Armer Jan Fleischhauer

Der Dompteur der Stammtische, Liebling des Kommentariats: »Großartig, Herr J.F! Ein pulitzerpreisverdächtiges Meisterstück aus der Hexenküche des begnadeten Linken-Bashers!« oder »Höchste Zeit, daß endlich mal einer mit diesen SED-Politikern Schlitten fährt – das wird man ja wohl wieder sagen dürfen…«.
Nö. Diesmal irgendwie nicht. Der Leser war nicht amüsiert!
Statt dessen so etwas wie »geh sterben« und »was’n Idiot!«. Man fühlt sich beinahe genötigt, an die Lernfähigkeit des Publikums zu glauben.

Selten langte der Meister der niederen Künste mit mehr Schwung weiter daneben. Und das diesmal nicht nur am Thema, sondern am ebenfalls Geschmack des Publikums. Das Schafott des Feuilletons

Jan Fleischhauer, Schöpfer des unsterblichen Monumentalwerkes »Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde« (noch 4 Stück bei Amazon vorrätig) wurde beim Aufruf der 562 Schriftsteller gegen die Vorratsdatenspeicherung nicht um sein Autogramm gebeten. »Juli Zeh! Dir schwöre ich ewige Rache – mein Neid soll Dich bis ins Boudoir verfolgen!« Und wer sind das überhaupt, diese Intellektuellen?
Ein Nichts! Ohne ihn, Fleischhauers Jan.

»Irgendwo habe ich gelesen, dass mit Juli Zeh der klassische Intellektuelle auf die öffentliche Bühne zurückgekehrt sei. Nachdem es schon so aussah, als ob der Schriftsteller als moralische Kapazität mit Leuten wie Sartre oder Böll für immer verschwunden wäre […]«

Er hat irgendwo gelesen, daß… nicht Juli Zeh. Das wäre sicher ganz lehrreich gewesen.

»Der erste Versuch, die Politik aufzurütteln, verlief eher nicht so erfolgreich. Im September stand die Autorin mit ein paar Kartons voller Unterschriften schon einmal vor dem Kanzleramt, um die Politik zum Handeln zu bewegen«

Das war zu einem Zeitpunkt, als J.F. das Problem noch nicht einmal als solches begriffen hatte. Damals fabulierte Fleischhauer in seiner Kolumne »der schwarze Kanal« noch etwas über

»Die Angst vor dem Datenklau ist ein Thema für Leute, die andere Probleme schon hinter sich gelassen haben«

Um es einmal volkstümlich auszudrücken: Schöne Scheiße, Herr Fleischhauer, oder? Und jetzt unterschreiben Nobelpreisträger ganz ohne Sie.

Wer nun eine Generalabrechnung mit Juli Zeh oder einem der anderen Unterzeichner erwartet hatte, kennt Fleischhauer schlecht. Ohne merklichen Unsicherheit oder auch nur den Hauch von Zusammenhang kommt die rote Armee Fraktion zum Einsatz. Bestürztes zurückblättern des verwirrten Lesers (was habe ich jetzt schon wieder übersehen). Nein, nichts. Es gibt ihn nicht, den Zusammenhang. Satre. RAF, Böll, Linke. Das oder ähnliches scheint Fleischhauers Gehirn so beschäftigt zu haben, das er vollkommen vergaß, was er eigentlich schreiben wollte. Ein Blick in die Überschrift hätte gereicht! Aber nein: Es soll die rote Armee Fraktion sein. Darunter macht er`s nicht. Noch schnell ein Zitat gründlich aus dem Zusammenhang reißen und dann ist auch die Seite zu Ende.

