Anspruch & Wirklichkeit

Correkt!v »Wir haben keine Angst vor den Konzernen und Mächtigen.« Im Header das Bild einer Dame, die entschlossen und investigativ ins Objektiv blickt.
Das liest sich einigermaßen komisch. Wieviel Geld hat dein Arzt von der Pharmaindustrie bekommen? Bei Correktiv.org kann man eine Postleitzahl in ein Fensterchen eingeben (sobald man den Browser auf Hackerspielwiese schaltet) und dann weiß man »Seid umschlungen Millionen!«

»Pharmakonzerne zeigen sich gern großzügig gegenüber Ärzten: Sie bezahlen sie für Vorträge, laden sie zu Kongressen ein, erstatten ihnen Hotelübernachtungen, honorieren sie für Anwendungsbeobachtungen. 575 Millionen Euro flossen auf diese Weise im vergangenen Jahr an mehr als 71.000 Ärzte und medizinische Einrichtungen in Deutschland. Nur 20.000 Ärzte sind aber einverstanden, daß ihr Name veröffentlicht wird.«

Ob der Name meiner Doktorschen wohl dabei ist? Ich bin ja nicht neugierig, aber interessieren würde es einen natürlich schon. »Wieviel Geld hat Dein Arzt/Heilberufler im vergangenen Jahr von der Pharmaindustrie erhalten?« Na Doktorsche? Gehörst Du zu den auskunftfreudigen? Ja, tut sie. Es sind sowieso alle Ärzte der Gegend vertreten und sie bekamen im vergangenen Jahr… Also was meine Daktari betrifft, so reicht das für eine Bahnfahrt zweiter Klasse in die Bundeshauptstadt und zurück. Vielleicht noch eine Zeitung und eine Bratwurst auf die Hand. Hmmm! Ein gerade noch dreistelliger Betrag plust 28 Cent. Aber vielleicht hat sie ja eine Bahncard50. Ich werde sie beim nächsten Mal ganz unauffällig fragen.

Dort ist die halbe Milliarde Euro also nicht versickert. Bei den anderen Heilern und Schamanen der Nachbargemeinden übrigens auch nicht. Wie gesagt: Ich bin eigentlich überhaupt nicht neugierig, aber…

Nun ist der Chefredakteur der Schrottpresse im Nebenberuf selbstständig. Ein mäßig florierender Einmannbetrieb mit viel Arbeit und wenig Einnahmen. Zusammen mit dem Redakteursposten reicht es gerade so, aber auch nur gerade eben. Natürlich habe ich auch Nebeneinnahmen. Ich benutze auf einer Tournee das Produkt von Gigastecker mit der Software von Neverfail und wenn die Arbei zu Ende ist, darf ich es vielleicht behalten. Die monopolistischen Großkonzerne meiner Branche haben mich so den letzten Jahren mit Beträgen von mindestens und 45 Cent gekauft! Etwa soviel wie meine Ärztin und bei meinem liebsten Baustoffhandel bekomme ich 10%. Das darf man wirklich keinem erzählen! Der Rabatt bei Ziegel-Horst (Fenster, Bausteine, Erden) hat wenigstens bei den letzten Fenstern die Bestechungsgelder der Doktorschen weit übertroffen. Ich bin ein Wurm!, ein elender, bestechlicher Wurm!

»So findest Du Pharmaverstrickungen Deines Arztes.« Nö, so eben nicht! Diejenigen, die mit der Weitergabe ihrer Daten bei diesem fragwürdigen Service von Corrctiv zugestimmten, habe nicht viel zu verbergen. Undurchsichtig bleibt unter anderem, wofür Doktor Heileheile in Winterhude, Hauptgasse 6b, die 233,25 € bekam. Transparenz geht anders.
Keine Angst vor den Mächtigen? Unabhängig davon wieviele Ärzte mit der Veröffentlichung dieser Daten einverstanden waren: Die eigentliche Antwort liegt bei den 54 angesprochenen Pharmakonzernen und Firmen im Aktenschrank. Selbstverständlich sind Beträge wie der in einem Beispiel bei einem »transparenten« Arzt angeführte von 200.000 € mehr als erklärungsbedürftig. Aber das ist nur halb so interessant wie die nach dem edlen Spender und seinen Beweggründen.
Das ist wohl auch Correctiv aufgefallen:

»Der „Physician Payments Sunshine Act“ ist ein Gesetz der US-Regierung unter Barack Obama aus dem Jahr 2010. Es verpflichtet alle Pharmaunternehmen, Summe und Namen der Ärzte zu veröffentlichen, an die sie im vergangenen Jahr Geld gezahlt hatten – und zwar ohne, daß die Ärzte zustimmen müssen.«

Na, dann muß man wohl doch an die Mächtigen ran. Placebos wie das anständige Abendessen eines Landarztes mit seiner Frau bringen niemanden weiter.

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3 Kommentare zu Anspruch & Wirklichkeit

  1. epikur sagt:

    Eine kurze Recherche darüber, wie sich correctiv.org finanziert, lässt so manchen mit den Zähnen klappern: Google, die Deutsche Bank, die Open Society Foundation von George Soros, RTL, die Brost-Stiftung (Bodo Hombach: Agenda-2010-und-Schröder-Kumpel) und viele weitere private Stiftungen, Unternehmen und Konzerne. Und natürlich: die Bundeszentrale für politische Bildung. Außerdem soll correctiv.org Facebook von vermeintlichen Fake News „befreien“ helfen, also Social-Media-Zensur betreiben. Im Aufsichts- und Ethikrat von correctiv.org sitzen dann auch nur die üblichen Mainstream- und System-Journalisten.

    Das stinkt doch alles hinten und vorne. Auch das NGO-Deckmäntelchen sollte nicht über die Interessen der Geldgeber hinweg täuschen.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin, Epikur

      Den Teil der Geschichte habe ich bewußt außer Acht gelassen. Die »Fake-News-Controlle« von Google unter anderem durch Correctiv und ihre zweifelhafte Unabhängigkeit ist ein anderes Thema.
      Wo wir gerade bei Ärzten sind: 2013 haben »Ärzte ohne Grenzen« eine 300.000€ Spende von Peer Steinbrück dankend abgewiesen, 2016 geschah das selbe bei knapp 50 Millionen Euro von EU-Geldern. Die Personen und Organisationen würden den Werten und Prinzipien von Ärzte ohne Grenzen widersprechen. Verglichen damit watet Correctiv bis zu den Hüften im Sumpf.

      Beschämend finde ich – und darum ging es mir – den Betrag von einer halben Milliarde Euro gegenüber dem Namen und Adresse eines Landarztes, dessen »pharmaverstrickung« pro Jahr 142,22€ beträgt. Das wird von jedem Handwerker, Tante-Emma-Ladenbesitzer oder Handelsreisenden um Zehnerpotenzen getoppt. Anspruch & Wirklichkeit: Wir recherchieren für die Gesellschaft! Gemeinnützig, unabhängig, investigativ.

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      • epikur sagt:

        Ich stimme Deinem Artikel ja zu und widerspreche im Kern gar nicht. 😉 Ich finde aber schon, dass man den Finanzierungsaspekt eben nicht außer Acht lassen darf. Da bleibt dann nämlich wenig bis gar nichts von „investigativ“, „unabhängig“ und „glaubwürdig“ übrig. („Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“). Die sind für mich jedenfalls keine glaubwürdige oder gar unabhängige Quelle. Eher so eine Art NGO-U-Boot im Dienste des Kapitals.

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