Anmerkung zu Enzensberger

Hans Magnus Enzensberger? Das ist doch der, der gelegentlich seine Meinung wechselt. Sehr sympathisch – die Richtung ist es gelegentlich nicht. Wirklich interessiert hat er mich zugegebenermaßen niemals wirklich. Sein lyrisches Œuvre ging an mir vorbei und nur weil er mit der Gruppe 47 zu tun hatte, braucht man ihn auch nicht zu mögen.

Seinen letzten Kommentar in FAZ, der einen kleineren Shitstorm auslöste, mag ich allerdings sehr. Enzensberger warf ein paar Thesen in den Ring: Schmeißt Eure Scheißhandys weg inklusive der Kreditkarten und internetfähigen Zahnbürsten, kauft mal wieder beim Höker um die Ecke und schmeißt vor allem nicht mehr so viel weg. Da glühten aber die Batterien der Wischware, so sie gerade »Netz« hatten! »Einfaltspinsel«, »wenig Ahnung vom realen Leben«, »Pferdekutschennutzer«, »völlig undurchdachte Herangehensweise« und dergleichen mehr.
Vor allem aber die Sache mit den Mobil-Telephonen: Das haben sie ihm richtig übelgenommen! Die darauf folgende Diskussion war im Ablauf vollkommen vorhersehbar. Wenn die Generation Internet etwas übelnimmt, dann jedwede Kritik an ihren Spielzeugen. So weit, so langweilig.

Nun hatte Enzensberger allerdings einen Grund für seinen Appell und der geht im Getöse ein wenig unter. Nur einmal gesetzt den Fall, all die Aufreger, Skandale und Krisen, die uns mindestens einmal in der Woche durchschütteln, träfen diejenigen, die sich unter Aufschrei mit Hashtag darüber auslassen, tatsächlich so tief ins Mark, wie sie so gerne vorgeben: Was sind die Menschen eigentlich bereit aufzugeben, wenn sie sich von der NSA bespitzelt, Behörden schikaniert und Konzernen gegängelt sehen? Wie weit geht die Liebe zu den bürgerlichen Freiheitswerten tatsächlich? »Ich tue alles für eine bessere Welt! – nur auf meine OBI-Kundenkarte kann und will ich nicht verzichten!« Ist damit bereits die Grenze der Leidensfähigkeit erreicht? Liest man die Kommentare, die im Moment im Netz herumschwirren, so kann man diesen Eindruck bekommen. Von heiligen Kühen wie Smartphones, die ganze Bevölkerungsschichten in autistische Vollidioten verwandeln, mag man gar nicht beginnen; süffisanterweise setzte Enzensberger genau dies an den Anfang seiner Aufzählung.

Der Vorwurf der Technikfeindlichkeit, einer Pferdekutschenmentalität gegen Enzensberger trifft es nicht. Es ist ja nicht die Entdeckung der Kugelgestalt der Erde, der Buchdruck und die Einführung des Automobils in einem Menschenalter. Zwischen diesen »Revolutionen« lagen viele Generationen. Generationen, die sich in Ruhe überlegen konnten, ob es sich dabei um Fortschritt handelt. Kopernicus ist nicht deswegen verboten worden, weil er das heliozentrische Weltbild propagierte: Er kam auf den Index, weil seine Beweise teilweise so grottenschlecht waren. Er hatte die Idee – bewiesen haben es andere und das erst sehr viel später.
Bei der Innovationsdichte der letzten 35 Jahre fragt mittlerweile niemand mehr nach Sinn und Nutzen. Da werden komplette historische Archive digitalisiert, um nach 10 Jahren festzustellen, daß es entweder keine Lesegeräte, Betriebssysteme oder Programme mehr gibt, um es zu entziffern – was es auch nicht gibt, sind Stimmen, die so ein System in Frage stellen. Der Buchdruck hat sich nicht deswegen durchgesetzt, weil es Massenherstellung ermöglichte, sondern eine neue Möglichkeit der Archivierung darstellte. Nämlich eine ortsungebundene. Thomas Morus »Utopia« auf dem Kindle-Reader… was für eine groteske Vorstellung!

Enzensberger argumentiert nicht technikfeindlich: Er stellt die Frage, ob uns eine Technik feindlich gesinnt ist – eine Frage, die erheblich zu selten gestellt wird. 1939 ritten polnische Kavalleriebrigaden Attacken gegen deutsche Panzerverbände. Das war immerhin mehr als 50 Jahre nach Erfindung des Automobils. Die Erfindung des iPhones ist 7 Jahre alt und angeblich integraler Bestandteil des sozialen Lebens.
Ist eine humanoide Existenz ohne Kühlschrank mit Netzwerkanbindung denkbar?

Und er stellt eine sehr bedeutende Frage: Welchen Teil, welches Maß an technischen Errungenschaften und deren Unsinn oder Manipulationsvermögen in sozialen Bereichen sind wir bereit, widerspruchslos hinzunehmen. Ohne zu fragen. Wir haben uns angewöhnt, technischen Fortschritt mit sozialem gleichzusetzen. Das hat Jahrhunderte verhältnismäßig gut funktioniert, aber es ist kein ehernes Gesetz. So wenig wie eine ewige Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen oder dem unendlichem Wachstum. Der Erddurchmesser beträgt im Mittel ca. 12.742 Kilometer, egal , ob die Erdbevölkerung zwei oder 12 Milliarden Menschen beträgt. Und vom existentialistischen Standpunkt betrachtet, brauchen sie alle kein Smartphone.

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0 Kommentare zu Anmerkung zu Enzensberger

  1. juergengerdom sagt:

    Unfug. Ich lebe 12.500 Kilometer von der alten Heimat entfernt und bin dennoch in ständigem Kontakt zu meiner lieben Schwester und arbeite an einem Projekt mit, das ebenso weit entfernt ist. In meiner Kindheit musste ich selbst auf Mallorca drauf hoffen, dass es am späten Nachmittag wenigstens die Bild-Zeitung gab; heute lese ich morgens als erstes die deutschen Nachrichten und Kommentare in Mittelamerika nicht anders, als wäre ich in Düsseldorf. Ich sitze aber nicht den ganzen Tag am Rechner, möchte ich auch nicht, also habe ich meinen Rechner in der Hosentasche. Ein Hoch auf die Technik! Es gibt Blöde, die das Gerät nicht mehr weglegen können und selbst bei einem netten Abend mit Freunden ständig ständig aufs Display starren? Es gibt auch Leute, die zu viel saufen, mir schmeckt mein Roter dennoch.

    Was ich an der Herangehensweise der Kritik nicht schätze, ist aber das: Die Technik per se ist keinesfalls böse, deren Missbrauch ist es. Die Aufforderung, wegen NSA, GCHQ und all den kleinen Erfüllungsgehilfen das Smartphone wegzuwerfen (zum Beispiel) ist nichts anderes als die Kapitulation davor, dass die Staaten ja eh machen, was sie wollen. Ich denke nicht daran.

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  2. Duderich sagt:

    Na ja, die Forderung, dass die angegebene Einstellung in Konsequenzen münden sollte ist aber auch echt mal unpopulär! 🙂
    Ich selbst bin z.B. gegen Massentierhaltung und esse (nicht nur Kobe-) Fleisch.
    Ich bin gegen die Ausspähung meiner Kommunikation, öffne aber mit Internet und Handy selbst alle Türen und Tore meiner Ausspähung.
    Aber auch, wenn ich und andere, an diesen Ansprüchen scheitern (fremde und eigene), so heißt das nicht, dass diese Forderungen nicht gerechtfertigt wären. Und es sollte nicht der Anlass sein zu glauben, eigene inkonsequente Handlungen plump rechtfertigen zu müssen.

    Grüße,
    Duderich

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    • juergengerdom sagt:

      Du missverstehst meinen Gedanken grundsätzlich: Ich esse kein Fleisch, weil dafür Tiere misshandelt werden. Direkte Kausalität.

      Die Ausspähung via IT aber ist ein Missbrauch, der nicht in der Technik per se angelegt ist. Wir haben uns einfach daran gewöhnt, dass Regierungen alles tun, was technisch machbar ist, und das so sehr, dass wir es vernünftig finden, eher von uns Verzicht auf die Technik zu erwarten als von unseren Regierungen zu verlangen, sie sollen das gefälligst unterlassen und sich rechtskonform verhalten. Die schaffen die freiheitliche Grundordnung ab und wir antworten: Ja, dann sollten wir lieber flüstern und aufpassen, wer hinter uns steht, wenn wir schlau sein wollen. Das sehe ich nun gar nicht so.

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      • Troptard sagt:

        ‘Ne logische Konsequenz Deines ersten Satzes wäre: Ich benutze diese Technik nicht, weil dafür Menschen/Kinder in den abgehängten Ländern unter erbärmlichsten Bedingungen dafür arbeiten und ihre Gesundheit ruinieren, damit Menschen wie Du feststellen, dass diese Technik nicht per se schlecht ist, sondern nur eines vernünftigen Umgangs bedarf.
        Kriegstechnologie hat sich im Nachhinein immer dadurch rechtfertigen können, dass sie den Nutzen auch im Zivilen nachgeliefert hat. Dadurch ist die ursprüngliche Intention aus dem Bewusstsein verschwunden ( Atomwaffen- friedliche Nutzung der Kernernergie, Navi zur Ausspähung feindlicher Ziele- heute zur Ortsorientierung, Internet zur Optimierung ökonomischer Kommunikation- heute Kontrolle des Bürgers usw..)