Mit rutschenden Rädern und kreischenden Bremsen kommt Fleischhauer knapp vor dem Brückengeländer noch zum Stehen:

»Wer Zweifel an dem moralischen Sonderstatus äußert, den die mahnende Zunft für sich reklamiert, fällt sofort unter den Verdacht der Intellektuellenfeindlichkeit.«

Daran hat er nämlich massive Zweifel, daß die das überhaupt dürfen. So mir nichts, dir nichts mahnen. Diese Intellektuellen! Nichts gegen Intellektuelle: Mit dem richtigen Parteibuch gibt’s auch den Sonderstatus.
Und so tropft ihm inkontinent die gelbe Flüssigkeit des Neides für jeden sichtbar aus allen Poren.
Das Publikum schwieg ergriffen ein paar Minuten und fiel dann über ihn her:

»Anstatt die Ihnen von der Redaktion so großzügig zu Verfügung gestellten Zeilen zur Analyse der Notwendigkeit des Aufrufs der Schriftsteller zu nutzen, der übrigens in direktem Zusammenhang mit dem Hamburger Aufruf steht – ein Aufruf von Rechtsanwälten […]«

Da steht er, der Schlüsselsatz: »Anstatt die Ihnen von der Redaktion so großzügig zu Verfügung gestellten Zeilen […]«. Nicht nur dieses Mal. Jede Woche drückt Herr Fleischhauer das Niveau des Blattes ein Stück tiefer. Jede Woche. Unerbittlich. Und er tut es so unbegabt, daß es schmerzt.

Ich hab es diese Woche nicht lassen können, obwohl der verehrte Kollege Klaus Jarchow schon vorgelegt hatte. Wieder überaus lesenswert: Römpömpöm!

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0 Kommentare zu Armer Jan Fleischhauer

  1. flatter sagt:

    Ich bin ja nach wie vor der Meinung, über F. sollte man keine Artiel schreiben, und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann genau einen, damit sollte alles gesagt sein.
    Ich habe heute beim Spon reingeguckt – das mache ich im Schnitt vielleicht noch einmal die Woche in der Absicht zu erfahren, was der Boulevard so sagt – und sah diese Fratze sowie einen Teaser zu diesem Schmarrn. “Das ist eine Beleidigung”, dachte ich nur, “und ich lasse mich nicht beleidigen”. Damit ging ich zum nächsten Lesezeichen über.

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  2. pantoufle sagt:

    @flatter
    Hmm… ja… ich übe halt noch zu schreiben den Artikel zu benden alle Artikel über Fleischhauern.

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  3. genova68 sagt:

    Vielleicht hilft es weiter, wenn man sich Fleischhauers Humorverständnis anschaut:

    http://exportabel.wordpress.com/2009/06/04/fleischhauer-rechte-haben-humor/

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    • pantoufle sagt:

      Dir wollte ich auch noch verlinken, wo Fleischhauer eine humoristische Einlage in seinem aktuellen Artikel völlig aus dem Zusammenhang reißt und verballhornt oder aber gründlich missversteht. Das hätte der Troll »der Herr Karl« nicht dämlicher gekonnt. Aber leider ist sie heute wie durch Zauberei verschwunden. Keiner weiß wie, kein Hinweis, keine Spur.

      … und ich wollte es noch im Text zitieren – ich Idiot!

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  4. der Doctor sagt:

    Nun ja,es geht doch um einen Aufruf von Schriftstellern und Intellektuellen.Da hat doch fleischauer nichts zu suchen.

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  5. flatter sagt:

    @pantoufle: btw: Sagtest du nicht aus guten Gründen, der Fleischhauer sei raus? 😛
    Im Ernst: Der Mann beruft sich auf das denkbar widerlichste Nazipack (Karl Binding), das darf man nicht vergessen.

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  6. pantoufle sagt:

    @Flatter
    Oh, wie ich es hasse, wenn man mich zitiert! Den Rest hab ich nicht vergessen. Ich bin nicht nachtragend, habe aber ein Gedächnis wie ein Elephant.
    Wäre da nicht dieser Juckreiz, Trollen gelegentlich in die Fresse zu treten…. ich wäre um so viel glücklicher 🙁

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