Aufmarsch der »Netzverschwörer«

Internetaffine Wutbürger

Internetaffine Wutbürger

»Wunderwaffen des dritten Reiches« (revolutionäre Konzepte, die heute den Mallorca-Urlaub ermöglichen).
Man sollte viel mehr Qualitäts-Medien lesen oder wie in diesem Fall deren Videos sehen. »Die dunklen Seiten des Islam«, »Ein Glaube zum Fürchten«, »Der Glaube als Rechtfertigung von Gewalt«, »Junge Muslime verweigern Integration«, »Islam-Bewegung breitet sich in Deutschland aus«, »Politiker fordern: Christen sollen im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder singen«

Jan Fleischhauer, der Franz-Josef Wagner des Spiegel, spricht wieder aus, was alle denken sollen. »In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht.« Die Pegida als angebliches Kind des Internets. »Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.« Aus welchen Quellen sich diese Erregung speist, bleibt im Dunklen. Aus den Qualitätsmedien sicherlich nicht, die mittlerweile zum Teil ihre Kommentarfunktion stillegen mußten, weil unter anderem islamophobe, gewaltverherrlichende und fremdenfeindliche Kommentare unkontrollierbar wurden.
Auf entsprechende Stellen im Netz verlinkt Fleischhauer ebenfalls nicht – einerseits, weil der Internet-Inzest des Spiegel das verbietet und zum anderen, weil die Tagespresse genügend Begründungen für die grassierende Islamophobie liefern würde. Ganz unabhängig davon, daß diese URLs kaum zu finden sein dürften.
»Wahrscheinlich sehen sie auch keine „Tagesschau“ und keine „Tagesthemen“ oder eine andere Informationssendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks […].« Auch das wäre nicht unbedingt die geeignete Adresse, Zweifel aufkommen zu lassen: »Islamistische Propaganda im Netz – Die Fernuniversität der IS-Dschihadisten«. »Sachsen plant Sondereinheit gegen straffällige Asylbewerber«.

Falsch, falscher, Fleischhauer. Die Pegida ein Facebook-Produkt? Manche Behauptungen sind so falsch, daß nicht einmal das Gegenteil davon wahr ist.
Als Anti-Medien-Bewegung hingestellt, ist sie genau ein Produkt dieser Medien, deren immer gleichem Tenor sich kaum jemand entziehen kann.

»Über Jahre hinweg hat das Fernsehen gerade da, wo es vorgaukelt, die relevanten Diskurse der Gesellschaft zu spiegeln, eine fragwürdig schillernde Parallelwelt geschaffen. Parlamentarische Hinterbänkler und Ex-Minister wurden zu Zentralfiguren des politischen Betriebes stilisiert. Eloquente Selbstvermarkter, deren publizistische Existenz sich in der regelmäßigen Teilnahme an Talkshows erschöpft, wurden als bedeutende Journalisten etikettiert, der Begriff des Experten besinnungslos inflationiert. Eine Medienwelt, die sich selbst genug ist, schafft genau jene Räume, in denen Gegenöffentlichkeiten gedeihen.«

Stephan Detjen, Deutschlandfunk

Die mediengerechten Aufmärsche bei der jahrelangen Dämonisierung des Islams ein unerklärliches Phänomen? Da muß man schon seit Jahren eine intensive Verweigerung des Konsum von Qualitätsjournalismus betrieben haben, um die Gründe dafür zu übersehen. Und so ist das Fazit Jan Fleischhauers zur Lösung des Problems auch so schlicht gestrickt, daß es selbst Teil der Begründung wird:

»Für alles Weitere ist der Verfassungsschutz zuständig und, bei Zuwiderhandlung gegen das Demonstrationsrecht, der Wasserwerfer. So war es schon in den Achtzigerjahren, als in Hamburg, Berlin und Frankfurt der linke Pöbel durch die Straßen zog.«

Man darf gespannt darauf warten, wann sich Fleischhauer mit seinen Textbausteinen auf das Thema »NSU und Verfassungsschutz« wirft.
Journalismus mit Wasserwerfer.

