Aus aktuellem Anlass: Asylantrag Edward Snowdens abgelehnt

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Pic by: Pantoufle

Dazu nur eine kurze Anmerkung. Edward Snowden hat in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, um Asyl gebeten. Wie eben bekannt wurde, ist der Antrag in Deutschland von Bundesinnenminister Friedrich abgelehnt worden. Die Gründe dafür spielen absolut keine Rolle – sie sind so nichtig wie der Minister, der für diese Entscheidung die Verantwortung trägt.

In diesem Zusammenhang möchte ich an einen jungen Mann erinnern, der 1933 Deutschland verlassen mußte. Nicht nur er: Tausende andere flohen vor einem Regime, das den Kreis der zivilisierten Staaten verlassen hatte. Der Name des jungen Mannes war Herbert Ernst Karl Frahm. Zu seinem Glück fand er Aufnahme in Norwegen. Unter dem Namen Gunnar Gaasland kam er 1936 nach Deutschland als Korrespondent zurück, zog 1937 nach Spanien in den Bürgerkrieg, ging zurück nach Norwegen, arbeitete bis zum Kriegsende im Untergrund, bis er – mittlerweile mit der norwegischen Staatsbürgerschaft – zurück nach Deutschland kam.

Er macht Karriere. Wieder unter einem anderen Namen; mittlerweile nannte er sich Willy Brandt und wurde Bundeskanzler.
Brandt war sicher der würdigste Bundeskanzler, den dieses Land in seiner Geschichte jemals sah. Er hatte es sich unter Einsatz seines Lebens verdient, ein Land zu regieren, das millionenfachen Mord, millionenfache Vertreibung, unendliches Leid über diese Erde gebracht hatte. Er hat versucht, das Ansehen, das diese Verbrechernation in der Welt hatte, zu revidieren. Er repräsentierte Anstand, wo Altnazis wieder in den selben Stühlen wie zuvor saßen. Er fiel in Warschau auf die Knie, als die neuen Nazis wieder marschierten. Er war Kanzler der Deutschen, als noch längst nicht alle  Asylanten, die Deutschland nur mit einem schäbigen Koffer verlassen hatten, zurückgekommen waren – so sie es denn wollten.

Es ist das Deutschland in Hoyerswerda, das Deutschland Solingen, das des NSU, das der wieder brennenden Synagogen, der geschändeten jüdischen Friedhöfe… Es ist das Deutschland, was Willy Brandt immer versucht hat zu bekämpfen. Dieses Deutschland, das den Asylantrag ablehnte.

Kein anständiger Mensch in diesem Land hätte das getan, jeder hätte seine Tür geöffnet. Um diese Bitte abzulehnen, brauchte es schon einen Minister. Dieses Land ist das letzte Land, das ein Anrecht darauf hat, einem Bürgerrechtler Asyl zu verweigern.

Im Gedenken an Brecht, Mann, Tucholsky, Döblin, Feuchtwanger, Haffner… die millionen Toten und politisch Verfolgten

Campact.de. Ein Appell, Snowden in Deutschland aufzunehmen : Campact.de
Link via Klaus Baum

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0 Kommentare zu Aus aktuellem Anlass: Asylantrag Edward Snowdens abgelehnt

  1. Das ist so ein Trauerspiel. Und wie recht du hast, an Willy Brandt zu erinnern!

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  2. Maxiboy sagt:

    Oha. Da haste mir tatsächlich eine Wissenslücke gefüllt. Danke.

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  3. Der Duderich sagt:

    Die Demut beim Brandt’schen Kniefall würde uns manchmal auch heute noch sehr gut zu Gesichte stehen…
    Stattdessen werden Menschen wie Lothar König unter fadenscheinigsten Begründungen verfolgt.
    Die Doppelmoral ist leider der momentane Zustand – nicht die Ausnahme.

    Womit wir mittlerweile wieder bei Brecht wären:
    ‚Denk ich an Deutschland in der Nacht…‘

    Grüße, Dude

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  4. pantoufle sagt:

    *woher kommen denn die ganzen facebookklicks??*

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  5. Pingback: Aus aktuellem Anlass: Asylantrag Edward Snowdens abgelehnt - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach – http://gruene.wettach.org

  6. altautonomer sagt:

    Leider wurde auch mit den Stimmen der Partei eines Willy Brandt (+ 08.10.1992) die Flucht nach Deutschland durch Asylrechtsänderung am 23.05.1993 dermaßen erschwert, dass dieses Grundrecht, dessen Änderung nur mit einer 2/3-Mehrheit möglich war, mit den Erkenntnissen aus der Nazizeit nichts mehr zu tun hat.

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  7. pantoufle sagt:

    Moin Altautonomer
    Es liegt mir fern, das, was die SPD in ihrer Gesamtheit in dieser Periode ablieferte, in irgend einer Form zu glorifizieren. Mein Respekt gilt Brandts Geschichte und der Person, die sich daraus entwickelte. Das macht vieles glaubwürdiger, gelegentlich auch seine unzweifelhaften Fehlentscheidungen.

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