        Die zwei seiten dieser Technologie werden von den Abhängigen gerne ignoriert und Menschen, die dagegen Einspruch erheben schnell als technikfeindlich diskriminiert oder wie von Dir, das Thema auf eine andere Ebene geschoben. Die Abhängikeit zeigt sich für mich gerade darin, dass der Nutzen der neuen Technik nicht bestritten werden darf, sondern dazu aufgefordert wird den Missbrauch zu bekämpfen.

        Und hier liegt Enzensberger sowohl richtig als auch falsch. Diese Bereitschaft ist nicht vorhanden, weil diese “neuen” Technologien ein Suchtpotential enthalten, andererseits nur der Entzug von der Sucht davon befreien kann.

        Wer mit offenen Augen noch durch seine Umwelt gehen kann, der erkennt sofort, dass die Menschen weit entfernt sind von sich selbst. Wer kennt nicht dieses ständige Gefummel an den Handys. Familien in Restaurents, wo der Computer auf dem Tisch steht, die Kinder das Handy befummeln, jeder mit seinem elektr. Spielzeug beschäftigt, Unterhaltung Fehlanzeige!

        Deine Argumentation erinnert mich doch sehr an das Pädagogengeschwafel. Erst werden die neuen Techniken in den Himmel gelobt, dann werden Abhängikeiten festgestellt und ein neues fruchtbares Arbeitsfeld, das heisst dann der vernünftige Umgang mit den “Neuen Medien”.

        Ich bin so froh, dass ich auf vieles davon verzichten kann! Selbst eine Armbanduhr ist mir an meinem Handgelenk lästig geworden, der Fernseher ist auf der Mülldeponie gelandet, Handy hatte ich auch mal. Den Rest kenne ich nicht, dafür meine Tochter umso mehr.

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        • juergengerdom sagt:

          Am Anfang von ‘Easy Rider’ streift Fonda die Armbanduhr ab und wirft sie in den Staub, bevor er den Gang einlegt. Da dachte (und denke immer noch): Der Glückliche!

          So glücklich bin ich, muss ich doch unter anderem Geld verdienen. Hier und jetzt, zu Regeln, die nahezu ausschließlich nicht durch mich definiert werden. Wenn ich mal damit fertig bin und mich in eine Hängematte legen kann, mach ich’s wie du.

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  3. Duderich sagt:

    @juergengerdom:
    Mein Kommentar bezog sich auf den Eingangskommentar.

    Übrigens: Kann man denn nicht berechtigte(!) Forderungen stellen und GLEICHZEITIG sein eigenes Handeln hinterfragen?
    Wenn darin ein Widerspruch liegt, dann sehe ich den nicht…

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  4. Joachim sagt:

    pantoufle, könntest Du mal was bringen wo ich widersprechen kann?

    Wir sollten bedenken:
    Enzesberger erhebt keinen Absolutheitsanspruch und wendet sich klar und deutlich an eine Zielgruppe. Zitat:

    “Für Leute, die keine Nerds, Hacker oder Kryptographen sind und die Besseres zu tun haben, als sich stündlich mit den Fallgruben der Digitalisierung zu befassen,”

    Mancher hat etwas Besseres zu tun als digitale Selbstbefriedigung. Das sage ich, der Software, etwa WDM-Treiber für Win, entwickelt.

    Technik hat eine wirtschaftliche Dimension (Google, Facebook, aber auch die Ereignisse um Nokia), eine politische Dimension (etwa ACTA, NSA,staatliche Kontrolle) und damit eine gesellschaftliche Dimension. Die Funktionalität der Technik ist dabei nur ein Mittel zum Zweck. Die Wirtschaft würde auch ihre Oma verkaufen … Nein, anders: wer süße Getränke managen kann, der kann auch Technik verkaufen. Nur ehrlich, wer braucht schon süße Getränke? Es gibt Menschen, denen fehlt das Wasser – und denen Verkaufen wir dann was?

    Da stehen zwei Interessen teilweise gegeneindander. Die Interessen der Politik/Wirtschaft müssen nicht die der Gesellschaft sein. Praktisch haben wir heute Vor- und Nachteile. Wir erkaufen die Technik nicht nur mit Geld sondern auch mit unseren Daten (und übrigens auch mit unserer Umwelt und der sozialen Situation der Menschen – am liebsten mit der, die weit weit weg ist).

    Das ist nicht besonders neu. Schon Orwell erklärte uns den Televisor. Wir wissen, dass der große Bruder lauscht und zucken einfach nur mit den Schultern.

    Wirtschaft drängt in die Gesellschaft und der Regulativ ist die Marktwirtschaft. Die Gesellschaft, der Mensch aber funktioniert trotz Demokratie und Aufklärung noch wie vor 10000 Jahren. Was ist nochmal ein Browser? Internet ist Neuland. Das Smartphone hat auch etwas von Glasperlen für die Eingebohrenen. Das Netz hat auch etwas von Brot und Spielen.

    Enzensberger sagt: “Mit diesen simplen Maßregeln kann das politische Problem, vor das die Gesellschaft gestellt ist, natürlich nicht gelöst werden.”

    Wie wahr. Ich gergänze: Echter Fortschritt ist der Fortschritt im Kopf. Und den müssen wir uns selbst und primär erarbeiten. Allerdings kann man auch weiter schlafen…

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  5. Stony sagt:

    Ich muß Joachim beistimmen und mich wiederholen: bei solchen Texten fällt der ‘Totalverriß’ schwer (man müßte schon ein Schlangenmensch sein, um sich so zu verbiegen); ebenso das Umschiffen von Lobhudelei und Huldigung (okay, etwas hoch gestochen). Gieb uns gefälligst Punkte an denen wir wenigstens mit einem >b>aber ansetzen können, Pantoufle! 😛

    Wie das geht, macht Joachim dir vor (ich hoffe doch das war Absicht!?) und ich nehme mir die Freiheit die ‘Vorlage’ zu nutzen – auf die Gefahr hin mich zu blamieren – vllt. aber auch nicht.

    Wirtschaft drängt in die Gesellschaft und der Regulativ ist die Marktwirtschaft.

    Die Wirtschaft drängt nicht in die Gesellschaft, ich meine eher, daß sie von je her, präziser: seit es sowas wie Handel gibt und dieser wichtig war/ist (paar tausend Jahre imo?) den Rahmen für Gesellschaften und deren Struktur maßgeblich, wenn nicht gar völlig, bildet. Maßgeblich, zu lesen als ‘Maß vor gebend’, deshalb, weil alles in dieser Gesellschaft dem Gedanken der Nützlich- und Verwertbarkeit unterliegt. Selbst da, wo Bildung, Geselligkeit, Humanismus etc.pp. ins Spiel kommen, läßt sich imo dieser Nützlichkeitsgedanke schlecht verleugnen: ‘es muß für etwas gut sein’.
    Gleiches gilt für die Regulative: auch sie haben eine Absicht, die in einer Nützlichkeit gründet; Marktwirtschaft (die Illusion eines gebändigten Kapitalismus) als Regulativ, um die Geschwindigkeit des ‘Allesfressers’ zu verringern, das Spiel länger am Laufen zu halten. Die ‘Teilnehmer’ einer Gesellschaft, die ernsthaft meinen da noch ein Wörtchen mitreden zu können, gar ‘aufzusteigen’ in höhere Gefilde von Macht und Reichtum (Ausnahmen als Paradebeispiele: ‘Seht ihr, funktioniert doch!’). Das mit dem stetigen Abbau der Regulative eine Verschärfung der Situation einhergeht ist offensichtlich.

    Echter Fortschritt ist der Fortschritt im Kopf. Und den müssen wir uns selbst und primär erarbeiten. Allerdings kann man auch weiter schlafen…

    Eigentlich d’accord, aber: Ich gebe zu bedenken, daß dieser Fortschritt vor allem ein Überwinden der Strukturen die uns präg(t)en sein sollte – nicht nur der wirtschaftlichen, sondern auch (mglw. vor allem) der gesellschaftlichen: Politik und Kultur, Nationalismen und v.a. was trennend wirkt – womit ich nicht für Gleichmacherei plädiere, sondern für ein Bewußtsein, welches sich der Reize und Freuden von Vielfalt, im Gegensatz zu Abgrenzung und hierarchischer Bewertung, verschreibt.

    Gerade das Letztgesagte möchte ich nicht als despektierlich gegenüber dir, Joachim, verstanden wissen; was ich hier schreibe kann man ja durchaus in deine Aussage hinein lesen, nur das herauslesen fällt mir nicht so leicht. Am Ende sind wir wahrscheinlich eh auf einer ähnlichen Linie, zumindest bilde ich mir das ein, alldieweil ich ansonsten wirklich nichts vernünftigerweise auszusetzen habe (wie so oft!). 😉

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    • Joachim sagt:

      Hi Stony,
      ich sach mal nix. Ich fürchte wir verstehen uns.

