Absurd wie Urheberrechtsverletzung

Léon Gimpel - Kids at War, 1915 (3)

Das gepanzerte Gefechtsfahrzeug »Boxer« ist eine Entwicklung von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann. Für den schlanken Mitnahmepreis von ca. 3,2 Millionen Euro bietet dieses moderne Fahrzeug unter anderem eine Toilette und einen Wasserkocher (800W). In der Grundausstattung sind Rückspiegel enthalten, nicht jedoch eine Bewaffnung. Bei einem NATO-Manöver Ende 2013 rüstete die Truppe deswegen ihre Neuanschaffung (ursprünglich geplant 2006, teilweise geliefert 2009, eingeführt 2011) mit schwarz angemalten Besenstielen als furchteinflößenden Kanonenersatz aus. Selbst ist der Soldat, auch wenn alle anderen lachen.

»Dieser Verband soll innerhalb von kürzester Zeit an jedem beliebigen Ort, wo eine Gefahr für Mitgliedsstaaten auftreten kann in Einsatz kommen.«

General a.D. Harald Kujat

»Beim Abschuß panzerbrechender Munition wendet sich der Soldat zum Ziel und ruft ein lautes „Peng“ in Richtung des vermuteten Feindes. Bei der Verwendung von Raketenmunition wird der Anruf durch ein anschließendes „huiiiii“ ergänzt! Mögliche Treffer sind durch ein deutlich vernehmbares „Bumm!“ zu anzuzeigen«
Aus einer sowas von vertraulichen Dienstanweisung der Truppe.

Na ja: Die Meldung ist schon etwas älter und hat sicherlich schon die Runde gemacht. Inzwischen ist die Zahl der Beschaffungspannen- und Totalaussetzer beinahe logarithmisch gestiegen und man wundert sich über gar nichts mehr. Aber wenn man glaubt es geht nichts mehr, kommt Ursula von der Leyen daher.

Das G36 ist nicht für den Kampfeinsatz bestellt worden

Das G36 ist (für alle, die sich für solcherlei Unsinn nicht interessieren) ein Sturmgewehr der Bundeswehr des Herstellers Heckler & Koch. Der Schießprügel war Mitte der 90er Jahre für die Bundeswehr bestellt worden und existiert dort mit rund 170.000 Exemplaren. Bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr vor zwei Jahren traten Mängel bei der Zielgenauigkeit zutage, die durch Laborversuche bestätigt wurden. Bei einer Temperaturänderung von 30° sank die Trefferwahrscheinlichkeit von 90% auf 7% ab. Das sind Temperaturänderungen, die bei automatischen Waffen durchaus vorkommen können – nicht nur in Mali. Das Maß der abnehmenden Präzision legt nahe, die Waffe selbst im Notfall nach dem bösen Feind zu werfen.

Die damals frisch gebackene Kriegsministerin v.d. Leyen nahm das zum Anlass, dem G36 »keine Zukunft bei der Bundeswehr« vorauszusagen. Folgerichtig: Eine Ausschreibung für ein neues Gewehr, ein Zigmillionenauftrag. Die Stellungnahme von H&K lautete dann auch, man werde sich »gerne beteiligen, um auch weiterhin das Standardgewehr der deutschen Soldaten herzustellen zu dürfen«.
Man müsse vorher nur noch schnell klarstellen, daß das G36 an und für sich ein ganz tolles Sturmgewehr gewesen wäre – geliefert wie bestellt! Das macht man in Deutschland vorzugsweise vor Gericht. Und das Koblenzer Landgericht gab H&K am vergangenen Freitag nach weniger als 40 min. Verhandlung recht: Das G36 sei nicht für den Kampfeinsatz bestellt worden. Beim Verkauf des Schießgewehres sei nicht abzusehen gewesen, daß man es zukünftig im Einsatz verwenden müsse.

Ein weises Urteil mit Blick in die Zukunft: Niemand hat beim A400M behauptet, das Ding würde fliegen, der Transporthubschrauber NH90 schrauben, die Fregattenklassen 122/123/124 schwimmen oder Marinehubschrauber sollten rostfrei sein.

