δημοκρατία

Das Leben könnte so schön sein, wenn es keine Demokratie gäbe. Das dachte sicherlich Bundeskanzlerin Merkel, als sie heute morgen die Frühstückszeitung aufschlug. Gerade erst hatte sie Europa gerettet! Gerade erst hatte Franz Josef Ackermann ihr auf die Schulter gekloppft… „brav gemacht, Mädchen!.. und die Mystiker der CDU waren auf die tiefsinnige Idee gekommen, daß man die nächsten Wahlen mit der völlig neuartigen Forderung eines Mindestlohns gewinnen könne – wenn das nicht taugt, hätte man auch noch das bedingungslose Grundeinkommen – sozusagen Wahlbestechung für alle!

Und während alle Unionspolitiker an diesem Morgen auf der chinesischen Landkarte erfolglos den „I like“ Button suchten, nun das: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou konnte letzte Nacht nicht einschlafen. Er träumte, daß die letzten 2 Jahre, in denen Griechenland sozusagen als entmündigter Staat – abhängig von der europäischen Hochfinanz – dieses unwürdige Schicksal die nächsten Jahrzehnte weiter erdulden müßte, während das Land vor lauter „Sparmaßnahmen“ entgültig vor die Hunde gehen würde. Das ließ ihn nicht schlafen und nebenbei albträumen. Und weil er Sozialist und nebenbei ein anständiger Kerl ist, beschloss er, in diesem Fall lieber das griechische Volk zu fragen, weil kein Politiker auf der Welt eine so schwerwiegende Entscheidung – vergleichbar einem finanzpolitischen Versailler Vertrag – allein in olympischer Höhe fällen kann. Zugegeben, sagte sich Georgios Papandreou: Es ist schon etwas ungewöhnlich, demokratische Prozesse zu bemühen, wenn es um das Schicksal einer Nation geht. Aber erstens ist es guter Stil und zweitens gäbe es sicherlich historische Parallelen… man ist schließlich Grieche und da müßte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich dazu nichts finden würde!

Der Ministerpräsident war natürlich Sozialist genug, um nicht genau abschätzen zu können, was das für Folgen hätte: Die Banken würden wie getreten aufjaulen ob der verlorenen Milliarden-Geldgeschenke, der DAX würde wieder einmal fallen, die Politiker, die gerade die 2-Klassen-EU erfunden hatten, würden sich weinend vor Wut in den Armen liegen und das Vertrauen der Märkte wäre auch wieder einmal erschüttert.

Die Reaktion wäre also voraussehbar: Alle Politiker Europas würden in devoter Untertänigkeit das Lied des Kapitals singen und ihn für verrückt erklären.

Αδιάφορος, sagte er sich. Wir haben absolut nichts mehr zu verlieren! Eine Lehrerin verdient im Moment so um die 500 Euro und das wird in Zukunft eher weniger werden. Also soll sie selber darüber entscheiden, ob sie das will. Ebenso wie jeder andere normale Grieche, der in diesem Moment vor den Trümmern seiner bürgerlichen Existenz steht.

Papandreou ging also zum Telephon und rief seine Sekretärin an: Du… ich hab da gerade eine Idee!

Das alles war also passiert, bevor Angela Merkel am Morgen die handverlesenen Zeitungsausschnitte las, die ihr das Bundesbüro für Frühstückszeitungen hingelegt hatte. Und was soll ich sagen: Die Banken jaulten wie getreten ob der verlorenen Milliarden-Geldgeschenke, der DAX fiel einmal wieder, die Politiker lagen sich weinend vor Wut in den Armen und das Vertrauen der Märkte war auf das Schwerste erschüttert!

Aber das war noch nicht alles: Der britische „Telegraph“ schrieb, daß ein Militärputsch in Griechenland die ideale Lösung des Problems wäre: Militärjuntas dürften keine EU-Mitglieder sein. Nicht ganz so faschistoid, aber im Grunde auch nicht besser, die Reaktionen des Dienstags, dem 1.11.2011 in Europa. Es herrscht allerorts blankes Entsetzen darüber, daß ein Staatsoberhaupt es nur in Erwägung zieht, das Wort Demokratie zu buchstabieren.
Die Politik Europas rottet sich zusammen und nennt Papandreou einen Hasardeur, weil er sein Volk um eine Willensbekundung bittet. Er wäre nicht wert, auch nur mit einer Silbe in einem späteren Geschichtsbuch aufzutauchen, hätte er es nicht getan.
Das Rauschen im europäischen Blätterwald der politischen Kommentare sagt nichts, aber auch gar nichts über die Beweggründe Giorgos Andrea Papandreous aus. Es beschreibt aber sehr genau den Zerfall des demokratischen Gedankens, der sich schon fast vollständig den Wünschen und dem Willen des Kapitals ausgeliefert hat.