      Also Kontra: Die Wirtschaft drängt förmlich gewaltsam in die Gesellschaft. Du musst unbedingt immer das neueste XYZ haben müssen. Du musst Werbung akzeptieren sonst bist Du Raubmörderkopierer. Du musst auf Dein Recht der Privatkopie verzichten, trotzdem Urheberrechtsabgaben zahlen. Du darfst Werbung niemals überspringen und wenn Du in die Hose machst (hätte ich fast gesagt). Du musst den Sch…. im TV sehen. Du musst eine Abbuchungserlaubnis, also den direkten Zugriff auf Dein Konto erteilen, sonst gibt es nicht einmal ein Autokennzeichen. Ja ja, Du darfst widerrufen, sogar das TV, Handy ausschalten. Alles streng nach Recht und Ordnung tut das niemand. Snickers anyone? Oder ein Küsschen?

      Die Liste ist endlos.

      “Wir wollen doch nur Dein Bestes” – nämlich Dein Geld und dazu schaffen wir Gesetze, Meinungen, Märkte und Bedürfnisse, Demokratie hin oder her. Den haben wir Geld, so hast Du Arbeit und dann geht es uns gut. Seltsam, Depressionen nehmen zu, Hunger nimmt zu, Kriege nehmen zu. Hat jemand eine Ahnung was ein I-Phone mit der Überfischung vor Afrika zu tun hat? Ich sage es Euch: es ist die Farbe der Hülle. Warum? Weil ihr Euch darüber mehr Gedanken macht als über Menschen. Aber Hauptsache uns geht es gut.

      Okay, okay, es stimmt, die meisten Reichen, selbstverständlich gerade die massive Überzahl der CDU/CSU-Wähler sind vollkommen anders. Doch im Notfall ist einem immer das eigene Fell näher. Und das rückt besonders nahe, wenn jemand, wie damals Ackermann meint, wer nicht 20% Gewinn macht der sei selbst Schuld. Man will ja nicht blöde sein und computergesteuerte Märkte sind sehr weit entfernt von den Auswirkungen von Lebensmittelspekulation oder Kinderarbeit. Die massive Überzahl schmilzt sehr leicht wenn es um das eigene Geld geht. Und wenn ich es nicht mache, dann tut es jemand Anders?

      Der Regulativ der Marktwirtschaft reicht nicht. Der reicht nicht, wenn menschliche Kompetenz versagt. Ich sage nicht, dass sie immer versagt. Ich sage nur, dass Wenige den weitaus größten Schaden anrichten. Wir mögen alle gleich böse sein. Nur Manche haben die Ressourcen das auch auszuleben. Manche können einfach Blödsinn kaufen. Warum? Weil sie es können.

      Wir brauchen den Fortschritt im Kopf, auch wenn ich Nietzsches Idee vom Übermenschen hasse. Das ist nicht der Fortschritt der Technik, der Logik oder der Wissenschaft und schon gar nicht des Glaubens. Fortschritt erhebt uns nicht unserer Verantwortung. Fortschritt garantiert schon gar nicht, dass irgend etwas besser wird, schon gar nicht wenn der Geist nicht mitwächst. In der Regel verfügen wir nicht um das Wissen die Dinge wirklich nachzuvollziehen. Deshalb glauben wir an Technik, an die Unfehlbarkeit von Datenbanken, Vorratsdaten, Gesundheitsdaten, Gen- und Terrordatenbaken und eine Logdatei (IP-Adresse) ist nicht zu fälschen, definiert Täter “beweissicher” weil das sagt ja der Computer (oder die Medien). Deshalb sind wir so manipulierbar und davon macht die Politik Gebrauch, genau so wie sie selbst das Opfer ihres Aberglaubens ist. Wir Glauben und deshalb nageln wir uns ein Handy ans Ohr oder stehen auf whatsapp und facebook. Wir jubeln “yes we can”. Nur was wir können, das verstehet niemand. Um mich vollständig unbeliebt zu machen: man siehe nur die Diskussion hier.

      Dieser Fortschritt ist Aberglaube. Der wirkliche Fortschritt gehört in den Kopf und das ist die Erkenntnis, dass die Dinge voneinander abhängen. Daraus folgt soziale Kompetenz und Kooperation.

      Enzensberger hat einfach Recht. Mit Technikfeindlichkeit hat das aber auch gar nichts zu tun. Er sagte es sogar sehr nett: Mach Deine Hausaufgaben! Oder lass die Finger von den Dingen, von denen Du nichts verstehst. Sonst bist Du im Eimer. Brauchst gar nicht noch rumzuheulen.

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      • Stony sagt:

        Deine Antwort macht mich sehr nachdenklich, weil ich ihr aus tiefstem Herzen zustimmen muß. Eigentlich. Denn mit der konkreten Umsetzung des lange Verstandenen hab ich so meine Probleme. Eigentlich müßte/sollte man dies und das und jenes … dann kommt die Einsicht: was nützt es, ich bin doch nur ein Tropfen im Ozean, obgleich selbst die Kleinigkeiten etwas ausmachen und ‘jede Reise mit dem ersten Schritt beginnt’ (sorry dafür!). Es ist leicht da in Starre zu verfallen, bzw. einfach mit dem Strom zu schwimmen.

        Dabei habe ich es noch leicht, ohne Kinder, ohne die Verantwortung ihnen eine lebenswerte Welt hinterlassen zu wollen – wobei mir persönlich eigentlich wichtiger erscheint, was für Kinder ich dieser Welt hinterlassen würde!
        [Kinder – ein zwiespältiges Argument wie mir scheint, gerade für Eltern, Motivation und Hemmnis in einem.]

        …ein Haufen von ‘eigentlich’ und kaum gezogene Konsequenzen… :-/

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        • Joachim sagt:

          Ups, das fällt mir jetzt schwer. Es wird pathetisch. Der Rest dürfte sich lange ausgekinkt haben. Nun, wenn wir schon so weit sind, dann ist sowieso nix mehr zu verlieren. Gewissermaßen ist das also eine private Nachricht – vielleicht nur an mich selbst und ich rede mich raus, Du hättest den Level gewählt.. Also:

          Die konkrete Umsetzung ist da, wo es um Menschen geht. In der Firma, im Supermarkt, bei Deinen Freunden oder Deinen “Feinden”. Mit Technik hat diese Umsetzung nichts zu tun.

          Wer bist Du (gemeint bin ich!), der fordert mehr als ein Tropfen zu sein, der fordert Macht zu haben die Dinge zu ändern?

          Ich will nichts ändern. Ich will, dass es so ist, wie es wirklich ist und nicht so, wie man es uns einreden möchte. Du sagst mir jede Reise würde mit dem ersten Schritt beginnen. Wollen wir? Wirf das Handy weg oder besser: denke darüber nach.

          Wie man die Welt verändert, besser, lebenswerter macht? Einstein. Der brachte kleinen Kindern auf der Straße Mathematik bei. Enzensberger schrieb den Zahlenteufel. Was bedeutet schon e=mc² gegen das Potential eines Kinds.

          Friede.

          That’s it. So easy.

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          • pantoufle sagt:

            Der Rest dürfte sich lange ausgekinkt haben.

            Nö – ich lese noch mit Gewinn mit.

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          • juergengerdom sagt:

            Ich auch.

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          • Stony sagt:

            Hmmm, schuldig im Sinne der ‘Anklage’, was werd ich auch auf niedrigem Level konkret… 🙂

            1. Festnetz-Telefon: 15yo
            2. PC: >4yo … (das Windoof drauf läuft seit dem ersten Tag und mußte nie erneuert werden – was anderes nutz ich nicht weil: zocken hin und wieder)
            3. Händy (“Do you still say HÄÄÄNDY? Realy? *örgs*): >5yo … kein Schnickschnack, kein GPS, aber auch keine Möglichkeit zu verschlüsseln … wird aber auch kaum benutzt, ist ‘nen besserer Wecker und für Notfälle (Telefonzellen auf der Landstraße machen sich komischerweise immer nachts um 3 äußerst rar, wenn man grad mit ‘ner Panne liegengeblieben ist)

            Technik wird dann ausgewechselt, wenn nötig (weil kaputt); Neuanschaffungen (zuletzt ‘ne Kamera, ich Schwein!) sind selten, Trends gehn mir am Arsch vorbei. Ist noch nicht viel, aber ein Anfang. Ansonsten bin ich Vegetarier (der Niemandem damit auf den Sack geht) und versuche nichts einzukaufen, was erstmal um die halbe Welt geshippert werden muß.

            Was fehlt ist konkrete Einflußnahme bei Kids. Das Vorhaben Lehrer zu werden hab ich kurz vor Schluß gecancelt, Teil dieses beschissenen Systems wollte ich dann doch nicht (mehr) werden, was vor allem auf Erfahrungen in Verwandschaft und Bekanntschaft zurückzuführen ist. Das einzige was ich noch mache ist ‘subversiv’ ein wenig Wahrheit (was ich dafür halte) unter Kollegen und Sonstigen zu streuen, mit mehr oder minder Erfolg. Im großen und ganzen schau ich eher zu wie die Welt sich dreht und versuche den dunkelbunten Blues nicht Überhand nehmen zu lassen, Humor bewahren und möglichst wenig Schaden an meiner Umwelt anzurichten (und an dieser zu nehmen).

            Damn, that’s it.