Eine Bundeswehr, wie sie sich jeder vernünftige Mensch wünscht. Nicht für den Kampfeinsatz bestellt.

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19 Kommentare zu Absurd wie Urheberrechtsverletzung

  1. Genau! Applaus für den letzten Absatz. Was die mediale Klage und Häme über den Ausrüstungszustand der Bundeswehr betrifft, wird hier nur propagandistisch das Feld bereitet für eine massive Erhöhung des Rüstungsetats. Ich habe schon vor gut zwei Jahren darüber geschrieben: http://trithemius.de/2014/09/28/auf-militarschrott-lasst-sich-gut-trommeln/

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  2. pantoufle sagt:

    Hallo Jules

    Also erst einmal: Ein sehr schöner Artikel. Hätte ich vor zwei Jahren schon von Dir gewußt, hätte ich ihn sicherlich geliked, dann allerdings doch meinen Senf dazugegeben. Den Senf also mit Verspätung:

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die Mühe gemacht hätte, all die Komiker, Kabarettisten oder Late-Night-Geschädigten abzuklappern. Ein Blick in den »Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr«, herausgegeben vom Bundesministerium der Verteidigung, bietet den Stoff in komprimierter Form mit passendem Zahlenmaterial. Da kommt kein Clown näher dran.
    Das jedenfalls hätte Deiner Vermutung

    »… haben deutsche Steuerzahler 415,7 Milliarden Euro für den Verteidigungsetat aufgebracht. Diese unfassbare Summe kann nicht völlig draufgegangen sein, um Uschi, Karl-Theodor, ihre Vorgänger und all die anderen Symbolpolitiker zu Stippvisiten nach Afghanistan oder ans Horn von Afrika zu fliegen.«

    dahingehend Nahrung geben, daß das Geld vermutlich genau dafür draufgegangen ist. Für Wartung und Instandhaltung jedenfalls nicht. Eher für turnusmäßige Abschreibungen.

    Meiner Einschätzung nach lohnt es sich, das Problem differenzierter zu betrachten. Teil eins des Dilemmas (und vermutlich der Wichtigste) besteht in der neuen Rolle von Weltgeltung, die die Bundesrepublik unter ihrer rechtsgerichteten Regierung glaubt einnehmen zu müssen. Ein gesondertes Kapitel – entscheidend wichtig, aber ich lasse das mal völlig ungerechtfertigt außen vor. Auch wenn uns die Osterweiterung der NATO langsam, aber sicher in einen Krieg führen kann.

    Einer der anderen Teile liegt in meinen Augen im Widerspruch zwischen den jeweiligen Kriegsdoktrin und den mittlerweile herrschenden Entwicklungszeiten moderner Waffensysteme. Waffen wie die amerikanische F35, der europäische A400M, Eurocopter PAH-2, NH90 oder Eurofighter erweisen sich in den nun zu führenden neokolonialen Kriegen als vollkommen deplaziert. Man hatte Waffen für einen Weltkrieg mit einem Hightech-Gegner geordert und kämpft nun gegen Eingeborene mit Speeren – bösartig vereinfacht. Die bestellten extrem teuren Geräte müssen natürlich trotzdem abgenommen werden und versagen bei ihren aktuellen Anwendungen programmgemäß. Nicht nur deswegen, weil bei ihrer Entstehung zu viele sich widersprechende Forderungen eine Rolle spielten, nicht nur, weil die die zugrundeliegenden Einsatzprofile mittlerweile Geschichte sind – warum nicht gleich Waffen bauen wie iPhones? »Buy befor fly<«: Da werden Flugzeuge buchstäblich vom Reißbrett gekauft, ohne daß auch nur eine Niete davon abgehoben hat.
    Das Prinzip hat bei allen militärischen Großprojekten mittlerweile versagt – mir ist nicht ein Gegenbeispiel bekannt, nicht eines!