Wills Propagandashow: Wenn die Kindergärten brennen

Pegida ohne Leitfiguren

Sachsenspiegel

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0 Kommentare zu Aufmarsch der »Netzverschwörer«

  1. tikerscherk sagt:

    Ja, man darf man gespannt sein, was Herr Fleischhauer über die NSU und den Verfassungsschutz zusammen zimmert, und eigentlich auch wieder nicht. Wir wissen ja schon, was dabei heraus kommen wird. Wir ahnen es zumindest: etwas, das so falsch ist, „daß nicht einmal das Gegenteil davon wahr ist.“ (Toller Satz.)

    Trotzdem: schöne Feiertage wünsch ich Dir und Deinem Kommentariat!

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    • pantoufle sagt:

      Karl Kraus, liebe Tikerscherk. Einer von vielen großartigen Bemerkungen dieses Herren 🙂

      Auch Dir eine schöne Weihnacht und ganz viel Ruhe… und bitte keine Katastrophen!

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  2. flatter sagt:

    Hier gehen automatische Trackbacks wohl nicht. Empfehle mich daher.

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  3. altautonomer sagt:

    Auf dem Sprung zum Geschenketsunami für meine beiden Enkelkinder und einer anschließenden Fressorgie sag ich allen hier jetzt schon mal “Heiligen Abend zusammen!”.

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  4. flatter sagt:

    Yo, haph phun, my dear co-conspirators und danke an den Updater!

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  5. DasKleineTeilchen sagt:

    der kauz in der mitte sieht mir nich ganz doof aus (muss wohl an der brille liegen).

    sonnenwende. yeah.

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  6. Thelonious sagt:

    Ach, es ist so schwer. Ihr nehmt Fleischhauer ernst. Das braucht ihr nicht. Fleischhauer ist nicht dumm. Er tut nur so. Er hat ein Geschäftsmodell. Der “schwarze Kanal” im wörtlichen Sinne. Das macht es nicht besser. Im Gegenteil. Es ist abgrundtief zynisch.

    Es ist nicht seine Meinung. Ihr reibt euch an einem Popanz auf. Nichts ist wahr, aber alles ist erlaubt. Es ist nur eine Möglichkeit. Morgen gibt es eine neue. Eine fleischgewordene Dokusoap. Nacj Motiven von … Content, um die Zeit zwischen den Werbespots zu füllen. “Es ist nichts persönliches, es geht nur um das Geschäft.” Völlig ideologiefrei, nur dem eigenen Fortkommen unterordnet.

    “Ich mache ein Angebot, das ihr nicht ablehnen könnt.” Damit ist die Monatsmiete gesichert. Das hat nichts mit einem Standpunkt zu tun. Nur mit Klickzahlen. Gegner und Befürworter clicken und lesen. Der Blutdruck steigt. Sekunden verrinnen. Und für jede Sekunde gibt es Cash.

    Dann wird diskutiert. Aufgeregt. Über diesen Broder für geistig Arme. Da gibt es nichts zu diskutieren. Da ist nichts. Nur das Modell. Marketing in eigener Sache. Widerlich.
    Schweigt ihn tot. Den geistigen Ghoul. Er ernährt sich aus euren Gedanken. Euer Widerspruch macht ihn fett und zufrieden. Wohlig grunzend liest er eure Diskussionen. eure Argumente. Lasst diesen Untoten endlich sterben. Staubsauger verkaufen. Teppiche reinigen. Damit kann er auch Geld verdienen. Er wäre zufrieden. Egal ob Isfahan oder Meinung. “Entscheidend ist, was hinten ‘rauskommt”.

    Exkrementissmus ist kein Geisteszustand, sondern ein Angebot. Wenn man dazu parfümierte Schaufeln liefert.

    “Faikalle” – der Duft der großen weiten Welt

    “Schaufelt liebe Leute, schaufelt.” Das ist es wert. Dem Großen und Ganzen zuliebe. Herrn Fleischhauer zum Wohlgefallen kniet euch in die Gülle und sauft seine stinkende Pisse.

    Nein, das haben wir nicht verdient. Seid ruhig und schließt die Münder. Schweigt ihn tot.

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  7. Thelonious sagt:

    Achso, ansonsten schöne Weihnachten 🙂

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