            Nächstes Mal überleg ich mir besser was ich frage! 😀

            [Ps: ich grüble viel über mich und die Welt, meist ohne Absicht anwendbare Ziele zu erreichen – ich war eins dieser nervigen Kinder die immer wieder ‘warum’ fragten, bis es nach dem dritten ‘Darum!’ ‘ne Schelle gesetzt hat – viel geändert hat sich daran nicht (abgesehn von Verfeinerungen der Fragen). Ich kann für mich (abgesehen von Technik evtl.) keinen Punkt akzeptieren ab dem, mehr oder weniger “willkürlich”, festgelegt wird: ‘So ist es! Ab hier mach jetzt…’ Ich perspektiviere so vor mich hin und auch, oder gerade, deshalb schätze ich Seiten wie die hiesige so und Kommentare wie deine.]

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  6. Thelonious sagt:

    @juergengerdom: Das ist genauso undifferenziert wie der Enzensbergersche Kommentar. Natürlich erleichtern Smartphone und PC die Kommunikation. Sie haben einen praktischen Nutzen. Aber für wen ist dieser wirklich und in welchem Maße relevant? Für dich ganz sicher in ganz großen Teilen. Sowohl beruflich als auch privat. Damit gehörst du jedoch zu einer Minderheit.

    Gehe ich jedoch von meiner Lebenswelt aus, wird die ganze Sache schon ein wenig komplizierter. Beruflich brauche ich einen PC mit Netzanschluss, ein Notebook für unterwegs. Auch ein Handy. Ich muss erreichbar sein, denn ich arbeite freiberuflich. Ein Smartphone? Eher nicht. Mails beantworte ich grundsätzlich nur, wenn ich eine echte Tastatur vor mir habe. Zudem gibt es keine mail, die nicht auch ein paar Stündchen liegen bleiben kann.

    Eine Navigationssoftware, bei der mein Standort irgendeinem Server, den ich nicht kenne, mitgeteilt wird? Ich hoffe doch, dass der Lokomotivführer, der Pilot, der Bus- oder Taxifahrer wissen, was sie tun. Mein Auto bekommt vermutlich einen irreparablen Schock, wenn es eine Strecke von mehr als hundert Kilometern zurücklegen muss. Dieses Feature kann ich als getrost streichen.

    Brauche ich unterwegs den Zugriff auf online-Magazine? Obwohl ich Journalist bin folgt hier ein definitives: „Nein“. Schließlich kann ich abends im Hotel, wenn ich denn noch lustig bin, immer noch per Laptop ins Netz. Das klappt in Europa genauso wie z.B. in Afrika oder Asien.

    Muss ich die Schrottpresse auf dem Smartphone oder vom Laptop im Zug erreichen können? Wie sieht es aus mit youtube, facebook oder anderem? Nein, eine online-Verbindung ist für mich auf Reisen absolut unnötig. Die Reisezeit ist für mich Arbeitszeit. Geschrieben wird offline.

    Weshalb besitze ich dann trotzdem ein Smartphone? Ich könnte darauf verzichten. Ein einfaches Handy tut es auch. Zumal ich nicht einmal simmse. Zu meiner Entlastung kann ich nur sagen, dass ich das Ding von meinem Sohn „geerbt“ habe, da dieser sich ein Neues zulegen wollte.

    Im privaten Bereich sieht es dann noch dunkler aus. Sämtlich große Tageszeitungen Europas bekomme ich ab Mittag beim Bahnhofskiosk. Ich bin auf ihre online-Auftritte eigentlich gar nicht angewiesen. Ich nutze sie trotzdem und hinterlasse meine Daten. Unnötig. Skype oder ähnliches? Seit mindestens zwei Jahren nicht mehr benutzt. Es fehlt mir nichts. Geht über das Telefon auch und der Gesprächspartner sieht auch nicht, wenn ich das Gesicht verziehe. In sozialen Netzwerken eine Karteileiche, aber nicht abgemeldet. Was bleibt, sind jede Menge blogs, die ich nicht missen möchte, websites mit Musik oder Videos.

    Das ist jedoch Vernügen, Hobby, Spaß. Zu einem geringen Prozentsatz auch eine Bereicherung meines Lebens oder meiner Gedankenwelt. Was geschieht, wenn mir morgen das Netz abgeklemmt wird? Nun, beruflich wäre es eine große Einschränkung. Viele Projekte wären nicht mehr, oder zumindest nicht so, zu verwirklichen. Privat bedeutete es nur eine geringe Beeinträchtigung meiner Lebensqualität.

    Nehmen wir nun den Facharbeiter, der täglich seine acht Stunden arbeitet. Welchen Nutzen zieht er aus dem Besitz eines Smartphones? Keinen. Aus dem Netz als Gesamtes? Bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls keinen. Betrachtet man die Statistiken, wie viele Leute die Möglichkeiten des Internets tatsächlich zu Weiterbildung oder Qualifizierung nutzen, sieht es ziemlich mau aus. Da befinden wir uns im Promillebereich. Der tägliche Katzenbildertraffic ist bei weitem höher.

    Wie sieht es nun aus mit einer demokratischen Willensbildung im Netz? Mit all den Möglichkeiten, die sich uns angeblich bieten, und mit ihrer Nutzung. Welche Themen werden denn behandelt, die große Aufmerksamkeit bekommen? Eine Petition gegen Markus Lanz. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass ein Mensch dieses Namens im Fernsehen zu sehen ist. Bei Lanz muss ich nach wie vor eher an Traktoren denken. Die Steuerbetrügereien einer Frau Schwarzer, Nacktbilder bei Edathy – Yellowpress-Themen. (wobei ich nichts gegen gut gemachte Yellowpress habe) Und genauso werden sie zum großen Teil diskutiert. Hunderte oder tausende postings werden dazu abgelaicht. Es wird vom Leder gezogen, dass es eine reine Freude ist. Das mag für das seelische Gleichgewicht seine Berechtigung haben, alleine der Erkenntnisgewinn ist gering.

    Der Rest amazon, ebay etc – Seiten zur Befriedigung eines Konsumwunsches.

    So, wie das Netz größtenteils genutzt wird, braucht es tatsächlich kein Mensch. Weder auf dem PC noch auf dem Smartphone. Der Schluss daraus ist, dass tatsächlich viele Leute dieses ganze Geraffel in die Tonne schmeißen könnten. Nach spätestens zwei Wochen wären die Phantomschmerzen weg und es würde ihnen nichts fehlen.

    Das heutige Internet ist für eine kulturelle Entwicklung ein reichlich irrelevantes Medium. Das gilt jedoch auch für alle anderen Medien. Aber hier kommt der entscheidende Denkfehler Enzensbergers ins Spiel: Schuld an dieser Irrelevanz ist nicht das Medium, sondern seine Protagonisten.

    Daher ist der Satz von Enzensberger natürlich reiner Blödsinn. So sympathisch Maschinenstürmer sind. Das Netz ist da und seine Überwachung auch. Beides lässt sich nicht mehr aus der Welt entfernen. Und hier gilt es politische und vor allem technische Lösungen zu finden, die eine Totalüberwachung erschweren, oder im besten Falle sogar verhindern. Hier sind wir uns vollkommen einig. Denn anders als Enzensberger habe ich dieses Medium noch nicht vollkommen abgeschrieben.

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    • juergengerdom sagt:

      Ich habe ganz bewusst mein Leben als individuellen Gegenpol geschildert, um polarisierend aufzuzeigen, dass es wenig bringt, die Dinge Schwarz/Weiß zu malen; das Leben neigt zu Grautönen.

      Außerdem halte ich das Internet (implizit die Anwendertechnik) für höchst schützenswert. Wenn heute in Politik und Wirtschaft Lügen verbreitet werden, folgen die Gegendarstellungen noch am gleichen Tag, und das Vertuschen funktioniert auch nicht mehr so richtig, seit es Whistleblowing gibt, das ohne dieses Medium so nicht denkbar wäre. Daher die Angst der Mächtigen nicht nur im Iran, Nordkorea oder China, sondern global vor diesem Medium; es dient der Demokratie. Wir sollten es höher schätzen und also auch vehementer verteidigen. Das hat am Ende wenig mit der Frage zu tun, ob ich eine Mail mehr oder weniger schnell bearbeiten muss.

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      • Thelonious sagt:

        Du Polarisierer du :). Ich gebe dir vollkommen recht. Das Netz und die Technik darum herum sind schützenswert. Das „höchst“ würde ich in dem Sinne streichen, dass meine „bürgerlichen“ Rechte per se alle „höchst“ schützenswert sind. Egal ob es sich um die Privatsphäre, die freie Meinungsäußerung oder die Unverletzlichkeit der Wohnung o.ä. handelt. Dass diese Rechte im Zweifelsfall nur auf dem Papier stehen ist eine völlig andere Sache.

        Dass aber das Internet zu einer neuen Form von Transparenz führt, halte ich für einen modernen Mythos. Sogenannte whistleblower gibt es, seit es den Journalismus gibt. Ein watergate, eine Iran-Contra-Affäre, der FIBAG-Skandal und, und, und … Enthüllungen von großen politischen Skandalen gab es schon vor dem Internet. Kurz gesagt, die Weitergabe von Geheimnissen hat nichts mit dem Medium zu tun. Sie liegt in der Natur mancher Menschen.