    Was heute schwimmt, fliegt und sich auf Ketten oder Rädern bewegt, stammt aus den 70´ und 80´ Jahren. Modernisiert und aufgepeppt, aber im Grunde uralt (der Zilog Z80 kam 1976 auf den Markt – da wurde das zweite Los der Transall geordert, dem heutigen hauptamtlichen Transportflugzeugs der Bundesluftwaffe).

    Wenn es stimmt, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt, kommt man nicht umhin, sich für die vorhandenen und zukünftigen (bestellten) Waffensysteme den passenden Gegner zu suchen. Es sei denn, man ist bereit zu erklären, daß man Jahrzehnte ins falsche Material investiert hat, ergo das Geld zum Fenster rauswarf. Womit wir wieder beim ersten – von mir unterschlagenem – Punkt wären. So gut wie alle existierenden Waffensysteme sind nicht für einen sogenannten asymetrischen Krieg gedacht – bestenfalls notdürftig angepasst.
    Bei einem Militär-Budget der USA, bei dem jeder Obdachlose dieses Landes zum Millionär mutierte, braucht man stärkere Argumente als die Nachricht, wieder ein Hüttendorf mit lasergesteuerten, smarten Bomben dem Erdboden gleich gemacht zu haben. 596 Milliarden US-Dollar. Das geht überhaupt nicht ohne Krieg. Und zwar einem großen Krieg, der einer Doktrin des kalten Krieges folgt, gleich, ob der Gegner nun Russland oder China oder sonstwie heißt.

    Die Frage lautet also nicht, ob »es jedoch viel interessanter zu fragen [ist], wieso unsere politische Kaste, allen voran Ministerin von der Leyen, sich so in die Kritik begeben.«
    Das sind nicht die Auslandseinsätze der Bundeswehr! Das ist die Rückkehr zu einem Szenario des kalten Krieges. Der militärisch-industrielle Komplex hat längst die Größenordnung überschritten, als daß das künstliche Szenario des Kampfes gegen den Terrorismus (und seine neokolonialen Spielarten) dieses Ausmaß in irgend einer Form rechtfertigt.

    Der Witz, der keiner ist. Deutsche Fernsehredaktionen, die Komiker im Kampf gegen die Verschwendung von Geldern bei der Bundeswehr fördern?
    Verzeihung: Drei Nummern zu kurz gegriffen.

    Ähhh… das ist dann doch etwas länger geworden. Tschullige!

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    • Zum letzten Absatz deines Kommentars, lieber pantoufle: Hallo? Das habe ich doch gar nicht geschrieben. Von wegen: „Zu kurz gegriffen.“ Ich frage mich, was das Jammern über mangelhaftes Kriegsgerät soll, wenn man nicht will, dass noch mehr Geld für Rüstung ausgegeben wird.
      Und übrigens: Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind Realität. Bisher kommt Kriegsgerät nur da zum Einsatz.

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      • pantoufle sagt:

        Hmmm… hatte ich so gelesen und verstanden – das werde ich also noch mal gründlicher lesen müssen.

        Wegen des Jammerns über die Schießprügel: Ein Teil der Antwort steht in meiner Replik auf Duderich »Vergiss einfach mal, daß ich über Waffen gesprochen habe – denk Dir einfach, es war irgend neuer Flughafen in Berlin oder die bundesweite Ausschreibung für ein neues Feuerwehrfahrzeug.« Es geht um die Methodik, mit der so etwas passiert. Zum anderen interessiert mich das Thema einfach. Vielleicht mehr als es einen Pazifisten interessieren könnte, aber so ist es nun einmal.

        »Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind Realität. Bisher kommt Kriegsgerät nur da zum Einsatz.«
        Ja, ich weiß daß sie Realität sind und ich leide auch unter der Tatsache, daß es keine politischen Mittel gibt, das zu verhindern oder zu stoppen. Nein: Wahlen gehören nicht dazu! Mit einer Gurkentruppe, die unsere Grenzen gegen Tiefdruckgebiete schützt, könnte ich mit allergrößtem Zähneknirschen ja noch leben. Mit den Auslandseinsätzen auf keinen Fall.