„Der Bürger wird aufgerufen sein, zu der neuen Schuldenvereinbarung laut ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ zu sagen. Wenn das griechische Volk die neue Vereinbarung ablehnt, wird sie nicht verabschiedet“
Da hat der Repräsentant eines Volkes seinen Souverän um seine Meinung gefragt. Alle Gewalt geht vom Volke aus.

An dieser Stelle sozialistische Grüße der Schrottpresse an den Genossen Papandreou. Das Pantoufle und Kampfhund Oskar hoffen, daß Du Deinen Arsch da irgendwie wieder heile rausbekommst! Du hast das einzig Richtige gemacht!

 

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0 Kommentare zu δημοκρατία

  1. der_emil sagt:

    Oh, wie sehr ich Dir – nein, Euch! – da beipflichten kann!

    Möge das Merkel einmal die Frage: ESFS ja oder nein? dem deutschen Volke stellen …

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  2. Oliver sagt:

    Ich finde es toll, wie das System sich demaskiert, bin mir aber nicht sicher, ob das auch alle merken. So nennt eine Hamburger Tageszeitung (BLÖD in kleinerem Format) heute Papandreous Vorstoß (also die Demokratie) ein „Vabanquespiel“, ein „Spiel mit dem Feuer“ und titelt „Griechen stürzen EU in eine neue Krise: Jetzt brennt es wieder in Europa!“
    Über so viel freimütige Verachtung von demokratischen Entscheidungsprozessen bin ich dann doch einigermaßen überrascht. Vielleicht folgt man schon dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gäntlich ungeniert“??? Nur, wie gesagt: Viele, die es lesen, werden die Ungeheuerlichkeit, die sich in diesen Phrasen der Feinde der Demokratie offenbart, wohl gar nicht bemerken. So nennt das Blatt seine Kolummne, die sich mit dem Thema befaßt, dann auch „Meinung“ und nicht, wie es treffender wäre, „Meinungsmache“. Der durch 100%ige Linientreue mir schon oft aufgefallene „Autor“ hat meines Erachtens gar keine eigene Meinung, sondern folgt der seit Langem bekannten Propagandarichtlinie des unaufhörlichen Einpaukens diktierter „Weltanschauungen“. Ich frage mich, wie man angesichts unserer Geschichte, die auch dieser Person bekannt sein müßte, morgens noch in den Spiegel schauen kann, ohne sich übergeben zu müssen.

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    • pantoufle sagt:

      Wie man jetzt sehr schön sehen kann, wird schon dafür gesorgt, was man merken soll. Wenn zum Beispiel in der Presse berichtet wird, das der griechische Ministerpräsident „zum Rapport“ nach Canne bestellt wird – als wären Sarkozy oder Merkel eine militärische Instanz, die den Unteroffizier zu Unregelmäßigkeiten bei der Wachablösung zu befragen hätten. Aber genau das sind die Geschichten, die sich die Menschen in Deutschland morgends beim Bäcker erzählen sollen. Damit erst gar keiner auf die Idee kommt, zu überlegen, ob man hier manchmal auch etwas „volksbefragen“ sollte. Im freien, ungebremsten Fall – aber die Fahne hoch!

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  3. Alexei sagt:

    Schoener Blog, gefaellt mir sehr. Auch gute Themen.

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    • pantoufle sagt:

      Ja, finde ich auch, sneakerheads.blogwogin.com/ x Aurges1254@web.de 31.214.155.97. Total gute Themen hier, wenn Du mich fragst – wird eigentlich nur getoppt vom Kampfhund Oskar! Na ja: Und den tollen Mädels, die völlig auf Blogger abfahren (Mädels: Wo seit ihr??). Und das Design auf dieser Seite! Le-gen-fucking-där!!Einzelfzig!
      Sacht mal: Wie kriegt man diesen Schrott eigentlich endgültig in den Spamfilter? Ich bin es leid, das alles per Hand zu löschen.
      Ach ja, Alexei: Mein Blog gefällt mir auch sehr gut. Nette Leser, ruhige Kommentare – glücklicherweise niemand, der das „schön“ findet. Und wenn ich mich recht erinnere, ist die Schreibweise „Alexej“. Das wäre noch mal was: Ein Spam-Bot mit Rechtschreibkorrektur.

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