Antrittsrede

Mit Betonung auf Tritt! Ich verfolge seit einigen Tagen die merkwürdigen Reaktionen, die jene unwürdige, dümmliche und desillusionierende Rede des neuen Innenministers Hans-Peter Friedrich im Netz hervorbringt. Sie ist es eigentlich nicht wert, überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden. Die einzig plausible Antwort habe ich heute von Stefan Sasse gelesen. Worum geht es mir?

Das Merkel musste eine Lücke füllen, die der Raubkopierer hinterlassen hat. Verteidigungsminister de Maizière ist sicher eine gute Wahl – es war ja auch kein anderer verfügbar, der auch nur halbwegs vorzeigbar war. Wenn dieser Posten ein potentieller Schleudersitz ist, hätte ich mir auch noch Kristina Schröder oder Frau von der Leyen vorstellen können, aber das hätte die Sache an sich auch nicht vorangebracht – das wäre nur für mein persönliches Vergnügen gewesen.

Bliebe also noch der Sessel des Innenministers: Hans-Peter Friedrich. Keiner kennt ihn – aber das macht nichts. Erstens war, wie bereits angedeutet, kein seriöser Kandidat zur Verfügung und zweitens ist er in der CSU. Das muß als Qualifikation reichen. Und was hat Friedrich bei seiner Antrittsrede gemacht? Er sagte, das der Islam historisch nicht zu Deutschland gehöre.

Das ist eine Behauptung, die Rudolf Carnap wahrscheinlich „babig“ genannt hätte – man könnte auch sagen: eine Nullaussage. Welches Deutschland? Das von 1871 bis heute? Das Reich Karl des Großen? Die Donaumonarchie mit ihrem Kaisertitel vom „heiligen römisches Reich deutscher Nation“? Genau an diesem Punkt beginnt meine Kritik an allen, die sich ernsthaft mit dieser der Aussage auseinandersetzen! Es ist der Mühe nicht wert! Friedrich hat sich diesen weder beweisbaren noch widerlegbaren Satz schreiben lassen, um klarzustellen, was wir von ihm erwarten dürfen – was auf uns zukommt. Es soll die “Frischzellenkur für die konservativen Seelen” werden. Wer das als Drohung versteht, hat aufgepasst.

In den ersten 48 Stunden, nachdem sein Name im Zusammenhang mit diesem Posten bekannt war, bemühten sich die Medien verzweifelt, irgend etwas über diesen Menschen herauszubekommen. Ergebnislos. Ein Blick auf Abgeordnetenwatch zeigen klar, was das für einer ist: Ein Jasager. Für jede mittelalterlich angehauchte Position ein klares „Ja“. Der Mann hat keine Vision – der hat ein Parteibuch! Seht es, wie es ist: Fefe meinte dazu, daß sich die Netzgemeinde auf etwas zwischen Eiszeit und Mittelalter einstellen kann. Recht hat er!

Diese Debatte von diesem und anderen  selbsternannten Konservativen über die jüdisch-christliche Kultur Deutschlands, die jetzt wieder verstärkt losbricht, ist grotesk! Alles, was die versuchen, daraus abzuleiten – nebbich! Das lasse man sich auf der Zunge zergehen: Deutsche rechtsstehende Parteien reden von einer gemeinsamen jüdisch-christlichen Kultur! Und die islamische Kultur gehöre nicht dazu – haben die aber ein Glück, das sie nicht die letzten 1000 Jahre kulturelles Erbe mit dem Judentum in Deutschland teilen mußten! Wenn Merkel, Westerwelle oder auch Friedrich auf die jüdisch-christliche Kultur ansprechen – welche Pogrome hatten sie denn da konkret im Auge? Haben die eigentlich ein einziges Mal während der letzten 40 Jahren ein Geschichtsbuch in der Hand gehabt? Oder stört es sie, daß Türken und andere Muslime nicht in Ghettos abgeschlossen leben, sondern mittlerweile ein Teil unserer Kultur sind?

Stattdessen schwafeln diese Damen und Herren von „Deutschland als Exportweltmeister“. Ist denen eigentlich klar, daß sie ihre ach so kostbaren Waren an „Ausländer“ verkaufen? Und die manchmal weder christlich noch jüdisch sind?

Wie Stefan Sasse so richtig bemerkt: In den 50` Jahren, als sich das Verhältnis zu Israel gerade zu normalisieren begann, wurden (unter anderem) türkische Gastarbeiter in unser Land gebeten, um hier zu arbeiten. Wir schreiben aktuell das Jahr 2011! Wenn das keine Geschichte ist!

Alles, was Innenminister Friedrich gesagt hat, ist eine dieser Sarazinaden, mit denen im Moment am rechten Rand bis zur „bürgerlichen Mitte“ Stimmen gefischt werden. Man hat nun Milliarden von Euros in die Pressekampagne „Islam=Taliban“ gesteckt: das muß sich jetzt langsam auszahlen.

Nun ja – er hat seinen Amtseid abgelegt: “Ich schwöre, das Grundgesetz und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe.” Mir wäre es lieber gewesen, er hätte es nach der alten Formel der DDR gemacht: “Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, die Verfassung und die Gesetze der Republik wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.”, anstelle den Hosenstall aufzumachen und an eine Hauswand zu pissen. Das Wort “Hardliner” muß man hier wohl so interpretieren, das der Strahl keine Krümmung auffweist.

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