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  3. Die Katze aus dem Sack sagt:

    Deshalb waren die Waffen auch so teuer. Man musste ja erreichen, dass sie den hohen Anforderungen genügen. Von der Stange zu kaufen wäre sicherlich auch gegangen, aber das wäre ja zu einfach und daher nur billig gewesen.

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  4. Der Duderich sagt:

    Ich frage mich, welche Bundeswehr Du denn herbeisehnst/ bzw. vermisst.
    Eine schlagkräftige?
    Wo genau liegt das Problem bei nicht funktionierenden Waffen?
    Weniger Tote? Weniger NATO-Einsätze?

    Klar, dieser ganze Scheiß kostet überflüssig viel Geld. Aber mir ist lieber, dass wir für dieses Geld ineffizienten Schrott einkaufen, als effektive Waffen, die unter Anderem auch gegen demonstrierende Menschenmassen (Notstandgesetzgebung) eingesetzt werden könnten.

    Oder hast Du Angst vor dem ‚bösen Russ‘, gegen den wir uns mit einer effizienten Armee erwehren müssten?

    Ich raffs nicht.
    Welche Stoß-/Zielrichtung verfolgt Dein Text?
    LG
    Duderich

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  5. Publicviewer sagt:

    Alle enteignen und vergesellschaften…fertig.

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  6. Publicviewer sagt:

    Keine Angst, meine Gefolgschaft ist eher klein… 😉

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  7. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle, ich gehe mal nur kurz auf den einen Satz ein.
    „Das G36 ist nicht für den Kampfeinsatz bestellt worden“
    Das ist imho eine möglicherweise meinungsmanipulierende, vereinfachende, Bullshitaussage.
    Wie komme ich dazu. Ganz salopp gesagt, damals: 1.) relativ neuer, billiger Materialmix im Zusammenhang Handwaffenbau, (vorher Holz und Stahl innerhalb der Bw)
    2.) Kostenlimitierung, 3.) wenig Ahnung seitens der zivilen Beschaffer BWB. (s. Materialmix)
    4.) Annahme: Der Krieg oder Einsatz findet im gemäßigtem Klima (Knackpunkt) statt.
    Ich bin über zwanzig Jahre auf einem Boot rumgeschippert, was konstruktionsstandtechnisch gesehen auf die 70er zurück ging. Einsatzort sollte sein „Ostsee“. Wo war ich? Fast überall.
    Was nicht immer ganz so prall war.
    p.s. Da alles erinnert mich stark an „die Unbestechlichen“:
    „Das kann nur ein Spaghetti- Fresser sein. Kommt mit ’nem Messer zu ’ner Schießerei.“

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    • pantoufle sagt:

      Moin Fluchtwagenfahrer

      Wie diese Aussage zustand gekommen ist, weiß ich natürlich nicht. Die Versuchung, sie auf die Bundeswehr direkt zu beziehen, war einfach zu verführerisch und deswegen habe ich den Rest dazu um sie herumgebastelt.

      Daß man die Designer-Wumme irgend welchen Bürohengsten mit dem Hinweis »… und hier haben wir noch eine wunderschöne Gravur mit dem Namen des Besitzers!« verkauft hat, ist die eine Seite.

      Im Prozeß vor dem Koblenzer Landgericht ging es meiner Meinung nach allerdings um etwas ganz anderes: Nämlich um eine eventuelle Produkthaftung von Seiten Heckler & Koch.
      In dem Bällebad, das der Hersteller in vielen Berichten und Gegendarstellungen lanciert, taucht verdächtig oft die Formulierung »… und es hat auch nie Unfälle gegeben!« oder ähnliches auf. Die überspitzte Formulierung (und in diesem Zusammenhang stimmt sie dann auch) »… nicht für den Kampfeinsatz bestellt« ergibt dann einen nachvollziehbaren Sinn.

