Ach hört doch endlich auf – eine Replik

Gott, ist die süß! Frau Merkels Eintritt ins Neuland via Twitter und Selfies.

»Liebe Politblogger.
Wenn ihr es bisher noch nicht wusstet, wisst ihr’s jetzt: Das war’s.
Gebt auf.«

Der Kiezneurotiker schreibt, ich habe es gelesen und die Antwort fällt mir sehr schwer. Viele Worte fallen mir nicht ein, nur die letzte Seite einer Zeitung, ein letzter Kommentar:

An unsre Leser
Nach den Ereignissen des 27. Februar wurde eine Reihe von Persönlichkeiten verhaftet, unter denen sich auch der Herausgeber unseres Blattes, Carl von Ossietzky, befindet. Redaktion und Verlag der ¸Weltbühne´ versichern den Lesern, daß sie und ihr Rechtsbeistand Kurt Rosenfeld alles tun werden, was im Rahmen des heute noch Möglichen liegt, um Carl von Ossietzky die Freiheit wiederzuverschaffen. Eine Reihe von Gründen, vor allem technischer Natur, machen es uns diesmal nicht möglich, wie üblich sofort zu dem Wahlergebnis Stellung zu nehmen. Welche Bedeutung ist diesen Wahlen beizumessen Mit ihnen wird die erste Periode in der Geschichte der deutschen Republik abgeschlossen, mit ihnen beginnt ein neuer Abschnitt dieser Geschichte. Wir dürfen wohl in diesem Augenblick feststellen, daß wir immer unsere warnende Stimme erhoben, daß wir uns nicht gescheut haben, den Ruf ewiger Querulanten auf uns zu nehmen, denen nichts recht zu machen ist. So schmerzlich die Konstatierung auch ist: unsre Kritik, unsre Warnungen waren mehr als berechtigt.
Trotzdem: es wird weitergearbeitet, denn der Geist setzt sich doch durch.

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Die Weltbühne

Nur ein altes Stück Papier, das vergessen zwischen den Trümmern lag, über denen die Geister Millionen Toter schweben.
Es gibt eine Verpflichtung, seine Stimme zu erheben, wenn Unrecht geschieht. Auch wenn sie niemand hört.
Für den Frieden, für Gerechtigkeit, für den Sozialismus.
Es wird weitergearbeitet, denn der Geist setzt sich doch durch.

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0 Kommentare zu Ach hört doch endlich auf – eine Replik

  1. Duderich sagt:

    Ich kann die Wut und den Frust, den sein Text atmet gut verstehen. Hab ihn selbst oft.

    Ich denke, in einer freien Gesellschaft sollte es keine Verpflichtung geben, die Stimme zu erheben, sondern man sollte die Wahl haben es zu tun oder zu lassen.

    Die Verzweiflung und die Ohnmacht lässt viele von uns verstummen; das ist nicht schön aber die Symptomatik dieser inhumanen Gesellschaft.
    Innere Kündigung nennt man das wohl.

    Ich denke, sein Text ist nicht als Aufruf gemeint, dass jeder die Flinte ins Korn werfen soll, sondern vielmehr Ausdruck seiner Verzweiflung.

    Grüße, Dude

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  2. tikerscherk sagt:

    „Ich denke, in einer freien Gesellschaft sollte es keine Verpflichtung geben, die Stimme zu erheben, sondern man sollte die Wahl haben es zu tun oder zu lassen.“

    Ich denke, dass die Verpflichtung eher eine moralische ist. Dem inneren Ruf, bzw. der eigenen Gesinnung zu folgen. Solidarisch und veranwortlich zu handeln, dem Nächsten und sich selbst gegenüber. Für Frieden und Gerechtigkeit.

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    • pantoufle sagt:

      *hüstel* …der letzte Satz erscheint mir irgendwie unvollständig.

      Moin, Tikerscherk

      »Ihr, die das Leben gabt für des Volkes Freiheit und Ehre,
      Nicht erhob sich das Volk, euch Freiheit und Leben zu retten.«

      Den Satz von Duderich habe ich mit voller Absicht nicht kommentiert. Das lag nicht allein daran, daß ich dem nicht zustimme. Mein Widerspruch begänne bei der Formulierung »freie Gesellschaft«. Wenn er dabei nicht die Gegenwart meint, sondern eine ferne Utopie, mag es durchgehen. Wenn nicht, habe ich ihn und sein Blog sowie den darauf folgenden Absatz falsch verstanden.
      Nicht, daß ihn das in meinen Augen diskreditieren würde – ich sehe es nur eben anders. Die moralische Verpflichtung käme der Sach` schon näher. Ich würde sie um ein paar Nützlichkeitserwägungen ergänzen.