        Auch dass Lügen dank der Existenz des Internets kürzere Beine haben, sehe ich nicht so. Die meisten Gegendarstellungen sind nur die Folge mangelnder Recherche aufgrund eines erhöhten Nachrichtendrucks. Spiegel online ist dafür ein schönes Beispiel. Die Rate von Falschmeldungen oder irreführenden Überschriften ist dort extrem hoch. Die Übernahme von PR-Meldungen ebenfalls. Und hier bin ich bei einem Punkt, den ich gänzlich anders sehe, als du. Für die Regierungen und Verbände der Welt ist das Netz ein wahrer Hauptgewinn. Noch nie war es so einfach, PR und Propaganda unter das Volk zu bringen. Und so billig.

        Jetzt whisteblowe ich auch einmal. Mein Geld verdiene ich überwiegend mit PR-Arbeit. Deswegen schreibe ich Meldungen wie diese: „Die Firma XY baut ein neues Werk in Ungarn. Rund eine halbe Milliarde Euro wird der Konzern in den kommenden Jahren in den neuen Standort investieren. Für den Vorstandsvorsitzenden ABC ist das Engagement ein wichtiger Schritt in der Erschließung der osteuropäischen Märkte …“ So, oder ähnlich lauten Pressemeldungen von mir oder anderen, die Du dann in den online-Portalen der großen Verlage, über Radio oder Fernsehen zu sehen oder hören bekommst. Jedes Wort ist wahr. XY baut dort ein Werk, auch die Investitionssumme stimmt und ABC hat das wirklich so gesagt.

        Trotzdem ist es die pure Desinformation.

        XY bekommt über Fördermittel der EU und Ungarns rund 300 Millionen zurück. Die Gewinne, die das Werk erwirtschaftet sind über 10 Jahre (wenn ich mich recht erinnere) steuerfrei. In Wirklichkeit kostet Ungarn XY keinen müden Euro. Im Gegenteil. Bezahlt wird das Werk de facto aus Steuermitteln. Das freut die Aktionäre. Damit ist die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. Da die Löhne in Ungarn niedriger sind, wird künftig dort produziert und am deutschen Standort Leute entlassen. Was passiert mit diesen Arbeitsplätzen? Das alles kannst Du in meiner Pressemeldung nicht lesen. Kein Redakteur, egal ob im Print-, Online, TV- oder Radiobereich stellt mir solche Fragen bevor er die Meldung veröffentlicht. Und Du denkst Dir dann: „Schon tolle Hechte die Leute von XY. Da scheint das Geschäft zu brummen“ Mission accomplished.

        XY und mein Bankkonto freuen sich. Die Firma steht gut da und keiner fragt nach den Folgen. Dabei wäre es so einfach, solche Informationen zu dekonstruieren. Man muss es nur wollen. Alleine, die Zeit reicht nicht. Daher kann ich den Redakteuren nicht einmal einen Vorwurf machen. In diesem Fall ist das Ganze auch nicht so schlimm. Übler wird es in der Politik. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Es gibt nur wenige große Verlage mit ihren Portalen, die ihre Meldungen nicht unkommentiert veröffentlichen. Und da wird es so richtig eklig.

        Aber, wie schon vorher erwähnt, es ist nur zum Teil ein Problem des Mediums selbst. Es ist ein Problem, dass die üblichen Verdächtigen die Kontrolle zu übernehmen drohen. So sehr ich mit deiner Sicht sympathisiere, die Realität sieht im Moment so aus, dass wir ein Medium, das wirklich das Potenzial zu einer neuen Form der Demokratie bietet, mal wieder vollkommen versauen.

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  7. Das eigentliche Problem – um nicht zu sagen: die Katastrophe – ist doch, daß wir heute inmitten einer “Menschheit” leben müssen, die nur noch mit dem Handy in der Hand das Haus verläßt, die mit dem Handy in der Hand ißt, trinkt, sich prügelt, kackt und fickt, die nicht mehr weiß, wie sie ohne Handy den Weg zum nächsten Bäcker (oder besser: zur nächsten Party) finden soll und wann sie ihre Pillen nehmen soll, die die Welt nicht mehr versteht, weil sie sie gar nicht mehr wahrnimmt, sondern nur noch mit gesenktem Blick herumstolpert und nichts hört und sieht außer dem eigenen Geplärre und dem Scheiß, der auf dem Display erscheint.

    Ich habe kein Handy, nicht in erster Linie, weil ich Angst vor Überwachung hätte, sondern weil ich keins vermißt habe, als es sie noch nicht gab, und weil ich mir nicht von anderen vorschreiben lasse, was ich brauche. Die “Kommunikation” mit Handy-Besitzern halte ich für verzichtbar, da ich durch Zwangszuhören im öffentlichen Raum den Eindruck gewonnen habe, daß es sich bei ihnen überwiegend um sterbenslangweilige, dumme und banale Leute handelt.

    Damit wollte ich eigentlich nur sagen: stimme Enzensberger und Pantoufle voll zu. Und, ja, ich bin arrogant.

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  8. pantoufle sagt:

    Guten Abend alle miteinander
    [ ich sollte in Zukunft kürzere Texte schreiben, dann werden die Kommentare länger ]

    Ja, gerade erst nach Hause gekommen, den ganzen Tag im Rigg rumgeklettert und ihr amüsiert Euch hier alle! Sowas aber auch… ?
    Da muß ich ja eigentlich gar nichts mehr hinzufügen, außer den übliche Anmerkungen. Der Text war vielleicht doch ein wenig zu lang. Man hätte es noch kürzer formulieren können: Brauchst Du das alles und was bist Du bereit , dafür aufzugeben? Diese Frage kann man ja durchaus mit »Ja« und »alles« beantworten oder eben auch nicht. Nur darüber nachgedacht sollte man haben.

    Bei Eurer Diskussion fällt auf, daß Begriffe wie »Vielzahl« in den verschiedensten Spielarten eine große Rolle spielen. Mir fällt dazu Sarah Wiener ein (Ja, das ist die toll aussehende Köchin), die, auf die angeblichen Vielfalt in den Supermärkten angesprochen, sinngemäß erwiderte: »Welche Vielfalt? Es gibt 20.000 Tomatensorten. Wieviele kennen Sie mit Namen?«
    Als Jürgen mir gestern Abend, kaum daß ich Korrektur gelesen hatte, mit einem nachdenklich-differenziertem »Unfug« in die Parade fuhr, dachte ich mir schon, was da kommen könnte. Natürlich findet jeder seinen persönlichen Teilchen, das er der ganzen Technologieschwemme abgewinnen kann, das für ihn vielleicht auch von Nutzen ist. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, selbst wenn es iPhone heißt und von Apple kommt. Ich kann mich da ja auch beim besten Willen nicht ausnehmen; mein Beruf hat zu einem hohen Prozentsatz etwas damit zu tun. Andere Menschen verdienen ihr Geld mit Metallbearbeitung, trotzdem finden sich Drehbänke nur vereinzelt in Privathaushalten.

    Aber mir geht es eigentlich um etwas anderes. Im Moment der Erfindung des Automobils gab es einen kleinen, elitären Zirkel, dem diese Erfindung einen – wenn auch vielleicht begrenzten – Nutzen brachte. Es war aber beileibe nicht so, daß 30 Jahre später jeder ein Auto hatte. Oder ein Flugzeug. Oder nach Ablauf dieser Zeitspanne nach der Erfindung des Buchdrucks jedermann ein gut gefülltes Bücherregal sein Eigen nannte. Das scheint im Zuge der Datenverarbeitungsrevolution, die wir erleben, aber niemanden zu stören. Jeder braucht »eins« und sinnt krampfhaft eine Begründung dafür zusammen. Machen wir uns doch nichts vor: Das Hauptargument der Werbung lautet doch »Dein Nachbar hat es schon« und »Du kannst Pornos herunterladen«. Das ändert natürlich nichts daran, daß es einen tatsächlichen Nutzen haben kann, nur wird die ernsthafte Frage, ob es das auch für einen selber hat, nur ungern gestellt. Wer will schon als Maschinenstürmer und mit Pferdekutschenmentalität verunglimpft werden?

    Wie vielleicht auffällt, ist diese Darstellung frei von Politik und Wirtschaft. Daß diese dabei eine Rolle spielen, ist unbestritten, aber vielleicht erst einmal viel zu vordergründig. Das, was ich im Auge habe, ist bis hier erst einmal nur ganz private Schau auf das eigene Innere, das sich fragt, ob es das wirklich haben will.

    Ein anderer Teil – und jetzt kommen Politik und Wirtschaft endlich ins Spiel – besteht in konkreten Fragen der Gefährlichkeit einer Technologie.
    Bei der Atomkraft ist die Euphorie bereits etwas abgekühlt. Die Schwierigkeit, für mindestens 750.000 Jahre irgend welche Arten von Endlagergarantien abzugeben und die Erkenntnis, das der GAU statistisch zwar nur alle 15.000 Jahre stattfindet, in Praxi aber durchaus alle 5 (was ja nicht einmal der Statistik widerspricht, sondern nur eine andere Häufung beschreibt) hat den Markt nicht belebt. Es gibt andere Beispiele: Das Überschallverkehrsflugzeug, den wasserstoffbefüllten Zeppelin oder Heroin als Kopfschmerzmittel. Manchmal liegen die Experten falsch. Vielleicht erweist sich das Internet als Grabstein der demokratischer Errungenschaften der letzten 150 Jahre… könnte ja immerhin sein.
    Thelonious »Das Netz und die Technik darum herum sind schützenswert. Das „höchst“ würde ich in dem Sinne streichen, dass meine „bürgerlichen“ Rechte per se alle „höchst“ schützenswert sind. Egal ob es sich um die Privatsphäre, die freie Meinungsäußerung oder die Unverletzlichkeit der Wohnung o.ä. Handelt.«
    Das ist dann so etwas ähnliches wie die sichere Lagerung von Uranabfällen.