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      • Fluchtwagenfahrer sagt:

        Moin mein Großer,
        nach meiner Einschätzung gibt es hier zwei Sachebenen zu betrachten, die politische und rechtliche.
        In der rechtlichen Dimension geht es m. M. nach so aus: „Geliefert wie bestellt“, der einzige Aufhänger für das BMVg, für einen wie auch immer gewichteten Vergleich könnte das ungeeignete Gehäusematerial Ultramid P6 sein, das dass damalige BWB akzeptiert hatte und H&K hier seiner Aufklärungs- und Beratungspflicht hinsichtlich der Nachteile des Materials nicht oder nicht genügend nachgekommen ist.
        Die politische Dimension in der suppiduppi best ausgebildeten und ausgerüsteten Armee ist, das wir Gottseidank aufgrund des G 36 Ausrüstungsmangel „hier“ keine verletzten/gefallenen Soldaten zu verzeichnen haben. Auch wenngleich nicht hauptursächlich – die „Gefahr für Leben und Gesundheit“ der Soldaten im Einsatz nachweislich erhöht wurde und das dieses erhöhte Risiko durch den Dienstherren möglicherweise billigend in Kauf genommen wurde.
        Dieser Imageschaden der Bw generiert kein erhöhtes Aufkommen an Mitarbeitern bei den Streitkräften und würde der/dem IBUK deutlich politisch schaden.

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      • derda sagt:

        Mojn Pantouffle,
        die Flinte wurde noch in einer Zeit bestellt als die BW noch als Verteidigungsarmee galt. Verteidigt wurde noch nicht am Hindukusch. Das kam dann später. Mitte der 90-er waren Sanitätseinsätze und Brunnenbohren in Somalia angesagt.
        Die Entscheidung ist damit Sachlich nicht zu beanstanden.

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        • pantoufle sagt:

          Moin, derda

          Ich weiß nicht, ob das ganz so einfach ist. Die Fehler des G36 hängen nicht ausschließlich mit dem Klima der Einsatzgebiete zusammen zusammen:

          Zur Bundeswehrvorgabe
          „dass ein Ziel sowohl bei schussinduzierter Waffenerwärmung, als auch bei wechselnden klimatischen Bedingungen auf eine Entfernung von bis zu 300m bei hoher Treffwahrscheinlichkeit (90%) getroffen werden kann“. Zu beiden Voraussetzungen, also sowohl zur „schussinduzierten Erwärmung“ als auch zu „geänderten klimatischen Bedingungen“ heißt es: „Das aktuelle Waffensystem erfüllt die Forderungen nicht.“

          Bericht des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) aus dem Januar 2012,
          Der „im G36 verwendete Werkstoff“ sei „für Anwendungen bei Temperaturen, die deutlich oberhalb der Raumtemperatur liegen und gleichzeitig hohen Steifigkeitsanforderungen nicht optimal“. Darüber hinaus enthalte er einen Anteil des noch weniger geeigneten Polyethylen. Bereits „knapp über Raumtemperatur beginne die Steifigkeit des Kunststoffs „deutlich abzunehmen“.

          Zum Thema Fabrikat heißt es 2015: „Ein untersuchtes Waffenfabrikat erfüllt im Gegensatz zum G36 die Forderungen.“ Dies habe gezeigt, „dass die (Bundeswehr)Forderungen bei schussinduzierter Erwärmung technisch erfüllbar sind“. Zur Temperatur halten die Prüfer fest: „Das G36 wird konstruktionsbedingt bei schussinduzierter Erwärmung innen deutlich heißer als Vergleichswaffen.“ Dies bewirke, „dass eine Abnahme der Treffwahrscheinlichkeit beim G36 bereits bei geringen Schusszahlen mit allen untersuchten Munitionssorten und -losen auftritt“.