      Kommt dazu, daß persönlich ich nur kurzweilig an Verzweiflung laboriere.

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      • tikerscherk sagt:

        Unvollständig? Der „Nächste“, also auch der Sozius bzw. Genosse kam doch schon im vorangehenden Satz vor, da habe ich mir den Sozialismus gespart.
        Die Antwort vom Duderich habe ich offensichtlich nicht gründlich gelesen, sonst wäre ich ebenso an der freien Gesellschaft hängen geblieben.

        Welche Nützlichkeitserwägungen meinst Du?

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    • pantoufle sagt:

      Wenn gelegentlich der Begriff »Politik« als nahezu religiöse Macht, die dem menschlichen Zugriff vollkommen entzogen ist, dazu missbraucht wird, eine Erklärung für Passivität zu liefern, halte ich das für unnatürlich.
      Der Höhlenbewohner war von jeher daran interessiert, sein Wohnverhältnisse zu verbessern. Seine Lebensumstände, die Aufzucht seiner Brut – er arbeitet unablässig an optimierten Bedingungen dafür. Je nach Zivilisationsstufe mit mehr oder weniger Zeitaufwand. Es liegt in seinen Genen, er kann gar nicht anders.
      Vom Tier unterscheidet er sich darin, Einfluß auf seine Umwelt nehmen zu können – letztlich um seine Überlebenschancen zu verbessern. Diese Fähigkeit aus der Hand zu geben, sich den Umweltbedingungen zu unterwerfen (zu der ja auch Politik gehören mag), ist in diesem Sinne nicht nützlich.

      Gustav Landauer hat diese »Nützlichkeit« unter einem anderen Aspekt beleuchtet und sehr schön formuliert:

      » Die Welt ist ewig, aber ich lebe nur einmal. Jch sehe eine Welt um mich, an der mir vieles, viel zu vieles verhaßt und abscheulich ist. Einer meiner Haupttriebe, der notwendig ist, um leben zu können nach meiner Natur, ist der, die Welt nach den Prinzipien, die ich als vernünftig liebgewonnen habe, umzugestalten. Da ich keinen Herrn und kein Gebot über mir anerkenne – sollte ich da nicht alles daransetzen, um für dies mein Ziel zu wirken? Der Mensch stirbt an Scharlach, an Diphtherie, an Trunksucht, an Cholera, an Altersschwäche. Gibt es einen schöneren Tod, als für ein Ideal zu sterben.

      Ich lebe nur einmal, habe nur einmal die Zeit, auf die Welt zu wirken nach meinem Willen, und ich sterbe sehr bald. Warum sollte ich nicht mein alles einsetzen für die Befreiung der Menschheit?«

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  3. oblomow sagt:

    Ganz kurzer einwurf: „The moral dilemma is to make peace with the unacceptable.“ (May Sarton)
    Diesen frieden kann ich weder machen noch finden, nicht einmal biedermeierlike – freude am und spaß im leben geht trotzdem, bleibt nur immer mal wieder die alte Ed Okin – frage: Why can´t I sleep?
    (John Landis, Into The Night)

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  4. Thelonious sagt:

    Kalt ist es geworden die letzten Tage. Wenn ich durch die Wiesen stapfe, dann riecht es nach faulen Äpfeln und Birnen. Rottig und vergärt. Der Hund hat es gut. Er hat sich sein Winterfell wachsen lassen, aber ich stehe da und friere. Da hilft keine warme Jacke. Es ist nicht die Temperatur. Es ist der Geruch. Meine Nase sagt mir, dass es jetzt kalt ist. Und dann friere ich.

