ich beziehe mich da auf die Einstellung mancher Sympathisanten dieser Neu-Partei.

        Sorry, die AFD-Warnung hätte ich selbst schreiben müssen.

        lg

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        • Pantoufle sagt:

          Moin Hagnum
          Kein Problem! Ich verlinke ja selber gerne mal auf rechtes Gedankengut und unterstelle, daß die Leser auch ohne Warnung wissen, wo sie da landen. Nachdem ich deswegen mehr als einmal Kritik habe einstecken müssen, will ich in Zukunft lieber eine Warnung daneben schreiben. Es gibt leider immer wieder Leute, die es nicht blicken.

          Medienkompetenz ist leider nach wie vor hauptsächlich Glückssache.

          Einen schönen Tag noch
          (Und sei es nur die bedauernswerte Liebe zur Crackpfeife)

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  3. GrooveX sagt:

    das muss ich jetzt echt mal loswerden:

    wir tun es ja nur für die menschen! dann haben die menschen es aber auch verdient, uns zu wählen!

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  4. Charles Wilp sagt:

    Sie Hund! Machen Sie das weg, der Video! Das ist diebischer Geiststahl, äh, Rechtsheberverletzerei. Ich klage Ihnen ver wegens Beihilfung. Dies ist kein Übung.

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    • Pantoufle sagt:

      Befor sie mich wegen Rechthaberverletzung unters Schafott schmeißen: Welches Video? Das mit Afri-Ärsche-Cola-Titten? Das war schon recht verletzt, als es auf den damals noch recht neuen Farbfernseher kam.

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  5. Der Ausweg ist doch eigentlich, ungültig zu wählen „Fiete Appelschnut for President“ längs über den Wahlzettel geht auch. Ich freue mich drauf.

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    • Pantoufle sagt:

      Kann man natürlich auch machen. Darin habe ich lange Jahre Erfahrung. Aber wie alle Wähler mit der Illusion in der Küche zu stehen, am Nudeltopf und dünnem Kaffee und dem Gedanken: Jetzt habe ich es ihnen an der Urne aber so richtig gezeigt! Das stell ich mir schön vor. Serda Sumunco als Kanzler, Martin Sonneborn als Außenminister, Nico Semsrott in seiner Paraderolle als Bundesinnenminister.

      Man wird ja noch träumen dürfen.

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  6. Siewurdengelesen sagt:

    Wählen, nicht wählen, ungültig wählen – das ist doch alles eine Wichse in diesem Geschäft.

    Ob da jetzt der eine Verein oder der andere ein paar Stimmen mehr oder weniger bekommt, am Politbetrieb ändert das nur marginal etwas.

    https://www.heise.de/tp/features/Waehlen-ist-kein-Synonym-fuer-Demokratie-3827423.html

    Schlimm oder besser blamabel für die Etablierten finde ich derzeit das absurde Gebashe gegen links und Mitglieder der AfD und diese selbst. Haben die tatsächlich soviel Schiss davor, dass dieser braune Haufen neoliberaler Arschlöcher dem roten und schwarzen Haufen neoliberaler Arschlöcher derart den Schneid abkaufen können?
    Tststs – und dann muss man derart negative Reklame für sie machen nach dem Motto „Er hat Jehova gesagt!“ wie im Leben des Brian? Die AfD sagt schon mal danke für kostenlose Wahlwerbung.

    Und natürlich darf ein Herr de Maiziere auch nicht fehlen, indem er publikumswirksam noch ein paar besonderrrrs schwerrrre Strrrraftäterrrr fix abschiebt und so den rechten Rand bedient und trotzdem keine Stimme extra schindet damit. Aber die Todesstrafe gibt es in Deutschland ja nicht mehr, da löst man das Problem halt auf diese Weise.

    „P.S. Wo sind eigentlich die russischen Hacker-Horden, wenn man sie mal braucht? Irgend jemand muß doch das Vertrauen in die demokratischen Prozesse am Leben halten!“

    Für die manipulierbare Wahlsoftware stehen die nicht auf – ist zu einfach und dann gibt es doch für die VTler sowieso schon RT deutsch;-)

    https://www.heise.de/security/meldung/Bundestagswahl-Eingesetzte-Wahl-Software-hat-eklatante-Sicherheitsluecken-3824053.html

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  7. Argonautiker sagt:

    Man könnte das „Rechte“ vielleicht komplett verbieten und eine Zwangshemiplegie einführen.

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