          H&K:
          Hersteller Heckler & Koch wehrt sich vehement gegen Vermutungen, die derzeit diskutierten Effekte hätten etwas mit dem Kunststoff zu tun: „Alle Behauptungen zu angeblichen Negativeigenschaften des G36-Gehäusewerkstoffs und insbesondere, dass dieser die Ursache für alle angeblich festgestellten Probleme bzgl. der Treffleistung sei, sind falsch“, heißt es in einer Stellungnahme der Firma vom Wochenende. „Diskussionen über Details der Kunststoffzusammensetzung sind daher verfehlt. Der Bundeswehr war dessen Zusammensetzung jederzeit bekannt.“

          Die „Aufweitung des Streukreises“ sei „ein physikalischer Vorgang, der grundsätzlich bei allen Waffen nach extremen Beschusszyklen/hoher Schusszahl und/oder extremen Umgebungstemperaturen auftritt“. Die Dienstvorschrift lege daher fest, dass nach 150 Schuss Dauerfeuer das Rohr „auf Handwärme“ abkühlen müsse, bevor weitergeschossen werden dürfe. In der „heutigen Einsatzrealität“ sei jedoch „nicht auszuschließen, dass in bestimmten Gefechtssituationen eine übermäßige Rohrerhitzung auftritt und unbemerkt bleibt“.

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  8. pantoufle sagt:

    @Duderich
    Oho! Ein Fragender! Willkommen, hereinspaziert!

    »Welche Stoß-/Zielrichtung verfolgt Dein Text?«
    Ohne die Spannung herauspopeln zu wollen: »Eine Bundeswehr, wie sie sich jeder vernünftige Mensch wünscht. Nicht für den Kampfeinsatz bestellt.«
    Das war die letzte Zeile, das war das Fazit! Aber vergiß das mal für einen Moment – das Problem scheint tiefer zu liegen.

    Ich hätte natürlich auch sagen können »als ich heute Morgen aufwachte, wurde mir sofort wieder das repressive, kapitalistische System klar, welches mich um diese Uhrzeit in seinen sklavenhalterischen Zwang nahm. Der systemische Unterdrückungsmechanismus des Weckers, den mich schon 7:00 Uhr an das unvermeidliche Schicksal der Arbeiterklasse gemahnte… blahblahblah.«

    Das klingt nicht nur scheiße – das liest (zu recht) auch niemand. Jedenfalls nicht freiwillig. Punkt 1.
    Punkt 2: Wenn sich Jules auf seine Weise dem Problem »Geldverschwendung für die Bundeswehr« widmet, mache ich das auf meine Weise. Wir reden dabei über eine existierende Armee, existierende Waffen und real existierende Hintergründe.
    Punkt 3: Ich hab in meinem Text (und der Antwort auf Jules) mal eben das mit der Abschaffung der Bundeswehr, die Revolution und der vollständigen Umwandlung von allem in Volksbetriebe übersprungen. Das könnte man mir zum Vorwurf machen und es würde mich auch sehr hart treffen.

    Punkt 4: Vergiss einfach mal, daß ich über Waffen gesprochen habe – denk Dir einfach, es war irgend neuer Flughafen in Berlin oder die bundesweite Ausschreibung für ein neues Feuerwehrfahrzeug. Na, merkst Du was?
    Erstaunlicherweise passiert dort exakt das selbe – man könnte vermuten, daß ein Prinzip dahinter steckt. Wenn ich mich also damit beschäftige, werde ich einen Teufel tun, das mit irgend einer weltanschaulichen Metadiskussion aufzuweichen. Auch auf die Gefahr hin, daß irgend jemand auch in diesem Artikel die entschiedene Ablehnung des Kapitalismus vermisst.

    Kommt später! Versprochen!

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  9. Publicviewer sagt:

    Die Frau Kriegsministerin könnte doch im Bestreben auf eine allgemeine Annährung mit Russland mal bei Ischmasch nachfragen ob die nicht mal ein paar moderne AK108 liefern können.
    Wir hätten dann mal einsatzfähige Waffen.
    Putin hätte wieder Respekt vor der Deutschen Kampfkraft und volle Taschen noch dazu… ganz nach dem Motto Business as usual… 😉

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  10. Publicviewer sagt:

    Schade…schon vorbei….;-)

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