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    • juergengerdom sagt:

      Ich finde, gerade die dazu kritisch eingestellten Geister jazzen das Smartphone zu etwas hoch, was es nicht ist. Keinesfalls ist dieses Ding vergleichbar mit der Erfindung des Automobils. Da ich mit einer 18 Jahre älteren Frau verheiratet bin, habe ich im Freundeskreis einige Leute, die so ein Gerät nicht nur nicht besitzen, sondern außerdem freundlich interessiert fragen, wozu das dient. Denen antworte ich: Du hast einen PC zu Hause, mit Internetanschluss? Das ist dasselbe, nur mobil. Dass man damit notfalls auch telefonieren kann (mache ich zB sehr selten), ist ein Gimmick, mehr nicht. Jemand schickt mir von einem anderen Kontinent Dateien zur Beurteilung und wartet auf eine Antwort, in welche Richtung es weitergehen soll, bevor er weiterarbeiten kann. Ich toure aber gerade mit dem Motorrad an der Küste herum. Kein Problem, beim nächsten Stopp zwecks Bierchen trinken bekommt er seine Antwort; bei Bedarf sprechen wir noch schnell was in Skype ab. Als säße ich daheim am Rechner. Mehr isses nicht, aber weniger auch nicht.
      Ach so, es gibt auch Leute, die schießen damit Angry Birds ab oder was weiß ich, klar. Ändert nix daran, dass die Erfindung sinnvoll ist.

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      • Joachim sagt:

        Vollkommen korrekt. Dazu eine kluge, weil vom Menschen ausgehende praktische Sicht.

        Besser: es wäre korrekt und wünschenswert.

        Es wäre korrekt, gäbe es da nicht die NSA, die Werbeindustrie, Microsoft, die sich gerade vorbehaltenen Spype-Chats zu speichern und Google, das mit Andriod das freie Linux in eine Schnüffelmaschine gewandelt und perfekt okkupiert hat, Facebook, Amazon ändern Geschäftsbedingungen und … lies weiter bei Enzensberger. Ein Smartphone ist eben nicht nur “smart” oder “nützlich”. Zwischen einem Computer und einem Tablet besteht ein großer und sehr künstlicher Unterschied. Ein Tablet/Smartphone gehört Dir nicht wirklich – obwohl Du gezahlt hast. Ich bin der Letzte, der etwas gegen Naivität hat. Wir sollten viel kindlicher sein. Doch manchmal muss man auch erwachsen werden und Realitäten sehen.

        Das Ganze bekommt mit Enzensbergers Punkt 6 eine politische Dimension. Statt “Brich das Gesetz”, was das Grundgesetz durchaus nahe legt wenn wir “uns in postdemokratischen Zuständen” (Quelle ARD, Enzensberger) befänden, sagt der, man solle Politikern “die Stimme verweigern, wenn sie die digitale Enteignung dulden statt gegen sie vorzugehen”.

        Richtig so. Das ist das, was sich alle westlichen Regierungen unehrlich verdient haben. Sie haben sich (nicht nur) hier disqualifiziert wenn sie behaupten nichts gewusst zu haben, Nachweise einfach leugnen, nichts tun, die digitale Enteignung nicht nur dulden sondern selbst erschaffen und befördern. Dem Fass den Boden schlägt allerdings die Entrüstung aus, wenn das Kanzler-Phone von dem betroffen ist, was man selbst (mit) geschaffen und immer propagiert hat. Sie wissen nicht, was sie tun. Sie halten sich für über der Gesellschaft stehend und werden dann schonmal als Pädophil, in ihrer Denke also als Internetkriminell, entlarvt und sogar manchmal verhaftet. Diese Pappnasen wollen nun eine VDS und wieder Bilderverbote. Es reicht offensichtlich nicht es schon verkackt zu haben. Da geht noch was. Facepalm.

        Nicht die Technik ist das Problem. Es ist unser ahnungsloser Umgang gepaart mit dem Versuch der maximalen Ausbeutung durch den, der die Macht dazu hat.

        Mein einziger Vorwurf an Enzsensberger ist: er verkennt, dass freie und kostenlose Software existiert wenn er “umsonst” als gefährlich bezeichnet. Freie Software wurde nicht geschrieben um (direkt oder primär) Reichtümer anzuhäufen. Es ist vielmehr der selbe Drang, der uns zu Gedichten, Liedern oder mathematischen Beweisen führt, der Leute dazu bewegt ihre Werke zu teilen.

        Vielleicht hat er dennoch recht. Denn der Preis für freie Software ist Mitarbeit und Kooperation – sogar dann wenn Mozilla wie ein Unternehmen geführt wird. Selbst dann, wenn das ein Fehler ist könnten wir das einfach ändern. Das Du (stellvertretend für die Meisten) diesen Preis weder zahlen können noch wollen, dass hindert mich so wenig wie jeden, der schon einmal freie Software schrieb.

        Alles übertrieben? Idealistisch? Praxisfern? Unsinn? Nun, wie viele Windoof Computer habe ich schon vom Boden aufgekratzt weil den Besitzer einfach die Zusammenhänge unbekannt sind und der Virusschutz in Form von Intelligenz vor dem Computer fehlte. Für die war das dann kein Unsinn – was sie nicht hindert nächsten Monat wieder anzurufen damit ich ihnen den Lautstärkeregler des youtube-Players per Fernwartung aufdrehe. “Heul, da ist kein Ton”. Selbst der “Dümmste” bemerkt hier, das etwas nicht stimmt, entschuldigt sich vollkommen unnötig 1000 fach. Es ist uns peinlich. Doch das bringt noch niemanden dazu, auch nur ein klein wenig nachzudenken – geschweige denn aus Einsicht Konsequenzen zu ziehen. Das Problem sitzt immer vor der Kiste.

        Meine geliebte Frau hat keinerlei Ahnung von Rechnern oder dem Netz, mag sie nicht einmal besonders. Seltsamerweise ist vollkommen unmöglich, dass sie Mist mit dem Rechner baut. Dies, obwohl sie das Netz sinnvoll nutzt. Wie kommt das nur?

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        • juergengerdom sagt:

          Mein Smartphone läuft mit CyanogenMod, wo ich die Rechte der Apps einzeln zuweise oder unterbinde, ich habe alle gängigen Anti-Tracker und Blocker installiert, GPS schalte ich nur ein, falls ich es mal benötige, und alle Konversationen, die mir geschäftlich oder privat intim erscheinen, laufen über Verschlüsselung. Eh klar. In dem Punkt hat Enzensberger ja auch völlig recht: Man sollte sich schon mit den Werkzeugen befassen, die man nutzt.

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          • Joachim sagt:

            Nett, das Du so antwortest: Mit einer Handlungsempfehlung. Sehr schön.

            Aber ich muss auch schon wieder “meckern”. Deine Ansicht, Handlungen sind richtig und Du kannst weder etwas für die NSA noch für meine Kritik. Du schützt Dich und vermutlich Andere.

            Du kannst das. Ich kann das. Nur was tut der Rest? Kaum jemand sagt: “he, geiles Phone, doch leider habe ich keine Ahnung” und kauft es dann nicht. Denn Apple zieht etwas Anderes vor. Technik soll hype sein und ohne bist Du uncool.

            Genau dagegen sagt Enzensberger: Wirf es weg. Du brauchst das sowieso nicht.

            Ich löse das schon lange genau so. Die Politiker stehen doch so auf Leisung und Verantwortungsbereitschaft:(der Anderen. Für sie selbst gibts 10% ohne Leistung).

            Ich hatte niemals ein Handy/Smartphone. (Was nicht bedeutet, ich würde mich nicht auskennen)

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          • juergengerdom sagt:

            Aber gilt das nicht immer: Glücklich, wer es nicht braucht? Weil ich tendenziell besser darüber informiert bin, werde ich im Bekanntenkreis oft um Rat gefragt, und in vier von fünf Fällen kommen ich zu dem Schluss: Brauchst du nicht, sei froh. Die Risiken und Nebenwirkungen sind enorm. 😉

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  9. pantoufle sagt:

    Moin Jürgen

    Sach ma: Mal eben was ganz anderes! Warum gibt es eigentlich keine berühmten Hollywoodschinken wie »Im Todesgriff der Suchmaschine« oder »der letzte Photoshop«? Dafür gibt es »Aviator«, den »Terminator«, den »Pferdeflüsterer«, »Vom Winde (und nicht dem digitalen Rauschen) verweht« … Selbst Autos (Need for Speed) oder Motorräder (Easy Rider) kommen prozentual weit besser weg als der ganze Internetkrempel. Irgend etwas scheint da noch nicht stattgefunden zu haben, die Herzen scheint es nicht zu berühren.