    „Wir haben einen warmen November“, sagt mein Nachbar. Sicher. Aber es ist November. Und der ist kalt und die Tage kurz. Und er riecht vergammelt. Ich ziehe einen Handschuh an, hebe einen braunen Apfel auf und werfe ihn. Der Hund rennt los, doch bevor er ihn hat, zerplatzt der Apfel auf dem Boden. Angewidert wendet er sich ab. „Wieso wirfst du mit stinkenden Bällen?“ „Es gibt nichts anderes mehr.“ „Dann lass es bleiben.“

    Arbeitslose Hartz-IV-Empfänger fühlen sich schlecht integriert

    Schreibt SPon. Was für eine Überraschung. Sie fühlen sich schlecht integriert. Soll ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Wegen der faulen Säue? Sollen sie was schaffen. Leute, die arbeiten, fühlen sich nämlich besser integriert. Meint SPon. Wäre ja noch schöner. Wer nicht arbeitet … ist selbst dran schuld.

    Die Deutschen erben sich reich (SPon)

    Amerikaner machen das durch harte Arbeit. Wer will, der kann! Und wer keinen reichen Erbonkel hat, soll sich auf den Hosenboden setzen. Geht doch! Jeder ist seines Glückes Schmied. Das weiß man doch.

    Rot-Rot-Grün zieht Lehren aus Versagen beim NSU-Terror (SZ)

    Ein Gedenkstein soll errichtet, und wenn möglich der Verfassungsschutz reformiert werden. Und wenn nicht? Dann lassen wir es halt. Ist November.

    Die FAZ titelt:

    Makaber

    „Hier kommt eine Partei an die Macht, die den Marsch in den Sozialismus und die Planwirtschaft durchsetzen will.“ Schreibt die FAZ über die Thüringen-Wahl. Eigentlich lese ich die FAZ gerne. Den Sportteil. Ich weiß, warum.

    Senat bestätigt verdeckte Ermittlungen in der Roten Flora

    Eine verdeckte Ermittlerin bricht so ziemlich jedes Gesetz, aber das macht nichts. Sagt die Bundesanwaltschaft. Im November darf man das und den haben wir seit Jahren. Egal!
    Ach so,

    Deutschland braucht die Kohle

    „Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft schießt sich die Umwelt-Lobby auf Kohlekraftwerke ein. Dem Land würde ein schneller Ausstieg aus der Kohleverstromung aber schaden. Und der Umwelt wenig helfen.“ Atomkraftwerke sind aber geil. Braucht man keine Kohle mehr. Macht der Atom. Überhaupt geht es doch immer um Kohle, unabhängig von der Jahreszeit. Und dem Land.

    „Wie andere Verbündete hat Deutschland zu viel Blut und Geld investiert, um das nun zu verspielen.“ (faz) Es geht um die Arbeitslosenstatistik. Nein, um Afghanistan. Fängt ja auch mit A an.

    Blut und Geld. Blut UND GELD. Wir wollen richtig gewichten.

    Blut? Ein paar Arbeitslose weniger sind gut für die Statistik. Aber UNSER GELD. Und der Islami ist nicht mal dankbar. Wie der Arbeitslose. Florida-Rolf. Man kennt sie ja, die Pappenheimer. Und dann fühlen sie sich nicht integriert. Arschlöcher.

    Es geht um unser Geld. Der Arbeitslose. Der Islami. Der Ebola. Ausreden! Wer will, der kann. Aber die wollen nicht!

    Jetzt ist Vorweihnachtszeit. Da möchte ich das nicht sehen. Der Rumäne, der auf der Fußgängerzone sitzt und bettelt. Für das Syndikat. Der ist unangenehm. Der will mein Geld. So penetrant. Ohne Gegenleistung.

    Wenn ich ihn wenigstens ficken dürfte. Hier, sofort, auf offener Straße. Hose runter und ich zeige dir meine Potenz. Mein Geld, mein Schwanz.

    Blut und Geld. Mein Geld, dein Blut. Des bassd scho. Ich zahl‘ auch. Das ist nur gerecht. Beschwer‘ dich nicht.

    Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

    Seelöwe vergewaltigt Königspinguin (Bild.de)

    Hat er wenigstens was bezahlt? Blut gegen Geld. Das gehört sich so.

    Sex im Auto gibt es in der Spiele-Reihe „Grand Theft Auto“ schon lange – doch jetzt wird es noch realistischer! In „GTA 5“ können Spieler jetzt auch in der Ich-Perspektive Sex mit Prostituierten haben.“ (Bild)

    Geil! Des koschd ja gar nix. Nur des Spiel. Da mache ich doch gleich die Hose auf.

    Das System hat versagt (sueddeutsche.de)

    Stimmt! Aber ging in diesem Fall nur um Autos.

    Und dann fragt man sich, was den kiezneurotiker reitet?

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