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    • juergengerdom sagt:

      Hoi Daniel!
      Warum denn auch, das ist pure Technik, Mittel zum Zweck. So etwas wie Fahrspaß oder HiFi gibbet da nicht. Internet ist nur Inhalt.

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    • Joachim sagt:

      Ah, endlich. Eine Widerspruchsmöglichkeit 😉

      Easy Rider ist schon älter. Die Argumentation erscheint mir nicht fair.

      V wie Vendetta, Matrix, Tron, in gewisser Hinsicht Avatar, diverse Hackerfilme…Und sogar der Terminator setzt sich kritisch mit (Chip-)Technik und der daraus resultierenden Verantwortung auseinander. Man könnte sogar auf die Idee kommen, dass Orwell mit vielen Ideen Technik, soziale und politische Effekte extrapoliert hat. Der Televisor ist ohne Vernetzung kaum möglich. Oder Fritz Langs bei Metropolis. Würde das heute gedreht, so würde das Netz sicher eine Rolle spielen.

      In jedem Fall ist die Auseinandersetzung der Kunst (im weitesten Sinn) mit der Technik immer Thema gewesen. Gerade Dir ist das doch ganz genau bekannt.

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      • pantoufle sagt:

        Ich dachte ja auch eher an die Mordszene, in der sich Mörder und Opfer gegenüberstehen, iPhone gegen Samsung; Mörder tippt: »Tot!«, Opfer antwortet »Arrrhhhggg, winsel«. 🙂
        Shit! Das hätte ich in meine letzte Geschichte einbauen sollen. Aber so ist das: schlagfertig ist man immer erst 10 min später.

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        • Joachim sagt:

          ROFTL. Du rettest gerade meinen Tag…
          Gab’s trotzdem: T-800 vs. Flüssigmetall T-1000 (oder war’s R-X?). Hasta la vista baby.

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  10. Stony sagt:

    Noch was, @Joachim, und wer sonst so mitliest:

    “Ich will nichts ändern. Ich will, dass es so ist, wie es wirklich ist und nicht so, wie man es uns einreden möchte.”

    Das finde ich äußerst bemerkenswert, kam es mir in dieser Form doch bislang nie unter! Zumindest so, wie ich es lese und verstehe; die meisten wissen eben doch ‘wie es ist’, egal ob nun ‘wirklich’ oder eingeredet, finden es … [Zutreffendes einfügen] … wollen es ändern oder auch nicht.
    Jene die wissen ‘wie es wirklich ist’ und es gut mit der Menschheit meinen, wollen möglichst alle mit diesem Wissen versehen und dann direkt notwendige Änderungen angehen (zumindest ist das mein vorläufiger Eindruck, ein paar rühmliche Ausnahmen sehe ich aber wohl) – allzu viele scheint es mir nicht zu geben, die etwa unter Leidensdruck stehen, weil das ‘Wissen’ unter Umständen doch nicht ganz so unkompliziert daher kommt, oder gar zweifelhaft sein könnte.

    Wie lese ich dich nun? Fangen wir von hinten an: ersteinmal das Streichen des eingeredeten, also dem, was verschleiert, schönfärbt, umdeutet, Begrifflichkeiten für sich in Anspruch nimmt und Bedeutungen verdreht. Was bleibt wäre dann die ‘entkernte’ Realität, das ‘wie es wirklich ist’ in Reinform. Und dazu auch noch ‘das es ist’ – d.h., das es währt, das es eben Ist; kein theoretischer Punkt, keine Beschreibung in Büchern oder Erzählungen, echtes Sein. Und dann: “Ich will nichts ändern.” … das Währende währen lassen (bissel verquast, sry).
    Was ich darin sehe ist die Unmittelbarkeit der Empfindung, das ausgesetzt sein, Kontrollverlust – gerade als den Gegenpart der imaginierten Kontrolle über das Schönreden und erklären von Zuständen (der Logos der wieder zum Mythos wurde -> siehe auch deine Ausführungen zum Glauben an die Technik).

    Ich denke, daß dies ein Punkt sein kann, von dem eine neue Aufklärung möglich wäre, verbunden mit einer Entschleinigung wie sie (auch) pantoufle anmahnt. Der Fortschritt, der im Kopf sein muß, Erkenntnis die sich die Zeit nehmen kann die sie braucht.

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    • Joachim sagt:

      Stony, eine Antwort fällt mir schwer. Ich fürchte, Du erwartest zuviel und ich schätze, Du willst das auch nicht wirklich. Jedenfalls kann ich mir das kaum vorstellen und das hat weniger mit Dir zu tun. Du hast durchaus Recht mit Deiner Beschreibung. Sie entspricht mir sehr. Doch eine neue Aufklärung ist damit nicht möglich. Denn es ist alles schon da und alles ist schon gesagt. Glücklicherweise gibt es Klügere als mich. Das reicht Dir nicht?

      Vielleicht willst Du dann meine erste Antwort wissen. Das war einfach nur die Bitte: “Darf ich Dir vorlesen?”

      Wenn das auch nicht reicht dann schreibe mir eine Mail. Ich würde mich freuen. Bis dahin verrate ich Dir meine “ewige” Lieblingsstelle aller Bücher, die Stelle in dem Buch, das selbst nicht zwingend mein Lieblingsbuch ist: Hesses Siddhartha steht als Fährmann am Fluss, hört den Wellen zu und er versteht.

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      • Stony sagt:

        Nein, das reicht mir völlig; eine Antwort auf mein Gedankenspiel kann kaum positiv ausfallen, ich wollte damit auch nicht mehr als einen Anriß von einer Idee bringen, einen Punkt von dem aus man eine Perspektive einnehmen kann die den Blick ein wenig öffnet, für Etwas, daß erfahren werden muß. Das du Hesses Siddhartha anführst freut mich daher ungemein, die Haltung des Suchenden und seine Zweifel.

        Meine Verwendung des Begriff ‘Aufklärung’ war Käse, keine Frage. Das eine Rückbesinnung auf die und zur Aufklärung nötig ist, scheint mir angesichts der Zustände dieser Welt offensichtlich – das diesbezüglich alles schon da ist und auch gesagt wurde, daran habe ich allerdings Zweifel. Schon in Anbetracht der Tatsache, daß z.b. in den wissenschaftlichen Teildisziplinen kaum mehr als eine handvoll Leute wirklich verstehen, was da gerade ‘top of the art’ ist. Aber das ist noch mal ‘nen anderes Thema.

        Ich wünsche ein schönes Wochenende,
        meines wird auf jeden Fall feucht-fröhlich. 😉

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        • Joachim sagt:

          Normalerweise würde ich jetzt ein wenig schmollen weil Du nicht mailen willst. Aber ich weiß was Besseres.

          Widerspruch: Deine Verwendung des Wortes Aufklärung ist mitnichten Käse. Meine Antwort war durchaus und durchweg positiv. Ich will nur nicht alles öffentlich machen. Es schließlich so, dass jeder seinen Weg selbst finden muss (pha, eine Ausrede).

          Das alles gesagt ist, das bedeutet nicht, dass jeder es gehört hat oder das dies überhaupt möglich wäre zu verstehen. Wenn Wahrheit versehentlich oder absichtlich verdeckt wird, gar einfach vergessen wird, wenn Glaube des Eigennutzes die Welt beherrscht und sogar Logik und Technik zum Aberglauben verkommt, dann bleibt nichts als der Versuch der Aufklärung – am Besten indem man es vormacht, genauer: indem man sie lebt. Das gibt dem gleich eine praktische Komponente und ist sogar die einzige Möglichkeit. Worte nutzen hier nichts oder nur sehr selten.

          (Abschnitt zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gestrichen! Das hätte den Besserwisser nun total belegt. Das will ich nicht sein. Es reicht auch so schon mehr als genug und ist hinreichend Grund zu zögern)

          Auch sonst kommst Du mir nicht so einfach davon. Irgendwann lese ich Dir vor – was auch immer Du willst. Ich freue mich schon darauf. Nur den Grund, den musst Du schon selbst finden.

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          • Stony sagt:

            Sorry ob der langen Stille Joachim, aber so wie mein Befinden über das Wochenende war, wollte ich nichts kommentieren, allzu Sinnvolles wäre da (als ob es sonst anders wäre, hihi) nicht bei rumgekommen … *hicks* 😉

            Mhhmm… mailen… nicht gerade mein bevorzugtes Kommunikationsmedium; ich ruf den Eingang der hier benutzten addy nur alle paar Wochen überhaupt mal ab und (lacht mich nur aus) verschlüssel nicht mal.

            ***

            Nun wird’s langsam philosophisch, obwohl, nein: philosophierend.
            Was ist Wissen, wenn es nicht öffentlich ist, was für ein Weg mag sich daraus ergeben, was bedeutet es alles (oder eben auch nicht) gehört, gar verstanden zu haben (nebst dem Verweis auf die mögliche Unmöglichkeit) – Wahrheit und Glaube (positiv: glauben, als ‘für wahr nehmen’), die Werkzeuge Logik und Technik, das ebensolche diskursive Denken, welches ‘nur’ ein methodischer Abgleich anders gewonnener Ideen ist (imho sein kann)…?

            Mit der Praxis hab ich dann das wirklich ernsthafte Problem, das (womöglich?) nur das meine ist: ich kann mich, bei allem Verständnis des wissenschaftlichen Wahrheitsbegriffes (welchen man in Österreich, meine ich, vorzüglich als “einstweilen definitiv” zu bezeichnen beliebt), nicht von der Idee eines ‘Absoluten’ und der Letztbegründung trennen. Woraus für mich folgt, daß, bei aller positiven Bewertung von Aufklärung (meinerseits), das Ideengebäude doch auf Sand gebaut ist, oder vllt. besser noch ein Luftschloß darstellt und ich mich, angesichts der Umstände (ich denke nicht, daß dies dem Gros der Aufklärer & Wissenschaftler wirklich bewußt ist, oder verschleiern sie dies in der Praxis absichtlich?!), nicht dazu durchringen kann, an solchen ‘mit zu bauen’ resp. teilzuhaben.
            Dies ist allerdings wieder eine Perspektive, eine für die ‘einstweilen definitiv’ gilt.

            ***

            Dein mehrfach angebotenes Vorlesen klingt ebenso spannend wie verwirrend für mich, in gewisser Hinsicht ängstigt es mich sogar ein wenig, wobei Letzteres mich wiederum belustigt. Ich denke weiter darüber nach. Ein schönes Rätsel.

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          • Joachim sagt:

            So, nun habe ich fast alle Deine Fragen beantwortet. Phu, was für ein Klotz. Ein wenig Arbeit noch und es wäre wohl halbwegs zufriedenstellend. Ein vollständiges Bild der Welt und aller Erkenntnis. Dummerweise ist in diesem Wissen ein Satz enthalten: “Da steh’ ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor”. Und der brennt in meinem Kopf. Faust, der Grund für mein Schweigen und der Grund, warum Du das nicht wissen willst. Und das ist nun weder Polemik, noch Pathos und schon gar kein Scherz und mit absoluter Sicherheit nicht respektlos gemeint. Das Gegenteil ist der Fall. Denn ich denke an diesen alten Haiku.

            Die Nonne Chiyono studierte jahrelang,
            konnte aber keine Erleuchtung finden.
            Eines abends trug sie einen alten Eimer voll mit Wasser.
            Während sie ging beobachtete sie den Vollmond
            wie er sich im Wasser des Eimers spiegelte.
            Plötzlich rissen die Bambusstreifen,
            die den Eimer zusammenhielten, und das Gefäß brach auseinander.
            Das Wasser schoss heraus, das Spiegelbild des Vollmonds verschwand
            und Chiyono wurde erleuchtet.

            Sie schrieb folgendes Gedicht:

            Auf diese und auf jene Art wollte ich den Eimer zusammenhalten,
            hoffend der schwach Bambus werde nie reißen.
            Plötzlich fiel der Boden heraus.

            Kein Wasser mehr im Eimer
            kein Mond mehr im Wasser.

            Leere in meiner Hand.

            Anmerkung:
            Das mag Dir nun recht billig vorkommen und hilft Dir wenig. Es tut mir wirklich sehr leid, doch Du bringst mich in eine Zwickmühle. Ich kann mit Dir über Mathematik sprechen, über Computer, auch etwas über Philosophie und Literatur, über Musik auch und über Menschen. Letztlich kann ich Dir nicht viel mehr bieten, als den Siddhartha, den Goethe, den Shakespeare, den Gilgamesch oder Zen – wenn überhaupt, wer bin ich denn? Willst Du mehr, so kann ich kaum etwas für Dich tun, als Dir, ganz sicher unbeholfen, vorzulesen. Wir werden sehen.

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          • Stony sagt:

            Ich erinnere mich nur noch schwach an den Ton des Klatschens einer Hand; dies ist meine Zwickmühle: das Leben mit meiner Zerissenheit, dem seltsamen Verlangen ‘zweierlei Welten’ zusammenführen zu wollen. Dies Wollen entspringt dem, welches ich nicht lassen kann, das einzig mir im Wege steht, dem ich im Wege stehe. Ein Schritt nur, für den ich keine Beine brauche.

            Danke für dein Vorlesen,
            auch wenn ich Selbstgespräche führe; mal schaun ob ich Laufen lerne.

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          • Joachim sagt:

            Nein nein Stony, keine Selbstgespräche und “dumm” schon gar nicht. Ich finde das wichtig und Deine Herangehensweise ist angemessen. Ich habe sehr viel Text verworfen. Phu, was für ein Klotz war kein Scherz. Es ist hier einfach nicht der richtige Platz. Jedes Ding braucht seinen Platz.

            Manchmal, bei so manchen Dingen interessiert mich nicht, was morgen ist oder gestern war, nur “sein”. Als ich sagte, wir verstehen uns, da kamst Du mir wie ein guter Freund vor. Internet ist auch zu blöde. Da existiert sowas nicht. Es ist der falsche Ort.

            Lass uns diesen Thread beenden. Es muss einen anderen Weg geben. Danke für die Gedanken. Ich schätze, wir werden sehen.

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  11. Publicviewer sagt:

    Das Problem liegt einfach am System selbst.
    So lange das Volk sich nicht vergegenwertigt, das dieser Neoliberalimus überwunden werden muss, wird sich nichts ändern.
    Falsch ist es auch die Fehler in den 90ern zu asuchen.
    Es war nur eine reine Zeitfrage wann der Kapitalismus den sogenannten Kommunismus mit seinen Waren überennt.
    Dieses System konstituiert sich seit anfang des 16 Jarhunderts in unseren Köpfen, durch Leute wie Hobbes, Mandeville, Smith und vielen anderen Protagonisten die meinen das sich die Menschheit dem Zwang der freien Märkte zu unterwerfen haben.

    Meiner Meinung nach möchte Enzensberger, wenn auch etwas holprig um es mal gelinde auzudrücken, dem etwas entgegensetzen.
    Es handelt sich m. E. nicht um eine allgemeine Systemkritik, sondern eher um etwas was jeder Bürger und Konsument selbst tun kann um das System in die Kinie zu zwingen.
    Mein Vorschlag ist dem nämlich nicht ganz unähnlich, wenn auch etwas weiter gefasst.

    Passiver Widerstand, ein paar Gedanken dazu:

    Die Grundnahrungsmittel in der Umgebung kaufen, achtet auf “Faire Trade”, wie zum Beispiel bei der Teekampagne, in Berlin.
    Kauft keine neuen Autos mehr, denn die alten sind meist viel billiger. Das ist mein Spezialgebiet, ihr könnt mir glauben, dass die neuen Autos allesamt eine Hightech-Wegwerf-Ware darstellen.
    Glaubt nicht an den Quatsch von Abgasnormen, niedrigeren Co2 Ausstoß.
    Das ist wie mit der Feinstaubplakette und vielen Anderem auch, eine absolute Verarschung.
    Breitbandbildschirme, Handys, PC´s auch mal ein paar Jahre länger benutzen, viele technische Geräte braucht sowieso kein Mensch.
    Erteilt dem Konsum eine klare Absage, kauft keine “Apple” Produkte mehr und kauft nicht bei Amazon, keine Markenklamotten, tankt kein E10 und spendet nicht an den WWF!!!(Der Pakt mit dem Panda anschauen).
    Reden, Diskutieren, Stellung beziehen….informiert euch….Und sucht nicht mehr mit “GOOGLE” sondern z.B. mit “IXQUICK” und stellt euer Betriebssystem endlich auf “LINUX” um.
    Keine Aktien und Börsenspekulationen, nehmt nicht vorschnell Kredite auf, am besten ihr verzichtet ganz darauf.
    Vergesst nicht, dass unser gesamtes System auf Kredite und unbegrenztes Wachstum aufgebaut ist.
    Treibt wieder Tauschhandel wenn irgend möglich.
    Das gleiche gilt für die Kreditkartenbenutzung und auch keine Smartphones, benutzt wieder Bargeld, das ist nicht zurück zu verfolgen.
    So bekommt man das System in die Knie.
    Schaut mal nach, ob ihr wirklich all Eure Versicherungen überhaupt braucht, die ihr Euch in all den Jahren angeschafft habt.
    Wenn die Menschen nur noch das kaufen würden, was sie wirklich benötigen, wird sich dieses System ganz schnell als ad acta bestätigen.
    Ach, und holt euer Geld von der Bank, falls ihr noch Welches habt…;-)
    Fazit: (Nach Robert Kurz) Die einzige Handlungsalternative sei „eine Kultur der Verweigerung“. Dies bedeute, „jede Mitverantwortung für ‚Marktwirtschaft und Demokratie‘ zu verweigern, nur noch ‚Dienst nach Vorschrift‘ zu machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo immer das möglich ist“.

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  12. Antje sagt:

    Ich arbeite seit vier Wochen mit Apps für das anonyme surfen im Internet. Es gibt viele Vorteile für das benutzen diverser Apps. Doch leider ist das Setup der Programme oftmals problematisch. Diverse Backdoors tauchen vielfach wieder auf. Seit Montag verwende ich nur noch eine Website mit dem Namen Proxybuster. Einfach die URL in das freie Feld eingeben und ihr surft ohne lästiger Installation ganz anonym : Adresse@die direkt zu Adresshändler führt.

    Aber man sollte Spam auch mal eine Chance geben!

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